BRIEFE
Ärztemangel: Schwer verständliche Situation
Dtsch Arztebl 2004; 101(15): A-1005 / B-836 / C-816


In Ihrem Beitrag gehen Sie auf die gegenwärtige und zukünftige Situation der hausärztlichen Versorgung in Zwönitz (Sachsen) ein. Der Mangel an Ärzten wird allerdings nicht nur diesen, sondern auch den klinischen Bereich treffen. Verschiedene Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert. Eine Möglichkeit ist u. a. für die KV Mecklenburg-Vorpommern, „um polnische Ärzte“ zu werben. Dabei übersieht man andere näher liegende Ressourcen.
Unter den Spätaussiedlern aus den GUS-Staaten mit deutscher Staatsangehörigkeit befindet sich eine nicht geringe Anzahl von erfahrenen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, die möglichst bald wieder ärztlich arbeiten möchten. Dazu benötigen sie aber die deutsche Approbation, die sie nach einem Anpassungslehrgang (ein halbes Jahr Theorie – sprachlich und fachlich –, ein halbes Jahr klinisches Praktikum) und einer Gleichwertigkeitsprüfung erhalten. Solche Lehrgänge werden seit zehn Jahren mit Einverständnis der Landesregierung und der Ärztekammer Sachsen von der Kulturakademie Dresden durchgeführt.
Eine finanzielle Förderung erfolgt durch die für den Teilneh-
mer zuständige Agentur für Arbeit. In Dresden warten allerdings zurzeit zehn Ärzte seit mehreren Monaten vergebens auf die Zustimmung, an einem solchen Lehrgang teilnehmen zu können. Nachfragen bei der Agentur werden mit der lapidaren Mitteilung beantwor-
tet, dass man keine Notwendig-
keit für eine Teilnahme an solchen Maßnahmen sähe, da eine Unterversorgung nicht vorliege. Dabei stellen Sie m. E. rich-
tig fest, dass „die Bedarfsplanung nicht unbedingt den Versorgungsbedarf repräsentiere“.
Perspektivisches Denken ist offensichtlich für die Mitarbeiter/innen der Agentur für Arbeit in Dresden etwas Ungewöhnliches, etwas Neues. So haben wir auf der einen Seite eine die Bevölkerung belastende Mangelversorgung, auf der anderen Seite müssen qualifizierte Ärzte wegen Uneinsichtigkeit von Ämtern oder Agenturen mit Sozialhilfe im Abseits stehen. Eine schwer verständliche Situation.
Prof. Dr. med. Heinrich Geidel, Friedrichstraße 39, 01067 Dresden
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