Supplement: Reisemagazin
Kreuzfahrt: Durch die Nordwestpassage
Dtsch Arztebl 2004; 101(16): [11]

Ungewöhnlich ist die Expeditions-Kreuzfahrt mit dem Eisbrecher „Kapitan Khlebnikov“ im Kielwasser der frühen Entdecker und Forscher. Die Reise beginnt im sibirischen Anadyr, führt zunächst entlang der Tschukotka-Halbinsel durch die Beringstraße. Sibirische Inuit-Siedlungen werden besucht und ihre den Walen gewidmeten Kultstätten. Bei den zwei Diomedes Inseln wird die Datumsgrenze passiert und ein Tag gewonnen. Hier entlang fuhr 1728 der dänische Kapitän Vitus Bering. Er sollte den amerikanischen Kontinent finden.
In der Beaufortsee nördlich von Alaska hat sich die Khlebnikov durch über einen Meter dickes Packeis zu arbeiten. Eisbären nehmen Reißaus vor dem Koloss. Walrosse treiben auf Schollen vorbei. Auf der Insel Qikiqtaruk klariert das Schiff in kanadische Gewässer ein. Rangers führen die 80 internationalen Passagiere durch die trotz des Permafrostes blumenübersäte, federnde Tundra. Zwei Helikopter werden an Bord genommen, mit denen die Gäste Landausflüge machen können, ist das Eis für die spezialverstärkten Gummiboote zu dicht.
Unterwegs informieren Lektoren in Dia-Vorträgen und Filmen über Geologie, Glaziologie und über die dramatischen Ereignisse kühner Seefahrer, wie Frobisher, Hudson, Baffin und Franklin, bei der Suche nach der Nordwestpassage. Erst der Norweger Roald Amundsen fand 1906 die Durchfahrt.

Inuit-Familie im sibirischen
Tschukotka
Fotos: Renate V. Scheiper
Auf dieser Route werden 1 000 Jahre alte Siedlungen der Thule-Kultur erkundet, Herden von Moschusochsen und Karibus beobachtet. Vereinzelt tummeln sich auch Braunbären in der Tundra. Auf der Insel Viktoria im Eskimo-Ort Holman leuchten im Supermarkt unter grellem Neonlicht Südfrüchte aller Art; im Computerraum der Schule stehen 30 moderne Computer; vierrädrige Hondas sausen durch das 470-Seelendorf. Übliche Bekleidung sind Jeans und Markenjacken. Davon kann man in Sibirien nur träumen, wo die Inuit noch die traditionelle Fellkleidung tragen, zu Fuß gehen und im Winter Hundeschlitten benutzen.
Letzter, erschütternder Höhepunkt ist am kiesigen Strand der Insel Beechey der Besuch dreier Gräber der 1845 beigesetzten ersten Toten der Franklin-Expedition. Sie starben, wie eine Exhumierung ergab, an einer Bleivergiftung. Aus den herumliegenden, schlecht verlöteten Konservendosen haben spätere Besucher ein Kreuz gelegt. Renate V. Scheiper
Informationen: Die Expeditions-Kreuzfahrt findet vom 26. Juli bis 13. August 2004 statt. Reederei: Quark Expeditions, USA, Internet: www. quarkexpeditions.com. Katalog und Buchungen bei Norden Tours GmbH, Kleine Johannisstraße 10, 20457 Hamburg, Telefon: 0 40/37 70 22 70, Fax: 0 40/37 50 11 16, E-Mail: info@norden-tours.de, Internet: www.norden-tours.de.
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