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Supplement: Praxis Computer

Sichere PC-gestützte EKG-Befundung

Dtsch Arztebl 2002; 99(45): [17]

Fleck-Vetter, Michael

Bildschirmansicht des VES-Programms
Die „automatisierte Interpretation“ von Elektrokardiogrammen wird unter dem Aspekt der ärztlichen Qualitätssicherung kontrovers diskutiert. Der Einsatz neuer diagnostischer Methoden hat bei der klinischen Elektrokardiographie nicht nur zu erwünschten Komplementär-, sondern auch zu unkontrollierten Konkurrenzeffekten geführt. Dies kann hinsichtlich der Vermittlung einer sicheren Anwendung der Elektrokardiographie zu einem Wissens- und Erfahrungsdefizit führen. Ein überbrückender Einsatz automatisierter EKG-Analysesysteme ist kritisch zu bewerten, weil mögliche Defizite durch die in der Regel nicht gegebene Nachvollziehbarkeit der Analyseergebnisse noch verstärkt werden.
Die häufig diagnostisch nicht ausgeschöpfte Informationsdichte des EKGs kommt in einer Fülle mess- und vergleichbarer Parameter zum Ausdruck, die sowohl bei Gesunden einer relativ hohen physiologischen Variabilität unterliegen als auch bei Patienten mit elektrokardiographisch relevanten Krankheitsbildern Normalabweichungen aufweisen. Durch Analyse zahlreicher Parameter und quantitative und qualitative Vergleiche mit altersphysiologisch und anthropologisch determinierten Normen sowie mit standardisierten und weitgehend pathognomonischen Mustern lässt sich die diagnostische Aussagefähigkeit des EKGs erheblich steigern.
Dabei muss zwischen Erhebungen mittels einer konventionellen Kurvenbearbeitung und Analysen, denen eine automatisierte Datenerhebung zugrunde liegt, unterschieden werden: Bestehende Datensammlungen, die auf einer automatisierten Signalverarbeitung beruhen, sind in der Regel wenig transparent und nur begrenzt zugänglich, sodass sie sich nur schwer bewerten lassen. Meist werden sie Geräteanbietern für Software-Pakete zur Verfügung gestellt. Das in das Dr. Vetter PC-EKG-System integrierte VES-Programm soll den Anwender – unter Offenlegung und Ausweisung der Vermessungsergebnisse und der verwendeten Regeln – an die befundrelevanten Merkmale des Elektrokardiogramms heranführen und damit im Unterschied zu einer automatisierten Analyse eine richtungweisende Befundunterstützung leisten.
Das hinterlegte Regelwerk soll dem Anwender zum besseren Verständnis und damit auch zur Kontrolle der zur Befundung herangezogenen Eigenschaften des Elektrokardiogramms und der verwendeten Regeln dienen. Zusätzlich zur Unterstützung bei der Befundung soll dies auch zu einem interaktiven Lerneffekt führen. Die im VES-Programm implementierten Regeln erheben weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch darauf, alle derzeit möglichen, zum Teil mathematisch sehr aufwendigen Berechnungen der Herzstromkurve zu repräsentieren. Dargestellt werden vorwiegend die Merkmale und Regeln, die sich visuell gut nachvollziehen lassen. Der Bildschirmaufbau erleichtert den direkten Zugriff auf das zu befundende Elektrokardiogramm. Die vom Programm vorgeschlagenen Vermessungsergebnisse kann der Anwender korrigieren.
Die Software ist auf das Lehrbuch von Prof. Dr. med. Dietmar Mücke „Elektrokardiografie systematisch“ (Unimed Verlag, Bremen) abgestimmt und folgt der Gliederung: Rhythmus (und Frequenz), Lagetyp (und Frontalvektor), Morphologie, Zeit- und Amplitudenwerte, Hypertrophie(zeichen), Ischämie(zeichen), Infarkt(zeichen). Das verwendete Regelwerk ist erweiterbar. Jeder Anwender des Dr. Vetter PC-EKG-Systems ist eingeladen, an der Optimierung mitzuwirken, zum Beispiel durch die Zusendung pathologischer EKGs oder durch Vorschläge zur Regeloptimierung. Das VES-Programm kann nicht erworben werden, sondern steht den Anwendern als Shareware zur Verfügung. Michael Fleck-Vetter
Informationen: Dr. Vetter Gesellschaft für Medizinische Datentechnik mbH, Leopoldstraße 13, 76530 Baden-Baden, Telefon: 0 72 21/2 70 50; Internet: www.pc-ekg.de
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