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VARIA: Bücher

Thomas Mann: Eine Spurensuche

Dtsch Arztebl 2001; 98(31-32): A-2049 / B-1771 / C-1647

Rehbein, Maja

Günther Schwarberg: Es war einmal ein Zauberberg. Thomas Mann in Davos – Eine Spurensuche. Steidl Verlag, Göttingen, 2001, 256 Seiten, mit zahlreichen Fotos, Leinen, gebunden, mit Schutzumschlag, 38 DM

Seit 1912, als Thomas Mann seine Frau Katia in dem „Waldsanatorium Prof. Jessen“ in Davos besuchte und dort die Anregung für seinen weltberühmten Roman „Der Zauberberg“ empfing, sind fast 90 Jahre vergangen. Günther Schwarberg hat die Stätten des Romans aufgesucht und eine Anzahl Personen identifiziert, die Mann als Vorbilder gedient haben (unter anderem Gerhart Hauptmann als Mynheer Peeperkorn, Ruggiero Leoncavallo als Settembrini, Georg Lukas als Naphtha). Man lernt die Arbeitsweise des Schriftstellers kennen, verfolgt seine Stellung zu Autoren und Problemen der damaligen Zeit sowie sein weiteres Leben. Sein 1924 erschienenes Buch entwickelte – zwischen Fiktion und Wirklichkeit – ein Eigenleben in der Welt. Die politischen Versäumnisse Thomas Manns, seine anfänglich zu harmlose Einschätzung des Faschismus, sein zeitweises Lavieren und die schließliche Einsicht, dass eine klare Position – gegen die Naziherrschaft und für das deutsche Volk – unumgänglich ist, sind weitere wesentliche Themen.
Der Zauberberg, der wie ein Gefängnis die Kranken festhält und ihre Gedanken, trotz der alarmierenden Zeitzeichen, in seine enge Welt zwingt, verliert seine Macht erst mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Thomas Mann hatte vorausgesehen, dass die Ärzte von Davos, vor allem der Klinik von Prof. Jessen (alias Hofrat Behrens) von seinen „Enthüllungen“ keineswegs begeistert sein würden und ihm wahrscheinlich ein Prozess drohte. Trotz aller Bemühungen, die Szenerie zu verfremden, wäre es auch beinahe so weit gekommen.
Ein äußerst interessantes, spannend zu lesendes Buch über eines der größten Werke der Weltliteratur; ein objektiver Blick auf eine verzaubert erscheinende Innenwelt. Man wird danach mit neu angefachtem Interesse den „Zauberberg“ wieder lesen. Maja Rehbein
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