84 Artikel im Heft, Seite 33 von 84

BRIEFE

Terminologie: Unlogik treibt Blüten

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-617 / B-527 / C-499

Weber, Karl-Heinz

Dem Autor ist zu danken. Er beschreibt vorbildlich, welches Schindluder die Politik mit der Würde des Bürgers treibt. Hier wird keine „Kochbuchmedizin“, sondern eine „Handlungsgehilfenmedizin“ per Gesetz dekretiert. Die Bürger der GKV werden unglücklich gemacht. Natürlich wollen die Politiker und ihre praxisunerfahrenen medizinökonomischen Ordinarien das nicht, aber darauf kommt es nicht an. Tatsache ist, dass die Unlogik bei den notwendigen Reformen hier groteske Blüten treibt. Praktisch bedeutet dies Ärztemangel (heute schon in den neuen Ländern), Frust bei Anbietern und Nachfragern, lange Wartezeiten, frühe Praxisschließungen, Therapieunfreiheit und weniger statt mehr Gesundheit für immer höhere Lohnnebenkosten.
Die Patienten sind verschieden. Leitlinien können auch schaden. Sie zur Grundlage von Gesetzen mit wirtschaftlichen oder sogar strafrechtlichen Weiterungen zu machen, kann man ein Vergehen am deutschen Volk nennen. Man lese sich ein gutes deutsches oder englisches Lehrbuch der inneren Medizin durch: Erfahrung, Logik, Weisheit und guter Wille sind dort gut vertreten. Die deutschen Ärzte zu unbedarften Akademikern zu stempeln ist der Gipfel der Unverschämtheit. Es ist vollkommen richtig, dass durch diese Pläne und Gesetze eine Entwissenschaftlichung der Medizin betrieben wird. Dies gilt sowohl für die evidence based medicine, das Disease und Health Technology Management. Gesundheitsbürokraten leben blendend von ihren Bürokratieorgien, sie wollen eine Qualitätssteigerung und erzwingen genau das Gegenteil. Die Frontsoldaten können sich noch so plagen, die Etappenschweine verlieren bei uns die meisten Kriege.
Dr. med. Karl-Heinz Weber, Parkstraße 8, 45478 Mülheim/Ruhr
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