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Hypertonie: Eine hohe Blutdruckamplitude weist auf kardiovaskuläres Risiko hin

Dtsch Arztebl 2004; 101(9): A-595

Vetter, Christine

Bei der Bewertung der Blutdruckwerte setzt derzeit ein Umdenken ein. Während jahrelang der diastolische Blutdruck im Mittelpunkt des Interesses stand, mehren sich nun Hinweise darauf, dass die Gefährdung des Patienten vor allem vom systolischen Blutdruck abhängt.
Riskant für den Patienten scheint insbesondere eine hohe Blutdruckamplitude, also ein hoher Pulsdruck zu sein, wie Dr. Siegfried Eckert (Bad Oeynhausen) darlegte. Der „pulse pressure“ erlaube besonders bei älteren Patienten bessere Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko, weil er sowohl den unteren als auch den oberen Blutdruckwert berücksichtige.
Ermittelt wird der Pulsdruck als Differenz zwischen dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck, wobei Werte bis zu 65 mm Hg als normal gelten. Darüber sei von einem „leicht erhöhten“, ab 75 mm Hg von einem „moderaten“ und bei mehr als 90 mm Hg sogar von einem „stark erhöhten“ Pulsdruck auszugehen. Halte man sich vor Augen, dass mit jeder Pulsdruck-Steigerung um 10 mm Hg die Gefahr kardiovaskulärer Komplikationen um 23 Prozent steige, so sei klar, dass ein erhöhter pulse pressure zumindest ein starker Risikomarker für kardiovaskuläre Komplikationen sei, berichtete Eckert.
Die Ursache dürfte in den bei hoher Blutdruckamplitude im Gefäß wirksamen Scherkräften liegen. Diese scheinen – erläuterte Eckert – ein Aufreißen vorbestehender arteriosklerotischer Plaques zu erleichtern und damit einen Herzinfarkt zu begünstigen. Die Plaqueruptur läuft dabei nach einem etwas anderen Mechanismus ab als sonst gewohnt.
Denn während Plaques normalerweise von der Schulter her aufreißen, kommt es unter hohem Pulsdruck eher zu einem Aufreißen von der Mitte der Läsion aus. „Es handelt sich um einen zusätzlichen Mechanismus der Plaqueruptur“, berichtete Eckert. Betroffen sind nicht nur relativ neu entstandene vulnerable Plaques, auch vermeintlich stabile Plaques können unter den großen Druckschwankungen bei hoher Blutdruckamplitude ein- oder regelrecht aufreißen. Dem sollte therapeutisch Rechnung getragen werden.
Mit Telmisartan auch den Pulsdruck senken
Nicht alle Antihypertonika haben vergleichbar gute Effekte auf den Pulsdruck. Studien weisen darauf hin, dass Calciumantagonisten, Diuretika und ACE-Hemmer günstigere Effekte auf die Gefäßelastizität haben als Betablocker. Als einen geeigneten Wirkstoff, der nachhaltig den Pulsdruck beeinflusst, stellte Dr. Gunther Claus (Melsungen) Telmisartan vor, das als Kinzalmono® und Kinzalkomb® (kombiniert mit 12,5 mg Hydrochlorothiazid) im Handel ist. Der AT1-Antagonist bewirke Studien zufolge eine signifikante Senkung der Pulswellengeschwindigkeit, was ein Ausdruck dafür sei, dass sich die bei Hypertonikern erhöhte Gefäßsteifigkeit wieder bessert.
Studien zeigen, dass der AT1-Blocker generell zu einer ausgeprägten Blutdrucksenkung führt. So wurde in einer Untersuchung bei 818 Hypertonikern durch eine Monotherapie mit 80 mg des Wirkstoffs eine Blutdrucksenkung von im Mittel 15,4 mm Hg systolisch und 11,5 mm Hg diastolisch erwirkt, was zugleich eine Reduktion des Pulsdrucks bedingt. Bei der Kombinationstherapie wurden die Druckwerte um 23,9 mm Hg systolisch und um 14,9 mm Hg diastolisch gesenkt.
„Die Responderraten waren mit 85 Prozent vergleichsweise hoch“, sagte der Wissenschaftler. Mit Tagestherapiekosten von 0,9 Cent pro gesenktem mm Hg lässt sich mit Telmisartan in der Praxis eine ausgesprochen ökonomische Therapie der Hypertonie realisieren. Christine Vetter

Pressekonferenz „Verminderte Gefäßelastizität – Risikomarker oder bereits Risikofaktor?“ in der Deutschen Sporthochschule in Köln, Veranstalter: Bayer Vital
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