POLITIK

Diabetes mellitus: Erste Nationale Versorgungsleitlinie erschienen

Dtsch Arztebl 2002; 99(22): A-1485 / B-1245 / C-1163

Ollenschläger, Günter

Die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung moderierte den Konsens mit den zuständigen medizinischen Organisationen.

Als erstes Ergebnis des Nationalen Programms für Versorgungsleitlinien bei der Bundesärztekammer (Deutsches Ärzteblatt, Heft 16/2002) wurde am 8. Mai 2002 auf dem 37. Deutschen Diabetes Kongress in Dresden die Versorgungsleitlinie Diabetes mellitus Typ 2 vorgestellt.
Wie Prof. Dr. Jan Schulze, Diabetologe an der Universität Dresden und Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, anmerkte, verlangen die zunehmende Prävalenz und Inzidenz des Typ-2-Diabetes sowie eine zu große Variationsbreite in der Versorgungsqualität verstärkte Bemühungen um die Optimierung der Diabetiker-Versorgung. Nach Schulze gehören hierzu insbesondere auch verlässliche Definitionen des Notwendigen und Angemessenen in Prävention, Diagnostik und Therapie.
Mit der Nationalen Versorgungsleitlinie Diabetes mellitus Typ 2 liegen nun erstmalig einheitliche Empfehlungen für die Diabetes-Behandlung in Deutschland vor, die zwischen den zuständigen ärztlichen Organisationen abgestimmt wurden.
Beteiligt an diesem Konsens waren die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Fachkommission Diabetes Sachsen, die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Inhaltliche Grundlage der Versorgungsleitlinie waren bereits publizierte beziehungswiese in Vorbereitung befindliche Leitlinien dieser Organisationen. Der Konsensprozess wurde moderiert durch die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung im Auftrag der Bundesärztekammer zwischen Januar und April 2002. Die abgestimmte Leitlinie wurde von den Vorständen der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Rahmen ihrer gemeinsamen Sitzung am 26. April 2002 in Berlin zustimmend zur Kenntnis genommen.
Ziele und Adressaten
Ziel der Leitlinie ist die Darlegung derjenigen evidenzbasierten Eckpunkte und Maßnahmen der Prävention, Diagnostik und Therapie des Typ-2-Diabetes, zu denen Konsens zwischen den oben genannten Organisationen bezüglich der Ziele und des Vorgehens besteht.
Die Versorgungsleitlinien richten sich primär an alle praktizierenden Ärzte in Deutschland. Darüber hinaus dienen sie zur Information der Öffentlichkeit über gutes ärztliches Handeln. Versorgungsleitlinien richten sich weiterhin explizit an Leitlinien-Herausgeber, da sie als gemeinsame Grundlage bei der Erstellung von zukünftigen und weiterführenden Leitlinien sowie von damit verbundenen Produkten (zum Beispiel Praxisversionen, Patienteninformationen, Fortbildungsmaßnahmen) dienen.
Leitlinien-Versionen
Die Nationalen Versorgungsleitlinien bestehen üblicherweise aus einer Kurzfassung und einer Langfassung. In der Kurzfassung werden die Versorgungs-Eckpunkte und -Empfehlungen dargelegt, zu denen zwischen den Herausgebern der zugrunde liegenden Leitlinien Konsens besteht. Die Kurzfassung der Diabetes-Leitlinie ist allgemein zugänglich über die Internet-Seite der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (www.aezq.de).
Die Langfassung enthält zusätzlich zum Inhalt der Kurzfassung die Quellen-Sammlung (= die ausführlichen Texte und Evidenzen der zugrunde liegenden Leitlinien mit Darlegung der Literatur-Suchstrategien, einheitlicher Evidenzklassifikation sowie der Methodik der Leitlinien-Erstellung).
Kernaussagen der Versorgungs-Leitlinie
Die Kurzfassung der Versorgungsleitlinie (Inhaltsverzeichnis siehe Tabelle 1) enthält auf 15 Seiten in tabellarischer Form die essenziellen Aussagen zur Diagnostik und Therapie des Typ-2-Diabetes. Unter Bezug auf definierte Therapieziele (Tabelle 2) werden die Schritte einer differenzierten Therapieplanung dargelegt, die gemeinsam mit dem Patienten auf der Basis einer individuellen Risikoabschätzung vorgenommen werden sollte.
Hinsichtlich der Auswahl blutzuckersenkender Medikamente betonen die Herausgeber der Leitlinie ausdrücklich, dass vorrangig Wirkstoffe verwendet werden sollten, deren Wirksamkeit und Sicherheit in prospektiven, kontrollierten Langzeit-Studien nachgewiesen wurden. Entsprechende Bewertungen zu den einzelnen Antidiabetika sind angegeben.
Entsprechend der klinischen Bedeutung stehen Ausführungen zu Begleiterkrankungen und Komplikationen des Typ-2-Diabetes im Mittelpunkt der Leitlinie. Zusätzlich zu diagnostischen Empfehlungen (Tabelle 3) finden sich unter anderem Ausführungen zur Prävention und Behandlung bei Koronarer Herzkrankheit, diabetischer Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie sowie – besonders ausführlich – zum diabetischen Fußsyndrom.
Gültigkeitsdauer und Aktualisierung der Leitlinie
Die Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes mellitus Typ 2 wurde am 30. April 2002 konsentiert. Ihre Überarbeitung ist für 2004 vorgesehen. Im Falle neuer, relevanter Erkenntnisse, die eine Überarbeitung der Empfehlungen erforderlich machen, erfolgt eine unmittelbare Mitteilung über die Internet-seite der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung – www.aezq.de.

Korrespondenz:
Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Günter Ollenschläger
Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung
Aachener Straße 233–237
50931 Köln
E-Mail: ollenschlaeger@azq.de
Internet: www.azq.de
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