78 Artikel im Heft, Seite 41 von 78

BRIEFE

Hyperaktivität: Absolut unausgewogen

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2571 / B-2195 / C-2059

Doepp, Manfred

Zu dem Beitrag „Lehrer greifen in die Therapiehoheit ein“ von Joseph Kanders in Heft 33/2001:
Es ist erschütternd, wie Sie in demselben Heft über die neben- und wechselwirkungsreiche Geschichte von Lipobay® berichten und gleichzeitig das Betäubungsmittel Methylphenidat, zum Beispiel das Ritalin®, als unbedingt notwendig für ADHS-Patienten deklarieren. Die Neben- und Wechselwirkungsquote dieses Medikaments ist horrend, erwähnt seien nur die häufigen Depressionen, Schlafstörungen, Tics und Entwicklungsretardierungen, abgesehen von Epilepsien.
Der Artikel ist absolut unausgewogen. Wie kann man es in den Raum stellen, die mehr als 350 000 ADHS-Kinder in Deutschland müssten analog zu den USA zu über 80 Prozent statt bisher unter 25 Prozent Ritalin erhalten? Wie kann man es als Faktum stehen lassen, dass hinter dem Zappelphilipp ein genetischer Defekt des Hirnstoffwechsels stünde und dass der Mangel an Dopamin nur durch Medikamente zu verbessern sei? Existiert die Psychoneuroimmunologie nicht?
Es ist doch unbestreitbar, dass die Genetik sich in 20 Jahren nicht ändern konnte, die Morbidität des ADHS sich aber vervielfacht hat. Was hat sich denn statt der Gene in den letzten 20 Jahren verändert, welche Umweltbedingungen, welche Verhaltensnormen, welche Essgewohnheiten, welche Stressoren?
Ritalin für so unverzichtbar wie die Brille für den Kurzsichtigen zu erklären ist ein ärztliches Armutszeugnis. Sucht man nämlich bei
ADHS-Kindern nach individuellen statt schematischen Ursachen, so findet man sie, und oft mündet das Problem in einem Umweltsyndrom. Prof. Karl J. Abrams (Orange County, CA, USA) hat als Chemiker die Defizite dieser Kinder an Mikronährstoffen, Enzymen, Probiotics etc. nachgewiesen. Er fand jedoch eine Vielzahl von Toxinen. Der Elektromagneto-Smog, in dem die Kinder leben und von dem sie desinformiert werden, ersetzt zunehmend natürliche Frequenzen wie die Schumann-Frequenz von 8 Hz.
Man kann wohl die medizinische Simplizität des Senkens des Cholesterins mit Statinen als Infarktprophylaxe vergleichen mit dem, was die Ritalin-Protagonisten für notwendig erklären. Die Folgen werden nicht auf sich warten lassen, da die Öffentlichkeit bei so gravierender Ignoranz weder der Pharma-industrie noch den ärztlichen Fachleuten in Zukunft noch eine überlegene Kompetenz zubilligen wird.
Dr. med. Manfred Doepp, Holistic DiagCenter, Buchbichl 52, 83737 Irschenberg
Anzeige

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
78 Artikel im Heft, Seite 41 von 78

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
4 / 2013 3 0
3 / 2013 1 0
2 / 2013 3 0
1 / 2013 10 0
11 / 2012 4 0
10 / 2012 1 1
2013 17 0
2012 35 1
2011 33 3
2010 41 2
2009 41 1
2008 231 12
2007 315 17
2006 93 158
2005 31 40
Total 837 234

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Schlagwörter

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in