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VARIA: Post scriptum

Wiederholungstäter: Dr. med. Helmut Pfleger

Dtsch Arztebl 2003; 100(20): [72] / [72] / [72]

Bei den Deutschen Ärzteschachturnieren gibt es viele „Wiederholungstäter“, also solche, die Jahr für Jahr wiederkommen. Von Freud wissen wir, dass sich dahinter ein neurotischer Wiederholungszwang verbergen kann, doch wesentlich sympathischer ist die Annahme, dass es ihnen immer wieder gut gefällt, im Kreise inzwischen vertrauter Gleichgesinnter ihrem Hobby, dem „Königlichen Spiel“, zu frönen.
Mein Schulfreund Dr. med. Norbert Knoblach, natürlich auch ein Wiederholungstäter, der auf dem Weg zum Turnier gern Gitarrenmusik des leider schon verstorbenen Narciso Yepes (übrigens auch ein leidenschaftlicher Schachspieler, in dessen spanischem Haus ich manchen Musik-Schach-Abend verbringen durfte) hört, sagt es poetischer: „Die Magie dieser Klänge begleitet mich auf dem Weg in eine andere Welt, heraus aus den festgelegten Gleisen des Alltags in das bezaubernde Ambiente des Ärzteschachs.“
Doch was halten Sie von seinem Vorschlag, dass jeder Kollege nach wenigstens fünf Jahren Teilnahme am Schachturnier mit einem Ergebnis von mindestens drei Punkten die Berechtigung erwerbe, auf seinem Praxisschild die Zusatzbezeichnung „Facharzt für Schach“ anzubringen?
Heiße, überqualifizierte Kandidaten wären da die schon bestens bekannten Dr. med. Matias Jolowicz und Dr. med. Michael Jordan – Letzterer ist übrigens mit dem berühmten Basketballer weder verwandt noch verschwägert. Ganz anders als Dr. med. Tatjana Strieder, die, russischstämmig, wirklich mit dem russischen Weltklassespieler Alexei Drejew verschwägert ist und – schon bin ich wieder bei Dr. Jordan – nach einer nervenaufreibenden, schließlich verlorenen Zeitnotschlacht über diesen meint: „Er ist gut, sicher ein Vereinsspieler!“
Gute Diagnose, 100-prozentig auch auf Dr. Jolowicz anzuwenden. Auf ihn trifft zu, was man einst über Dr. med. Siegbert Tarrasch, vor hundert Jahren einer der weltbesten Schachspieler, dichtete: „Er ist ja Arzt und bringt darum „so sicher seine Gegner um“. Nur gilt dies natürlich auch für Dr. Jolowicz’ Gegner. Sei’s drum – nun zum Jo-Jo-Kampf.
Einmal mehr in beiderseitiger Zeitnot hatte Dr. Jolowicz als Weißer zuletzt 1. Kd4-e3? (1. Kd4-d5! wäre der Siegeszug gewesen) gezogen. Sehen sie, wie Dr. Jordan als Schwarzer nun remis hätte erzwingen können?

Lösung:
Nach dem Bauernvorstoß 1. ...c3! kann Weiß nicht mehr gewinnen. Auf 2. bxc3 Kxc3 wird ihm sogar der a-Bauer nach Kc3-b4-a3 noch abgeholt, auf 2. Kd3 cxb2 3. Kc2 Ka3 4. Kb1 Kb4 5. Kxb2 behält er ihn zwar, nur ist er im Gewinnsinne unzureichend, und schließlich geht der Gewinnversuch 2. b3? nach 2. ...Ka3! 3. Kd3 Kb2 mit schneller Umwandlung des Freibauern c3 in eine Dame sogar ganz in die Hose.
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