VARIA: Schlusspunkt
zu Aktien: Heideldruck unter Druck
Dtsch Arztebl 2004; 101(20): [64] / [64] / [64]


Der 5. Mai brachte einem Unternehmen aus Heidelberg wirklich kein Glück. An diesem Tag stürzte die Aktie des Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck AG über zehn Prozent ab, was für eine ehemalige Perle des deutschen Kurszettels echt eine Menge Holz ist.
Den Schuldigen für den eklatanten Abstieg der Aktiennotiz haben die Börsianer auch schnell ausgemacht: Die Mutter RWE kündigte an, sich von der mittlerweile ungeliebten Tochter in Gänze trennen zu wollen, und das möglichst schnell. Immerhin 64 Jahre waren die beiden Unternehmen miteinander verbunden, in (überwiegend) guten Zeiten wie auch in den wenigen schlechten. Die an den Tag gelegte Hast sorgte bei den Marktteilnehmern für blankes Entsetzen und führte, verständlich genug, zu einem verstärkten Abgabeverhalten. Erst bei knapp 26 Euro kam der Kurs der Heideldruck zum Stehen. Früher hätte die RWE deutlich mehr Geld bekommen, denn schon im März verkauften die Essener ein Paket für 60 Euro je Aktie. Von einem guten Timing kann also jetzt eigentlich keine Rede sein, oder wollte RWE gar die Reißleine ziehen, falls zu späteren Zeiten etwa noch weniger erzielbar gewesen wäre?
Also, die Heideldruck hat wirklich schlimme Zeiten hinter sich, wie der Tiefststand der Aktie mit 13,40 Euro im Frühjahr 2003 eindrucksvoll dokumentiert. Seitdem hat sich der Kurs immerhin verdoppelt, liegt aber nach wie vor drastisch unter Wasser. Das ist im Prinzip aber auch kein Wunder. Seit drei Jahren steckt die gesamte Branche in einer existenzbedrohenden Krise, alle Beteiligten schreiben tiefrote Zahlen. Heidelberger Druck setzte eine umfangreiche Restrukturierung in Gang und trennte sich von den Bereichen Rollen- und Digitaldruck. Nunmehr soll das Kerngeschäft „Bogendruck“ verstärkt werden.
Ist der Rauswurf durch RWE wirklich ein so schlechtes Zeichen, wie die Börse signalisiert? Mehrere Trumpfkarten sprechen dafür, dass sich die Aktie auf mittlere Sicht nicht nur wieder fängt, sondern auch noch ein attraktives Investment werden könnte. Zunächst einmal dürften handelstechnische Faktoren den Kurs insoweit aufhellen, dass durch die Trennung von RWE der „freefloat“, also die Zahl der an den Börsen tatsächlich handelbaren Aktien, stark zunimmt und dadurch Heidelberger Druck im MDAX eine stärkere Gewichtung bekommen und damit die passenden Indexfonds den Wert nachkaufen müssen.
Nach wie vor ist Heidelberger Druck im Übrigen Weltmarktführer, und es sieht ganz danach aus, als könnte diese Position eher noch gestärkt werden. Vorstandschef Bernd Schreier sieht jedenfalls deutliche Anzeichen für einen Tournaround bei den Gewinnen, was durch einen positiven freien Cashflow und weiteren Schuldenabbau bekräftigt wird. Die mageren Jahre mögen alsbald den fetten weichen. Da heißt es zugreifen, wenn die anderen den Appetit nicht haben.
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