Referiert
Psychosomatische Störungen: Langzeitfolgen eines Kindheitstraumas
PP 1, Ausgabe Januar 2002, Seite 43


Psychotraumatische Störungen im Erwachsenenalter können als Langzeitfolge eines psychotraumatischen Belastungssyndroms (PTBS), meist in der Kindheit oder in der Jugend, verstanden werden. Dr. Ruth Nathan und Prof. Dr. Gottfried Fischer untersuchten an einer Stichprobe von 52 Patienten den Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen aus der Lebensgeschichte und der psychosomatischen Aufnahmesymptomatik. Fünf typische Langzeitverläufe wurden unterschieden: Die leistungskompensatorische Form der Traumaverarbeitung (Typ workaholic), fortbestehende Angst beziehungsweise Vermeidungsverhalten, Vorwiegen dissoziativer Verarbeitungsformen, Suchtentwicklung sowie ein Mangel an dissoziativen Fantasien als Kompensationsform mit Traumatisierung im Erwachsenenalter, bei meist neurotischer Konfliktverarbeitung in der Kindheit. Die Verläufe erklären sich zum einen aus fortwirkenden Komponenten des PTBS, zum anderen aus Bemühungen der Persönlichkeit um Kompensation und Kontrolle des Traumas. Die Ergebnisse legen es nahe, so die Autoren, eine Punktdiagnose wie PTBS durch eine „Verlaufsdiagnose“ zu ergänzen, die das Störungsbild im zeitlichen Längsschnitt und seiner inneren Dynamik erfasst. pb
Nathan R, Fischer G: Psychosomatische Störungsbilder als Langzeitfolge des psychosomatischen Belastungssyndroms. Psychotraumatologie (www.thieme.de/psychotrauma) 2001; 2–16 (nur im Internet).
Dr. Ruth Nathan, Prof. Dr. Gottfried Fischer,
Sebastianusstraße 13, 50226 Frechen
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