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THEMEN DER ZEIT

Gesundheitsreform in Bulgarien: Demokratie hält Einzug

Dtsch Arztebl 2003; 100(14): A-901 / B-761 / C-712

Katelhön, Susann

BÄK-Präsident Hoppe (Mitte) besuchte die bulgarische Schwesterorganisation. Foto: Otmar Kloiber
Bulgarien hat sich für die Selbstverwaltung entschieden.

Vor dem Hintergrund des Beitritts Bulgariens zur Europäischen Union gehören die Reformen im Gesundheitswesen zu den entscheidenden Schritten der Annäherung. Diese Reformen haben sich stark am deutschen System orientiert, das man dort sehr schätzt. Auch in Bulgarien hat man sich für eine gemeinsame Selbstverwaltung entschieden. Der Krankenversicherung als Körperschaft des öffentlichen Rechts steht allerdings keine Kassenärztliche Vereinigung gegenüber, sondern eine Ärztekammer mit Verhandlungsmandat gegenüber der Kasse. Vor drei Jahren wurde die seit 1901 bestehende Gewerkschaft der Ärzte in eine Körperschaft umgewandelt, in der die 34 000 bulgarischen Ärzte Pflichtmitglieder sind.
Seit dem neuen Gesundheitsgesetz von 2000 sind alle Bulgaren in der nationalen Einheitskrankenkasse pflichtversichert. Es gilt das Sachleistungsprinzip. Der Versicherungsbeitrag liegt bei sechs Prozent, von dem der Arbeitgeber 4,5 Prozent entrichtet. Mit dieser Nationalkasse verhandelt die Ärztekammer die Budgets für die ambulante und stationäre ärztliche Behandlung. Die Kammer untersteht der Rechtsaufsicht des Gesundheitsministeriums. „Obwohl die Selbstverwaltung laut Gesetz unabhängig ist, versucht die Politik ständig, Einfluss zu nehmen“, kritisierte der Präsident der bulgarischen Ärztekammer, Dr. Andrey Kehayov. Klare gesetzliche Regelungen gebe es bislang nur für die wirtschaftlichen Aufgaben der Kammer, räumte Kehayov gegenüber dem Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, ein. Hoppe stattete der bulgarischen Schwesterorganisation im Januar einen Besuch ab. Er sparte dort nicht mit Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung: „Das, was für viele Länder noch immer als Vorbild gilt, wird von der deutschen Politik gerade demontiert.“
Die Bulgaren haben beispielsweise vom deutschen Kammersystem die föderale Struktur übernommen: Jedem der 28 Bezirke ist eine regionale Ärztekammer zugeordnet. Die ambulante Versorgung übernimmt in der Regel der Familienarzt, bei dem sich der Versicherte eingeschrieben hat, erläuterte Dr. Emilia Apostolova, Präsidentin des Bezirks Rhodopen. Die Familienärzte sind freiberuflich tätig, haben sich mehrheitlich jedoch den zwischen Ärztekammer und Nationalkasse vereinbarten Verträgen angeschlossen. Vergütet werden sie über Kopfpauschalen. Der Zugang zum Facharzt ist nur nach Überweisung möglich. Die Aufnahme in ein Krankenhaus ist abhängig von Wohnort und Krankheit und erfolgt über die Notaufnahme oder eine Einweisung durch den Familienarzt. Das Lozenetz-Hospital beispielsweise ist ein ehemaliges Regierungskrankenhaus mit kardiologischem und kardiochirurgischem Schwerpunkt. Derzeit wird ein Zentrum für Nieren- und Lebertransplantationen aufgebaut, das Bulgarien den Anschluss an höchste medizinische Standards gewährleisten soll.
Trotz sichtbarer Fortschritte sind weitere Schritte notwendig, beispielsweise der Aufbau einer Pflegeversicherung und die Reform der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Auch die Situation in den Krankenhäusern ist – trotz ehrgeiziger Projekte – verbesserungsbedürftig. Dr. med. Susann Katelhön
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