VARIA
Koronare Herzkrankheit: Stellenwert der Nitrate ist weiterhin hoch
Dtsch Arztebl 2004; 101(20): A-1443


Die invasiven Therapieverfahren der koronaren Herzkrankheit (KHK) werden immer mehr verfeinert. Das schmälert den Stellenwert der medikamentösen Therapie jedoch nicht. Vor allem die Nitrate seien bei der KHK nach wie vor von Bedeutung, betonte Dr. Fokko de Haan (Solingen) in Bergisch Gladbach. Nitrate dienen der symptomatischen Behandlung der Patienten und tragen dazu bei, lebensbedrohliche Ischämien abzuwenden: „Sie können mit den Nitraten allen Patienten helfen – denjenigen, bei denen eine Ballondilatation oder eine
Bypassoperation nicht möglich ist, und auch denjenigen, die auf einen solchen Eingriff warten.“
Empfehlenswert sei eine Basistherapie mit einem retardierten Dinitrat (zum Beispiel isoket® retard 120), weil dieses sich durch einen raschen Wirkeintritt und eine anhaltende Wirksamkeit auszeichnet. Nimmt der Patient das Präparat bereits nach dem Aufstehen ein, sei er in den kritischen Morgenstunden und über den ganzen Tag geschützt. „Parallel dazu nimmt die Belastbarkeit der Patienten und damit die Lebensqualität wieder zu“, erklärte de Haan. In der Nacht, wenn es kaum zu Ischämien komme, werde durch eine Art Nitratpause die Entwicklung einer Nitrattoleranz verhindert. Während des Tages könne durch die Nitrateinnahme die Anzahl, Schwere und Dauer von Ischämieepisoden reduziert werden.
Neben der Basistherapie benötigt der Patient auch ein Nitrat zur Akuttherapie beim Angina-pectoris-Anfall. Bewährt habe sich neben dem Glyceroltrinitrat das Isosorbiddinitrat als Spray, wobei beide Wirkstoffe im Bedarfsfall rasch wirken, akut die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO) am Endothel verbessern und für eine Senkung der Vorlast wie auch der Nachlast sorgen. Der gleiche Effekt könne durch eine Isosorbiddinitrat-Sublingualtablette (isoket® 5) erwirkt werden, eine Behandlungsmöglichkeit, die noch zu wenig genutzt werde. „Die Sublingualtablette wird von den Patienten gut akzeptiert“, erklärte der Kardiologe.
Die akut eingesetzten Nitrate wirken so schnell, dass
sie nach Aussage von de Haan auch diagnostisch genutzt werden können, etwa dann, wenn ein Patient mit unklarem Beschwerdebild in die Praxis kommt. Daran ist insbesondere bei Frauen jenseits des 50. Lebensjahres zu denken: „Wir sehen in der Praxis immer häufiger Frauen dieses Alters mit einer KHK, die sich nicht mit den typischen Angina-pectoris-Schmerzen bemerkbar macht, sondern mit Rückenschmerzen oder vermeintlichen Oberbauchbeschwerden. An eine koronare Herzerkrankung müsse besonders gedacht werden, wenn die Frau rauche, eine Hypertonie und/oder eine Hypercholesterinämie habe oder eine positive Familienanamnese. „Jenseits der Menopause entwickelt sich die Arteriosklerose wie im Zeitraffer“, betonte de Haan. Christine Vetter
Pressegespräch „Grenzen invasiver Maßnahmen: Der Stellenwert der Nitrate bei der KHK“, in Bergisch Gladbach, Veranstalter: Schwarz Pharma
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