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BRIEFE

Pille danach: Gewinner dürfte die Pharmaindustrie sein

Dtsch Arztebl 2004; 101(20): A-1418 / B-1180 / C-1134

Fritzsch, Susanne

. . . Wenn auch bei dieser Tagung viele Befürworter der Rezeptfreigabe zu Wort kamen, so gab es doch auch deutliche kritische Stimmen. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion äußerte sich Frau Dr. med. Angelika Zienert in Vertretung des Frauenärzteverbandes Berlin ganz klar gegen die Rezeptfreigabe der „Pille danach“, weil die Frauenärzteschaft ihre Beratungs- und Behandlungspflicht gerade auch im „Notfall“ sieht und ernst nimmt. In Übereinstimmung mit Prof. Dr. med. Hans-Peter Zahradnik von der Universitätsfrauenklinik Freiburg vertrat Frau Dr. Zienert die feste Auffassung, dass in Deutschland Gynäkologen ausreichend erreichbar sind. Durch die qualifizierte gynäkologische Betreuung kann außerdem eine unnötige Einnahme des Hormonpräparats vermieden werden. Prof. Zahradnik sprach sich ganz klar gegen eine Freigabe der Rezeptflicht für dieses Präparat aus. Auch aus dem Publikum kamen Anfragen, so zum Beispiel von einer Apothekerin, die meinte, ob denn dann nach dem Zyklus der Frau gefragt werden müsse, denn nach den vorangegangenen Darstellungen sei die „Pille danach“ ja „nur ovulationshemmend“! Diese Darstellung ist jedoch keineswegs korrekt, auch wenn ein ärztlicher Kollege auf Nachfrage nach der Frühabtreibungswirkung des Gestagens zurechtgewiesen wurde, dass er nicht richtig informiert sei.
Die Leserzuschriften aus Heft 11/2004 bestätigen mir aber, dass gerade hier eine bewusste Fehlinformation betrieben wurde, um politisch Druck zu machen, damit die Rezeptfreigabe der „Pille danach“ beschleunigt wird.
Ich persönlich unterstütze die Positionen der verantwortungsvollen Frauenärzte, dass qualifizierte Beratung und Untersuchung nötig sind, gerade auch angesichts der zunehmenden sexuell übertragbaren Krankheiten. Außerdem halte ich die Förderung des verantwortungslosen Umgangs mit Sexualität für zynisch, zumal Gesundheit von Frauen auf dem Spiel steht.
Der sich über steigende Umsätze freuende Gewinner dürfte die Pharmaindustrie sein. Die Anfrage einer Studentin in der Diskussion nach Verantwortlichkeit im Umgang mit Sexualität wurde von der Diskussionsleiterin mit den Worten zurückgewiesen: „Das wirft uns ja Jahrzehnte zurück.“ Der abschließende offene Brief zur Befürwortung für die Rezeptfreigabe der „Pille danach“ wurde nicht von allen Teilnehmern der Veranstaltung unterzeichnet. Er sollte den politischen Entscheidungsträgern zugeleitet werden.
Alles in allem war diese Veranstaltung zur Wegbereitung der Rezeptfreigabe gedacht, und genauso hat es leider Frau Dr. Richter-Kuhlmann in ihrem Artikel dargestellt . . .
Susanne Fritzsch, Kaleb e.V., Neuruppiner Straße 11,
16515 Oranienburg
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