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Betriebskrankenkassen: Geiz ist geil
Dtsch Arztebl 2004; 101(15): A-973 / B-809 / C-789


Mehrere Dutzend Betriebskrankenkassen (BKKen) stehen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen offenbar tief in der Kreide. Die ausstehenden Honorarzahlungen summieren sich auf rund 120 Millionen Euro. Darunter sind auch Altschulden seit dem ersten Quartal des Jahres 2002. Für Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm ist das Ende der Geduld erreicht. „Das hält die Ärzteschaft nicht mehr lange aus“, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und nennt Ross und Reiter: „Ganz oben auf der Schuldnerliste steht die BKK Zollern-Alb West mit 31,6 Millionen Euro. Nummer zwei ist die BKK Krupp Hoesch Stahl AG mit rund 22,2 Millionen Euro, gefolgt von der BKK für Heilberufe mit über 14,7 Millionen Euro und der BKK für steuerberatende und juristische Berufe mit 14,5 Millionen Euro.“
Allein die KV Nordrhein verzeichnet BKK-Außenstände von mindestens 36 Millionen Euro. Westfalen-Lippe wartet auf 26,6 Millionen Euro, in Niedersachsen und Südwürttemberg ist der Schuldenberg auch schon auf mehr als 20 Millionen Euro gewachsen. Richter-Reichhelm: „Bei allem Verständnis für finanzielle Engpässe: Patientenversorgung ist nicht zum Nulltarif zu haben.“
Tatsächlich sind wohl einige Betriebskrankenkassen in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten – allen voran die BKK für Heilberufe, der rund 300 Millionen Euro Schulden nachgesagt werden und die akut von der Schließung bedroht ist. Während die KBV zu Recht die inakzeptable Zahlungsmoral der betroffenen Kassen beklagt, geht die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) anderweitig in die Vollen. Die Ersatzkasse plakatiert in 18 Großstädten eine Kampagne gegen die so genannten Schein-Betriebskrankenkassen. Das Motto: „Geiz ist geil“. Der Vorwurf: Im Gesundheitswesen hätten sich die BKKen an die Spitze dieses Trends gesetzt. Hauptsache, der Beitrag sei billig, aber Gesundheit sei nun einmal nichts für Schnäppchentarife.
Die Hau-drauf-Aktion der DAK macht allein die „Billig-Mentalität“ für die Turbulenzen der BKKen verantwortlich. Das scheint ein wenig kurz gegriffen. Der Fehler könnte ebenso gut im System liegen: Wer kann schon die Massenwanderungen von Millionen Versicherten im „freien Wettbewerb“ und deren Auswirkungen auf die Beitragssätze wirklich steuern? Isoliert betrachtet wird sich keine nachhaltige Lösung für das „BKK-Problem“ finden lassen, denn das Problem ist umfassender. Josef Maus
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