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Klonexperiment: Wider die Natur
Dtsch Arztebl 2004; 101(8): A-461 / B-385 / C-377


Der Stolz steht Woo Suk Hwang ins Gesicht geschrieben. Als der Biologe die Ergebnisse seiner Arbeit an der Nationaluniversität Seoul, Südkorea, präsentiert, ist die internationale Presse versammelt. Erstmals ist es einem Team gelungen, menschliche Embryonen zu klonen und bis zum Stadium der Blastozyste mit etwa 200 Zellen zu entwickeln. Bislang waren alle geklonten menschlichen Embryonen nach ein bis zwei Teilungsschritten abgestorben.
Das US-Wissenschaftsmagazin „Science“ enthält die Anleitung zum Klonen von Menschen. Die Forscher haben gesunden Frauen Eizellen entnommen, diese jedoch nicht befruchtet, sondern mit dem Zellkern einer erwachsenen Körperzelle derselben Spenderin verschmelzen lassen. Nach Umprogrammierung beginnt die Zellteilung – eine exakte genetische Kopie der Mutter entsteht.
Als „Durchbruch in der Medizin“ haben die Forscher ihr Experiment verkauft. Auf seiner Basis wollen sie Ersatzgewebe „therapeutisch klonen“ und Kranke heilen. Für Kritiker ist der Menschenversuch Anlass, noch vehementer ein internationales Klonverbot zu fordern. Bundesärztekammer, Kirchen, Politiker von SPD, Union, Bündnis 90/Die Grünen und Wissenschaftler ächten das Experiment. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn betonte,
dass das therapeutische Klonen in Deutschland verboten sei und es auch bleiben werde. Prof. Dr. rer. nat. Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bezeichnete das Klonen zu medizinischen Zwecken als „Irrweg“.
In der Tat sind die Forscher von einem nutzbringenden Einsatz ihres Experiments weit, weit entfernt. Denn zum therapeutischen Klonen müssten sie das Erbgut kranker Menschen verwenden und dieses geklonte Gewebe wieder in den Menschen implantieren. Ein Schritt, der vollkommen wider die Natur ist. Neue Erkrankungen und Fehlbildungen sind dabei zu erwarten.
Weit weniger kompliziert wäre es da schon, geklonte Embryonen, für die es nun eine Bauanleitung gibt, in einen Uterus zu transplantieren. Machbarkeitswahn und Sucht nach Ruhm dürften einige Menschen wohl animieren, sich für solche Experimente herzugeben. So könnte ein Horrorszenario bald Realität sein: das erste menschliche Klonbaby. Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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