MEDIZIN: Referiert
Männliche Beschneidung verringert möglicherweise HIV-Infektionsrisiko
Dtsch Arztebl 2004; 101(20): A-1438 / B-1199 / C-1153


Forschungsergebnissen aus Indien zufolge könnte das Risiko einer HIV-Infektion für beschnittene Männer geringer sein als für unbeschnittene Männer. Die Resultate der Studie deuten darauf hin, dass das dünne Gewebe der Vorhaut wahrscheinlich ein Ziel der viralen Aktivität ist, wie bereits in vorhergehenden Studien vermutet wurde. Die Erklärung für das möglicherweise verminderte Risiko einer HIV-Infektion bei beschnittenen Männern ist nach Ansicht der Autoren demnach eher biologischer Natur und nicht auf besondere sexuelle Verhaltensweisen zurückzuführen. Für ein eventuell risikobewussteres Sexualverhalten bei beschnittenen Männern hatte es in bisherigen Studien ebenfalls Hinweise gegeben. In Zusammenarbeit mit dem National Aids Research Institute, Puna, Indien, untersuchten Robert C. Bollinger und Kollegen von der Johns Hopkins Medical School, Baltimore, USA, zwischen 1993 und 2000 prospektiv 2 298 Männer, die in drei Kliniken für sexuell übertragbare Krankheiten in Puna behandelt wurden. Alle Studienteilnehmer waren bei der Erstuntersuchung HIV-negativ. Eine Nachuntersuchung erfolgte vierteljährlich. Neben der Einbeziehung auch anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen wurden Angaben zum sexuellen Risikoverhalten in der Studie mitausgewertet. Die Forscher fanden, dass die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren, für unbeschnittene Männer mehr als sechsmal höher war als für beschnittene Männer. Gegenüber Infektionen mit Herpes-simplex-Virus Typ 2, Syphilis oder Gonorrhoe konnten die Wissenschaftler keinen schützenden Effekt durch eine Beschneidung feststellen. Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie, kommentiert Bollinger, war ein signifikanter und spezifischer schützender Effekt der männlichen Beschneidung auf das Risiko der Infektion mit HIV-1. Die Daten stützen nach seiner Ansicht die Hypothese, dass die Entfernung der Vorhaut wahrscheinlich deshalb einen Schutz bietet, weil vor allem dort eine hohe Dichte an HIV-1-spezifischen Zielzellen zu finden ist, einschließlich CD4+-T-Lymphozyten und Langerhans-Zellen, die für das Virus durch die dünne Keratinschicht über der inneren Mucosa leichter zugänglich sind. Se
Reynolds SJ, Shepherd ME, Risbud AR, Gangakkedkar RR, Brookmeyer RS, Divekar AD, Mehendale SM, Bollinger RC: Male circumcision and risk of HIV-1 and other sexually transmitted infections in India. Lancet 2004; 363: 1039–1040.
Dr. Robert C. Bollinger, Division of Infecious Diseases, Johns Hopkins University Medical School, Ross 1150, 720 Rutland Avenue, Baltimore, Maryland 21205, USA; E-Mail: rcb@jhmi.edu
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