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Supplement: Reisemagazin

SEGELTÖRN UND SURFEN: Warten auf den Wind lohnt sich

Dtsch Arztebl 1996; 93(10): [4]

Stollhoff, Kirsten

Segeln in der Karibik, das war schon lange mein Traum. Der Anstoß zur Buchung eines Segeltörns war der Kauf einer Segelyacht: ich wollte meine Segelkenntnisse aufbessern und gleichzeitig der winterlichen Kälte entfliehen. Zwei Wochen Segeln von St. Lucia bis Grenada auf einer 14-Meter-Yacht mit Tauch-, Schwimm- und Bademöglichkeiten versprach der Prospekt. An Bord lernte ich meine drei Mitsegler kennen. Nach einem Rum and Coke – dieser sollte nicht der einzige bleiben – legten wir bei strahlendem Sonnenschein und leichter Brise ab, um schon zwei Stunden später in einer kleinen Badebucht zu ankern. 14 Tage lang wechselten wir täglich unseren Liegeplatz und ankerten in idyllischen, von Palmen und Sandstrand umsäumten Buchten. Die Präsenz der anderen Yachten ließen nur begrenzt Robinsongefühle aufkommen. Trotzdem: wir fühlten uns wie im Paradies und vor allem fern von jeglichem Massentourismus. Die zahlreichen Korallenriffe geben ausreichend Gelegenheit zum Tauchen und Schnorcheln. Meine Angst vor Haien schränkte allerdings den Badegenuß etwas ein. Sie ließ sich auch nicht durch ein angebliches Desinteresse der Haie an Menschen lindern, schon gar nicht durch den guten Rat, bei Auftauchen der Haie Ruhe zu bewahren und vor allem nicht zu zappeln, da man erst durch Zappeln in das Futterschema der Haie passe. Beim Schnorcheln konnte ich eine faszinierende Korallen- und Fischwelt beobachten – erfreulicherweise ohne Haie.
Gesegelt wurde meist nur wenige Stunden am Tag, oft unter Motor zur Kühlung der Getränke. Das Segeln diente dem Transport von Insel zu Insel, von Badestelle zu Badestelle. Da der Passat stetig von Nordost mit einer Windstärke von 3 bis 5 wehte, waren auch Segelmanöver kaum erforderlich. So fielen meine geringen Segelkenntnise nicht auf – verbesserten sich jedoch auch nicht.
Etwas vertrauter wurde mir jedoch das Seglerlatein, und ich konnte dann auch, um das Schamfilen zu vermeiden, rechtzeitig die Fender mit einem Weberleinensteg blegen und aushängen, ohne mich an der Winsch zu stoßen, über die Fallen, Schoten und aufgeschossenen Tampen zu stolpern oder in die Pütz zu fallen.
Wer von einem Segeltörn in der Karibik vor allem eine etwas individuellere Form von Urlaub in einer traumhaften Umgebung und angenehmen klimatischen Bedingungen erwartet und gerne Wassersport treibt, dem ist ein solcher Törn unbedingt zu empfehle. Ein anderes Mal buchten wir nach einem von vielen windlosen Wochenenden an deutschen Küsten einen Surfurlaub im Windparadis El Yaque auf der venezuelanischen Karibikinsel Isla Margarita: Windstärke 6 und Speedsurfen verhieß der Prospekt.
Nach 10 Stunden Flug wurden wir von Dario, dem Besitzer des Surfhotels Jump’n Jibe, vom Flughafen abgeholt: Temperatur 35 Grad, Windstärke 2 bis 3 – außergewöhnlich, so wurden wir beruhigt, der Passatwind, verstärkt durch die Thermik, erreiche üblicherweise nachmittags höhere Windstärken bis zu 6. Den nächsten Tag nutzten wir zum Ausruhen, da der Wind ebenfalls ruhte und nicht über eine Windstärke von 3 hinauskam. So tummelten sich vor allem Anfänger auf dem Wasser, für die die Bedingungen ideal sind: warmes Wasser in Kniehöhe über eine Distanz von circa 500 Meter, kein Wellengang und ein kostant schwacher Wind.
In den folgenden Tagen lernten wir die Insel kennen: mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es leicht möglich, die Insel zu umrunden. Während das Gebiet um El Yaque vor allem aus einer Kakteenlandschaft besteht, wächst nördlich der Gebirgszüge der Regenwald. Die größeren Palmenstrände sind schon touristisch erschlossen; es ist aber noch möglich, kleine, noch unberührte Buchten zu entdecken und zu genießen. Die Verständigung findet auf spanisch statt, lediglich im Surfdorf "El Yaque" überwiegen die deutsche und englische Sprache. Abends halfen uns die Happy-hour-Coctails, die Dario vorzüglich zu mixen verstand, wieder Hoffnung für den morgigen Tag zu schöpfen. Beim Frühstücksbuffet wurden zwischen Papaya, Ananas und Mangogenuß die Windprognosen gestellt, die sich dann bis zum Abend als zu optimistisch erwiesen.
Am vorletzten Tag entwickelte sich endlich der sehnlichst erwartete Starkwind – wir wollten gerade zu einer Dschungeltour aufbrechen – und brachte uns das in dem Prospekt verhießene totale Surferlebnis: rechtzeitig, um einen weiteren Surfurlaub in "El Yaque" zu planen, diesmal aber zwischen Februar und April – laut Einheimischentip mit höherer Starkwindgarantie. Dr. Kirsten Stollhoff


Informationen über Segeltörns: Knapp-Segelreisen, Rodauerstraße 23, 64673 Zwingenberg.
Surfinformationen: Reisebüro Jump’n Jibe, Telefon 0 47 56/85 10 31, Fax 85 10 33.

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