BRIEFE
Psychosomatik: Standespolitiker gefragt
PP 3, Ausgabe Mai 2004, Seite 215
Zu dem Leserbrief „Das DÄ hat alle Chancen, Mittler zu sein“ von Dr. med. H.-P. Foertsch in Heft 4/2004:


Grundsätzlich bin ich der Meinung des Verfassers. Einige Anmerkungen zum Inhalt seien aber erlaubt:
Psychotherapie ist nicht sprechende Medizin, sondern in erster Linie zuhörende Medizin. Welcher Arzt hat unter dem ständigen Kostendruck dazu noch Zeit? Ein zweiter Gedanke: Psychosomatische Medizin wird meist dann erst wirksam, wenn Mitleid, d. h. die Fähigkeit und Bereitschaft zum „Mitleiden“, dazu kommt. Unter anderem in Balintkreisen besteht die Möglichkeit, hier zu helfen und den Behandler in die Lage zu versetzen, nicht nur die richtige Diagnose zu finden, sondern auch zu lernen, wie er selbst psychisch mit der Belastung des Mitleidens fertig wird. Frage: Wer hat dazu die nötige Ausbildung, die Bereitschaft zum Mitleiden und die Zeit?
Ergänzungsfrage: Wie soll ein Arzt entsprechende Leistungen dokumentieren, wer berechnet den Zeitaufwand für die zuhörende, mitleidende und sprechende Therapie, die ja auch das soziale Umfeld des Patienten in Schule und Beruf sowie der Familie und im Bekanntenkreis mit einschließen muss? Wer zertifiziert die Praxisleistung, und wer bezahlt die Leistung der Bereitschaft zur psychosomatischen Leistung und in welcher Höhe?
Hier sind durchsetzungsfähige, staatliche, auch Standespolitiker gefragt.
Dr. med. Sven Schelle,
Morgengasse 18 a, 78354 Sipplingen
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.