VARIA: Post scriptum
Er war sehr kontaktfreudig! Was Arbeitszeugnisse wirklich sagen
Dtsch Arztebl 2002; 99(6): [96] / [96] / [96]


Zeichnung: Reinhold Löffler
Was gut klingt, muss nicht gut sein. Jeder, der einen Chef über sich hat, sollte wissen, was positiv wirkende Formulierungen im Arbeitszeugnis wirklich meinen. Beispiele:
„Er zeigte gutes Einfühlungsvermögen in die Belange des Klinikpersonals.“
(Schwätzer, tratschte mehr, als er arbeitete.)
„Trug besonders zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei.“
(Hatte gegen einen Schluck Alkohol nichts einzuwenden.)
„Im Kollegenkreis galt sie als tolerante Mitarbeiterin.“
(Mit ihrem Vorgesetzten hatte sie Probleme.)
„Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.“
(Anpasser, der zu allem Ja sagt.)
„Sie erledigte alle Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse.“
(Eifrig, aber nicht sonderlich erfolgreich.)
„Er war ausgesprochen kontaktfreudig.“
(Ging jeder Schwester an die Schürze.)
„Wir haben ihn als zuverlässigen Mitarbeiter kennen gelernt.“
(War nicht sehr beliebt.)
„Neue Aufgaben betrachtete er stets als Herausforderung, der er sich mutig stellte.“
(. . ., die er aber dennoch nicht schaffte.)
„Sie war eine umgängliche Kollegin und zeigte für ihre Arbeit Verständnis.“
(Die meisten mochten sie nicht, weil sie nur das Allernotwendigste erledigte.)
„Er war wegen seiner Pünktlichkeit ein gutes Vorbild.“
(Die Leistungen waren völlig unzureichend.)
„Alle Arbeiten wurden von ihm ordnungsgemäß erledigt.“
(Eigeninitiative ist für ihn ein Fremdwort.)
„Hat unsere Erwartungen erfüllt.“
(Brachte aber schwache Leistungen.)
„Sie war immer mit Interesse bei der Sache.“
(Hat sich vergeblich angestrengt.)
„War tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“
(Er ist ein unangenehmer Kollege.)
„Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.“
(Der Chef hat gekündigt.)
„Er hat sich stets bemüht, seinen Aufgaben gerecht zu werden.“
(. . . und hat es stets nicht geschafft.)
Bernd Ellermann
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