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Supplement: Praxis Computer

Datenübertragung zwischen Arztpraxis und Labor: Kommunikation über den 2d-Barcode

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): [5]

Müller, Cyrill; Huesgen, Gert

Der erweiterte 2d-Barcode dient während der
Übergangsphase von der papiergebundenen zur elektronischen Beauftragung als digitales Transportmedium bei der Datenübertragung zwischen Arztpraxis und medizinischem Labor.
Die Labormedizin ist ein hochtechnisierter Bereich, in dem die Nutzung einer modernen Kommunikationstechnik für interne und externe Abläufe unabdingbar ist. In Deutschland ist die Befundmitteilung
vom Labor an den überweisenden Arzt über Datenfernübertragung (DFÜ) und ein standardisiertes Protokoll, dem LDT (Labordatentransfer) etabliert. Der LDT ist Bestandteil des „xDT“, der als Standard bei Praxiscomputersystemen vor allem zum Austausch von Da-
ten zur Abrechnung (ADT) und für Behandlungsdaten (BDT) eingesetzt wird.
Die elektronische Leistungsanforderung hingegen ist im Sektor der niedergelassenen Ärzte kaum anzutreffen. Gründe dafür sind offene rechtliche und informationsstrukturelle Fragen, wie Datenschutz und heterogene Übertragungstechniken mit unzureichender Marktbreite. Zudem fehlt für den labormedizinischen Bereich eine sichere und standardisierte Technik für die papierlose Datenübertragung zwischen Arztpraxis und Labor.
Überweisungs-/Abrechnungsschein mit integriertem 2d-Barcode
Mit der Blankoformularbedruckung (BFB) stellte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Köln, 1996 erstmals eine praktikable und kostengünstige Lösung vor, mit der in der Arztpraxis über eine zertifizierte Arztpraxissoftware sämtliche vertragsärztlichen Dokumente auf Blankopapier gedruckt werden können.
Dabei werden formularrelevante Daten in Form eines „zweidimensionalen Barcodes (2dB)“ in das Formular integriert. Sicherheitsmerkmale des Verfahrens sind die Einfärbung des Blankopapiers, ein Wasserzeichen und ein UV-Aufdruck auf dem Sicherheitspapier. Der 2dB ist ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal, da er wesentliche Informationen des Überweisungsformulars enthält, beispielsweise demographische und kassenrelevante Daten. Diese können aus dem 2dB mit Scannern wieder ausgelesen und weiterverarbeitet werden.
2d-Barcode
Der Prototyp eines zweidimensionalen Barcodes ist der von der Firma „Symbol Technologies“ entwickelte „PDF“ (Portable Data File). Anders als beim eindimensionalen Barcode, der über eine Realtime-Verbindung eine logische Verbindung zur Datenbank des etikettierten Objektes herstellt, enthält der 2dB die Datenbank selbst.
Dabei werden die Informationen in einem berechneten Punkteraster abgelegt. Dies ermöglicht eine sehr hohe Datendichte (circa 1,1 Kilobyte entsprechend ein Drittel Schreibmaschinenseite auf einem briefmarkengroßen Raum). Die Daten sind maschinenlesbar, werden mehrfach und verschlüsselt abgelegt (Datenredundanz und Sicherheitslevel). Weiterhin umfasst der PDF417 eine Korrektur-Prozedur mit wählbaren Korrektur-Leveln. Dadurch ist es möglich, einen teilweise zerstörten, verschmutzten, unscharf oder unvollständig gedruckten Barcode zu lesen und gegebenenfalls die Daten aus einem Bruchstück des Barcodes zu rekonstruieren.
Elektronisches Leistungsverzeichnis
Voraussetzung für die elektronische Anforderung von medizinischen Leistungen ist die Katalogisierung der Auftragsleistungen. Neben der Benennung der medizinisch erbringbaren Leistungen müssen unter anderem auch die entsprechenden Analysetechniken und Referenzbereiche aufgelistet und einander zugeordnet werden.
Für den Laborbereich ist die digitalisierte Form das „elektronische Leistungsverzeichnis (ELV)“. Sowohl für die Inhalte eines solchen ELV als auch dessen Datensatzstruktur gibt es in Deutschland bislang keinen Standard.
Ein Katalog von medizinischen Analysen und Bestimmungsmethoden der Mikrobiologie, Labormedizin und Pathologie wurde 1997 von der Deutschen Gesellschaft für klinische Chemie erarbeitet und als Druckwerk veröffentlicht. Eine Richtlinie für die Datensatzstruktur eines Elektronischen Leistungsverzeichnisses bietet die KBV in der LDT-Datensatzbeschreibung. Diese Entwürfe werden derzeit jedoch praktisch nicht angewendet. Anders als in den USA, wo mit dem „LOINC“ ein umfangreiches Katalogisierungsprinzip zur Verfügung steht, gibt es ein vergleichbares Projekt in Europa nicht.
Wünschenswertes Ziel und Voraussetzung für eine effektive bundesweite Nutzung der elektronischen Laboranforderung, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem erweiterten 2dB für die Laboranforderungen nach Blankoformularbedruckung, ist ein inhaltlich und technisch standardisiertes ELV, an das sich eine Reihe von Folgeapplikationen (etwa Leistungsabrechnung und Dokumentation) anknüpfen lässt.
Das elektronische Leistungsverzeichnis wird von der Laborpraxis zur Verfügung gestellt, an die der niedergelassene Arzt die Überweisung tätigt. Dabei wird das ELV in die Arztpraxissoftware eingespielt. Alternativ kann das ELV über eine zusätzliche, eigenständige Software, die mit der Arztpraxissoftware über eine Schnittstelle kommuniziert, genutzt werden. Dadurch kann das „Anforderungsmodul“ von der verwendeten Praxissoftware unabhängig eingesetzt und weiterentwickelt werden. Lösungen werden in der Praxis bereits getestet.
Praktisch könnte die GDT-(Geräte-Datenträger-)Schnittstelle der Arztpraxissoftware für diese Prozedur erweitert werden. Alternativ muss eine neue Schnittstelle definiert und standardisiert werden. Offene Fragen betreffen hauptsächlich die Definition der Schnittstelle zwischen Praxissoftware und Anforderungsmodul sowie Aspekte der Datensicherheit beim Stammdatenzugriff.
Aktualisierungen können per Datenträger (Diskette, CD-ROM), mit-tels DFÜ durch das Labor und im Rahmen der Quartal-Updates der Arztpraxissoftwareanbieter vorgenommen werden. Voraussetzung für die Nut-zung des Verfahrens im Rahmen der Blankoformularbedruckung ist, dass die Praxissoftware für das BFB-Verfahren zertifiziert ist.
Konsensusgruppe Medizinischer Laboratorien
Die Konsensusgruppe Medizinischer Laboratorien ist eine bundesweite Arbeitsgemeinschaft von Laboratorien, die inzwischen einen Standard über die inhaltliche und technische Spezifikation des 2dB für die Laboranforderung im Rahmen der BFB erarbeitet hat. Die Inhalte des „erweiterten 2dB nach Konsensusgruppe“ sind mit der KBV abgestimmt und werden in der Laboranforderung Muster 10/E nach Blankoformularbedruckung mit deren Einführung in diesem Jahr erstmals bundesweit realisiert.
Ein weiteres Ziel der Initiative ist es, ein bundesweites einheitliches Leistungsverzeichnis für das medizinische Labor zu erstellen und elektronisch umzusetzen (eELV). Informationen über die Projekte sind im Internet unter www.labor-online.com abrufbar.
Inhalte des erweiterten 2dB für die Laboranforderung
Im erweiterten 2dB für die Laboranforderung werden sämtliche für einen Laborauftrag notwendigen Informationen gespeichert. Zusätzlich zu den im BFB der KBV definierten Daten (Patientendaten, Versicherungsdaten und beauftragender Arzt) werden Abrechnungsbereich, Diagnose, Erstveranlasser, Kennzahlen, Laborparameter, spezielle Angaben für einzelne Untersuchungen, alternative Befundadressen sowie Dringlichkeit der Untersuchung übermittelt.
Über das ELV erhält der niedergelassene Arzt abgesehen von der Auflistung der durchführbaren Teste des Ziellabors auch Angaben zum Probenmaterial, zur verwendeten Methode und wichtige präanalytischen Hinweise, sodass er bei der Auswahl der Analysen selbstständig und zielgerichtet vorgehen kann und durch Plausibilitätsprüfungen mehr Sicherheit für die richtige Auswahl der Probenmaterialien (einer häufigen Fehlerquelle beim Einsender) erhält. Dabei kommt die Speicherung der Informationen auf einen 2dB als Offline-Verfahren unter Umständen auch dem Sicherheitsbedürfnis des anwendenden Arztes „vor Ort“ entgegen, der nicht mit der eigenen Arztpraxissoftware eine Online-Verbindung zum Ziellabor aufbauen will.
Die technische Struktur des erweiterten 2dB mit variabler Feldfolge ist an den LDT-Datensatz angelehnt. Für die Darstellung bislang nicht im LDT definierter Datenfelder wurden von der KBV neue LDT-Kennnummern zugelassen. Die komplette Datensatzbeschreibung und das technische Handbuch sind auf der Website der Initiative publiziert. Damit lassen sich sämtliche laborrelevanten Auftragsdaten LDT-konform in dem erweiterten 2dB abbilden, als LDT-Datensatz im Barcode kodieren und im Ziellabor wieder auslesen und weiterverarbeiten.
Bewertung des Verfahrens
Die elektronische Auswahlmöglichkeit labormedizinischer Untersuchungen durch den Arzt und die Übertragung der Laboranforderung über den 2dB ermöglichen eine deutliche Qualitätssteigerung. Durch die gezielte und standardisierte Auswahl der Laborteste sowie die steuerbare Übermittlung untersuchungsrelevanter Patientendaten über ein einheitliches elektronisches Verfahren wird eine wesentlich höhere Korrektheit der Daten erreicht. Beim Arbeitsablauf (Anforderung der Laborleistung, Probentransport, Auftragserfassung im Labor, Analytik und Befundmitteilung) wird der in der Arztpraxis generierte Datensatz – um die Laborergebnisse ergänzt – wieder zurückübertragen, ohne dass wie bis-her Neuerfassung, Überprüfung und Korrektur der Auftragsdaten notwendig sind. Der „rote Faden“ lässt sich über den Ablauf Präanalytik, Analytik, Postanalytik bis zur Leistungsabrechnung in der Arztpraxis, der Laborpra-xis und Honorarinstanzen weiterführen. Resultat ist eine hohe Transparenz von angeforderten und erbrachten Laborleistungen einschließlich einer stimmigen Dokumentation aller Teilschritte. Die Koppelung an das BFB-Verfahren ist die zurzeit realisierbare Anpassung an die rechtlich zwingende Nutzung von Überweisungsscheinen.
Das Konzept eröffnet unabhängig von der Geschwindigkeit, mit der künftig die Umstellung auf einen komplett elektronischen Datenaustausch zwischen Arztpraxen und medizinischen Laboratorien erfolgen wird, eine Möglichkeit, sämtliche notwendigen informationstechnischen Voraussetzungen zu etablieren und zu entwickeln.
Cyrill Müller, Gert Huesgen

Anschrift für die Autoren: Dr. med. Cyrill Müller, Gemeinschaftspraxis Dr. Limbach & Kollegen, Im Breispiel 15, 69126 Heidelberg, Telefon: 0 62 21/34 32-2 97, Fax: 30 02 91, E-Mail: cyrill.mueller@docnet.de; (Teilnehmer-Adressen der „Konsensusgruppe“ unter: www.labor-online.com)


Internet-Links
www.labor-online.com – „Konsensusgruppe“
www.symbol.com – Symbol Technologies, USA
www.kbv.de – „IT in der Arztpraxis“; xDT
www.regenstrief.org –The Regenstrief Institute, USA; „Loinc“
www.dgkc.de – Deutsche Gesellschaft für klinische Chemie e.V.
Literatur
Themenhefte: „Klinische Chemie und molekulare Diagnostik“. Heft 1: Leistungsverzeichnis des Medizinischen Laboratoriums. Hrsg.: W. Vogt, 1997.
LDT Labordatenträger, Version: LDT1001.01, Datensatzbeschreibung zur Übertragung von Laborberichten und -aufträgen. Elektronisches Leistungsverzeichnis, Version: SDEL0799.01, Datensatzbeschreibung zur Übertragung von laborspezifischen Stammdaten. Version 3.14, Stand: 15.11.2001. Hrsg.: Kassenärztliche Bundesvereinigung, IT-Bereich, 50859 Köln, Ottostraße 1.
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