BÜCHER

Geschichte der Gesundheitspolitik in Deutschland

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): A-2719

Woelk, Wolfgang; Vögele, Jörg

Sozialgeschichte: Brüche und Kontinuitäten
Wolfgang Woelk, Jörg Vögele (Hrsg.): Geschichte der Gesundheitspolitik in Deutschland. Von der Weimarer Republik bis in die Frühgeschichte der „doppelten Staatsgründung“. Duncker & Humblot, Berlin, 2002, 438 Seiten, 49,80 €
In Waiblingen bei Stuttgart sollte noch 1948 ein Gehörloser auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zwangssterilisiert werden. Der Eingriff wurde in letzter Minute verhindert. Offenbar hatte sich im zuständigen Gesundheitsamt noch nicht herumgesprochen, dass man sich mittlerweile an neuen, von den Alliierten vorgegebenen Regeln zu orientieren hatte.
Einige Beiträge des Tagungsbandes beschäftigen sich neben solchen Brüchen auch mit Kontinuitäten in der Gesundheitspolitik beider deutscher Staaten. So zeigt W. Woelk mit Blick auf die Gesundheitspolitik in Nordrhein-Westfalen auf, warum das „Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens“ vom 3. Juli 1934 auch nach 1945 weiter Geltung hatte, wenngleich in einer purgierten Fassung (so gehörte fortan die „Erb- und Rassenpflege“ nicht mehr zu den Aufga-
ben der Gesundheitsämter). In dem Band werden die Gründe dafür genannt, warum das deutsche Gesundheitswesen nach 1945 eine so starke föderale Prägung erhielt und warum es bis heute so schwierig ist, die drei Teilsysteme – ambulante und stationäre Versorgung sowie öffentlicher Gesundheitsdienst – miteinander zu verknüpfen. Gerade die Beiträge, die sich mit der Geschichte der Gesundheitspolitik in der Frühzeit der Bundesrepublik und der DDR befassen, machen deutlich, dass die Anknüpfung an Gesundheitsfürsorgekonzepte der Weimarer Republik nur partiell und unter ideologischen Vorbehalten stattfand. Robert Jütte
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