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POLITIK

Behandlungsfehler: Mehr Rechte für Patienten gefordert

PP 1, Ausgabe Oktober 2002, Seite 453

Kieckbusch, Dorthe

Die Techniker Krankenkasse will Patienten auch dann unterstützen können, wenn sie selbst keine Ersatzansprüche geltend machen kann.

Stärker als bisher will die Techniker Krankenkasse (TK) Patienten unterstützen, die meinen, einen Behandlungsfehler erlitten zu haben. Dazu fordert die TK gesetzliche Regelungen, die den Krankenkassen eine umfassendere Betreuung ihrer Versicherten erlauben. So sollen die Krankenkassen künftig auch dann eingreifen dürfen, wenn sie selbst keine eigenen Ersatzansprüche geltend machen können. Weiter plädiert die TK für eine gesetzliche Regelung zur Herausgabe der Behandlungsunterlagen an Patienten oder Krankenkassen, sofern diese vom Patienten dazu ermächtigt wurden. Die Krankenkassen sollten auch die Kosten für eine erste Rechtsberatung des Versicherten sowie für externe Gutachten übernehmen können.
Mit diesen Maßnahmen wolle er keinesfalls die Arbeit von Ärzten in Misskredit bringen, versicherte TK-Vorstandsmitglied Helmuth Doose. Gemessen an der Gesamtzahl der täglichen Behandlungen, bewege man sich hier im Promillebereich. Dennoch registrierte die TK im vergangenen Jahr einen erheblichen Anstieg bei der Meldung von vermuteten Behandlungsfehlern. 2 166 Meldungen im Jahr 2001 bedeuteten eine Steigerung von fast 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der anerkannten Behandlungsfehler bei TK-Versicherten habe in den Jahren 1996 bis 2000 annähernd konstant bei fast 30 Prozent der gemeldeten Fälle gelegen. In 72 Prozent der Fälle kam eine Einigung zugunsten der Versicherten ohne Klage zustande.
Eine beim Forsa-Institut in Auftrag gegebene Studie, deren Ergebnisse die TK präsentierte, sollte Aufschluss über die Erfahrungen und Erwartungen von Patienten geben. Danach vermutet jeder Fünfte, schon einmal einen Behandlungsfehler erlitten zu haben. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, diese Vermutung niemandem gemeldet zu haben. Gründe: „Der Fehler war nicht so schlimm“, meinten 21 Prozent, „man hat sowieso keine Chance“, sagten 13 Prozent, „zu lange her“, elf Prozent. Von den Patienten, die über ihren mutmaßlichen Behandlungsfehler redeten, sprachen 38 Prozent mit dem Arzt, sechs Prozent wandten sich an das Krankenhaus, zwölf Prozent an die Krankenkasse. Auf Ärztekammer, Verbraucherzentrale und Rechtsanwalt entfielen nach der Umfrage jeweils ein Prozent.
Großes Informationsdefizit
Das Informationsdefizit bei den Patienten ist groß. Ein Drittel der Betroffenen und zwei Drittel der Nicht-Betroffenen gaben an, nicht zu wissen, an wen man sich wenden könne. „Die Ergebnisse“, so Doose, „zeigen zweierlei: Zum einen müssten die Menschen besser informiert werden, wo sie Unterstützung bekommen. Zum anderen muss mehr dafür getan werden, um schon frühzeitig einen Behandlungsfehler von einem schicksalshaften Lauf zu unterscheiden.“ Nicht jede Vermutung entpuppe sich später als Behandlungsfehler, bei der die Regeln der ärztlichen Kunst verletzt wurden. „Oftmals ist es schwierig“, so Prof. Dr. med. Martin Hansis, Leitender Arzt beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen, die Folgen der Krankheit selbst und die Folgen der Fehlbehandlung zu unterscheiden.“ Dorthe Kieckbusch
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