VARIA

Fermentative Hyaluronsäure: Basistherapeutikum bei Arthrose

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-306

Nickolaus, Barbara

Die Synovialflüssigkeit zur Lubrikation und Protektion aller inneren Oberflächen von Gelenken hat die Aufgabe, Distanzhalter, Schmiermittel, Stoßdämpfer und Filter zu sein. Das Biopolymer Hyaluronsäure verleiht der Synovialflüssigkeit diese typischen Eigenschaften. Bei der nach wie vor nicht kausal behandelbaren, chronisch progredienten Arthrose mit Matrixdegradation und Chondrolyse hat sich die Supplementierung mit fermentativ gewonnener intraartikulärer Hyaluronsäure bei den Stadien II und III, wo noch ausreichendes hyalines Knorpelgewebe vorhanden ist, bewährt. Dies erklärte Prof. Wolfgang Noack (Berlin) bei einem Chemedica-Pressegespräch zu Hyaluronsäure (Handelsname: Ostenil®, Ostenil® mini) in Berlin.
Zwei Drittel der Bevölkerung mit einem Alter von über 60 Jahren leiden unter Arthrose. In einer Befragung von 25 000 Arthrosepatienten zeigte sich, dass das mechanisch besonders komplizierte Kniegelenk mit 61 Prozent am stärksten betroffen ist, gefolgt von der Wirbelsäule (55 Prozent), dem Hüftgelenk (38 Prozent), dem Schultergelenk (26 Prozent) sowie dem Kiefer- und dem Daumensattelgelenk mit je vier Prozent.
Zusätzlich zur etablierten physikalischen und/oder medikamentösen Behandlung sollte nach Aussage Noacks die Injektion von fermentativer Hyaluronsäure treten, da dieser hochreinen Substanz „eine zentrale Rolle für die Gelenkphysiologie“ zukomme und dem Gelenkknorpel vermehrt Elastizität und Stabilität verleihe. Noack betonte, dass unter der Einwirkung von Hyaluronsäure die Viskosität der Synovialflüssigkeit mit ihren natürlichen Eigenschaften (schmieren, dämpfen, filtern) erhöht wird. Der Schutzmantel gegen das Eindringen aggressiv inflammatorischer und destruierender Moleküle wird wieder aufgebaut beziehungsweise verstärkt, indem es die endogene Produktion anregt. Die typische Balance zwischen natürlichem Ab- und Aufbau von endogener Hyaluronsäure wird unterstützt. Zugleich verbessert sich deren krankhaft verminderte Qualität.
Noack erklärte, die drei- bis fünfmal im wöchentlichen Abstand (Fertigspritze Ostenil 20 mg/2-ml-Lösung) intraartikulär injizierte Hyaluronsäure müsse unter Beachtung einer hochgradig aseptischen Vorgehensweise in den Gelenkspalt eingebracht werden. Die Wirkung hält circa sechs bis zwölf Monate an und ist nach den Ergebnissen mehrerer kontrollierter Studien einer placebo- oder intraartikulären Glucocorticoidgabe überlegen, zumal nicht nur Schmerzen gemindert und Gelenkfunktionen verbessert werden, sondern auch bei einem Teil der Patienten die Progression des degenerativen Prozesses hinausgezögert und im Sinne einer gewissen Reparation und Regeneration sogar modifiziert wird.
Neue Therapieoption
Während fermentative Hyaluronsäure bislang für große Gelenke mit Ostenil zur Verfügung stand, ist jetzt Ostenil mini (Fertigspritze mit 10 mg hochreiner fermentativer Hyaluronsäure in 1-ml-Lösung) zugelassen und für den Einsatz bei kleinen Gelenken, zum Beispiel Facettengelenke der LWS (Facettensyndrom), Daumensattelarthrose der Hand, konzipiert. Mit der Viskosesupplementierung durch exogen zugeführte Hyaluronsäure besteht nach Aussage von Dr. Susanne Fuchs (Münster) nun eine neue, sehr wirksame Therapieoption bei chronischen nichtradikulären Prozessen an den Facettengelenken der LWS.
Unter diesem sehr schmerzhaften Syndrom leiden rund 68 bis 84 Prozent aller „Kreuzschmerz“-Patienten im mittleren Lebensalter. In einer Studie (doppelblind, randomisiert) an 60 Patienten wurde Ostenil mini gegen Triamcinolon-hexacetonid geprüft und die Schmerzintensität sowie Wiedergewinnung alltäglicher Tätigkeiten, guter Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit in Beruf oder Sport geprüft. Das Gesamtergebnis zeigte eine vergleichbare Verbesserung aller Ausgangsdaten. Dabei erreichten Corticosteroide einen etwas schnelleren Wirkeintritt, dafür hielt die Wirkung der Hyaluronsäure etwas länger an, und das Präparat ist nicht durch mögliche Begleit- und Wechselwirkungen oder die nicht zu unterschätzende „Corticoid-Phobie“ belastet.
Rund vier Prozent der Patienten über 50 Jahre, die eine orthopädische Praxis aufsuchen, wiesen eine Daumensattelarthrose auf, die zu Schmerzen, Gelenkveränderungen und umfangreichen Funktionsausfällen der Hand führt, erklärte Dr. Martin Talke (Berlin). Da Corticosteroide nicht in stetiger Wiederholung einsetzbar sind, bietet Ostenil mini hier eine neue nebenwirkungsarme Therapiemöglichkeit. Bei den 23 in einer offenen Studie untersuchten Patienten zeigte sich unter Hyaluronsäure eine wesentliche Besserung der Schmerzintensität, Gelenkbeweglichkeit und Kraft bei der Ausübung von Spitz- oder Schlüsselgriff.
Dr. Barbara Nickolaus
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