VARIA: Schlusspunkt
zu Aktienanleihen: Teufelszeug
Dtsch Arztebl 2004; 101(22): [52] / [52] / [52]


Dieser Wonnemonat Mai 2004 ist nicht gerade geeignet, balsamierend auf geplagte Anlegerherzen zu wirken. Mit Aktien konnte in den letzten vier Wochen ein Fehler nach dem anderen gemacht werden, der DAX verlor in den ersten drei Wochen glatt acht Prozent. Wer sich in Rentenwerte flüchtete, grämt sich über die herrschenden Mickerzinsen, die mit Hängen und Würgen gerade mal die Inflationsrate übertrumpfen. Wie furchtbar, wenn Geldverdienen so wenig Spaß macht.
Wohl dem, der sich die Süddeutsche Zeitung reinzieht. Dort kann der Not leidende Investor regelmäßig Hilfe in seiner Pein finden. So auch in der Wochenendausgabe vom 8. Mai. Dort findet der frustrierte Börsianer sowohl von der ING BHF-Bank als auch von Sal. Oppenheim wundersame Zinsangebote, die samt und sonders fantastisch klingen.
Aktienanleihen, so heißen die dort offerierten Zinsangebote relativ harmlos, seien, wie Oppenheim schreibt, „die geeignete Anlage für Investoren, die hohe Zinseinnahmen erzielen wollen und nach deren persönlicher Einschätzung sich die Kurse der Aktien, auf die sich die jeweilige Aktienanleihe bezieht, in den nächsten Monaten seitwärts entwickeln oder leicht steigen werden“. Alles klar?
Wem das zu kompliziert ist, mag sich der Materie mit einem Rechenexempel nähern. Nokia bietet sich dabei wunderbar an. Also: Ich gebe Oppenheim 5 000 Euro heute und bekomme stolze zwölf Prozent Zinsen auf jeden Fall ausgezahlt. Ob ich aber am 30. Juni 2005 die 5 000 Euro bar zurückgezahlt bekomme, ist indes aus heutiger Sicht ziemlich ungeklärt. Sollte der Nokia-Kurs unter 11,68 Euro (Kurs heute 11,35) fallen, hat Oppenheim das Recht, in meinem Depot 428 Nokia abzuladen, und das wird die Bank bei der Sachlage auch zweifelsfrei tun.
Gesetzt den Fall, Nokia stehen in einem Jahr dann bei zehn Euro, ist die Schadensrechnung vergleichsweise einfach. Einem Aktienwert von 4 280 Euro und einer Zinszahlung von 600 Euro (zusammen 4 880 Euro) steht ein Kapitaleinsatz von 5 000 Euro gegenüber.
Noch bitterer die Lektion, wenn der Aktienkurs tiefer steht. Ähnliche Spiele sind in Puma und Tui wie auch in Porsche und anderen Werten möglich, und das alles wird natürlich nicht nur über die Süddeutsche publiziert, sondern in allen gängigen Wirtschaftsblättern unter die Leute gebracht. Wer hinter Aktienanleihen Teufelszeug vermutet, hat genau verstanden. Finger weg!
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