MEDIZIN: Die Übersicht

Neue Entwicklungen in der Psoriasistherapie

Dtsch Arztebl 1996; 93(48): A-3188 / B-2569 / C-2321

Lehmann, Percy; Ruzicka, Thomas

Die Psoriasis kommt in unserer Bevölkerung mit einer Prävalenz von zwei Prozent vor und gehört somit zu den häufigsten Hautkrankheiten. In den letzten Jahren konnten entscheidende Fortschritte bei der Erforschung der Pathogenese der Psoriasis und der Entwicklung neuer Therapieverfahren erzielt werden. Es ist dadurch heute möglich, die verschiedenen Formen der Erkrankung in den allermeisten Fällen gut zu kontrollieren, so daß es für die Patienten zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität kommt. Der folgende Artikel informiert über neue therapeutische Entwicklungen, zu denen einerseits neue Bestrahlungsmodalitäten und Kombinationsschemata, andererseits die Einführung neuartiger Substanzgruppen für die interne und externe Behandlung der Psoriasis gehören.


Die Psoriasis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden an dieser Dermatose. Trotz großer Fortschritte, vor allem auf immunologischem Gebiet, ist die Pathogenese nach wie vor noch nicht vollständig geklärt. Wie kaum ein anderes Gebiet der Dermatologie machte die Therapie der Psoriasis in den letzten Jahren eine explosionsartige Entwicklung durch. Dies betrifft einerseits die Verbesserung bestehender Therapieverfahren, zum Beispiel die Entwicklung neuer Ultraviolettbestrahlungsmodalitäten und Kombinationstherapien, andererseits die Einführung neuartiger Substanzgruppen für die interne und externe Behandlung der Krankheit. Nie zuvor standen solch vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, so daß unterschiedliche Wirkprinzipien miteinander verbunden werden können, um einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen. Die wesentlichen Entwicklungen der letzten Jahre sollen in der nachfolgenden Übersicht behandelt werden.


UV-Bestrahlungen
Bereits im Jahre 1925 wurde von Goeckermann auf den therapeutischen Effekt von UV-Strahlen bei der Psoriasis vulgaris hingewiesen (26). Er beobachtete im Sommer eine beschleunigte Abheilung von psoriatischen Hautveränderungen, die mit teerhaltigen Externa vorbehandelt waren. Seither nahm die Bedeutung der Psoriasis-Therapie mit UV-Strahlen stetig zu. Dazu beigetragen hat auch die gute therapeutische Effizienz von Kombinationstherapien
(Tabelle), wie beispielsweise die von Ingram 1953 beschriebene Cignolin-UVB-Behandlung (30) und die 1974 von Parrish et al. eingeführte hochwirksame Kombination von UVA mit oral einzunehmenden Psoralenen (PUVA, Psoralen + UVA) für schwere Psoriasis-Formen (63). Die Ermittlung des Aktionsspektrums für die Phototherapie der Psoriasis durch Parrish und Jaenicke (62) im langwelligen Bereich der UVB-Strahlung bildete die Grundlage zur Entwicklung neuer Strahlenquellen mit spezifischerer antipsoriatischer Aktivität bei geringerer erythematogener Potenz. Diesem Prinzip wurde zunächst durch die "selektive UV-Therapie (SUP)" Rechnung getragen, wobei Lampen mit polychromatischer Strahlung mit einem Emissionsmaximum zwischen 300 und 320 nm Verwendung finden (13). Diese Strahler emittieren allerdings noch einen erheblichen Anteil an kurzwelliger UVB-Strahlung, die durch ihre starke erythematogene Potenz bei der Therapiesteuerung limitierend wirkt.


Schmalspektrum-UVB-Therapie
Als wesentlicher Fortschritt in der Therapie der generalisierten mittelschweren bis schweren Psoriasis ist die Entwicklung und Einführung eines neuen Schmalspektrum-UVB-Strahlers anzusehen, der fast monochromatische Strahlung um 311 nm emittiert (43, 82, 83). Durch die hochselektive Bestrahlung wird ein besseres antipsoriatisches Spektrum bei gleichzeitig geringerer erythematogener Potenz erreicht. Dies erlaubt eine deutlich aggressivere Therapiesteuerung im wirksamen antipsoriatischen Wellenlängenbereich und somit eine bessere therapeutische Effizienz. Alle bislang durchgeführten Studien bestätigen diese theoretischen Überlegungen und konnten eine bessere antipsoriatische Wirkung der Schmalspektrumstrahler im Vergleich zu konventionellen UVB-Strahlern demonstrieren (34, 83). Die individuelle minimale Erythemdosis (MED-UVB) liegt bei Bestimmung mit der 311-nm-Schmalspektrum-Lampe um etwa das Sechs- bis Achtfache über der MED, die mit konventionellen UVB-Strahlern ermittelt wird. Die initiale Bestrahlungsdosis beträgt 70 Prozent der vorher ermittelten MED, die Dosis kann um zehn Prozent gesteigert werden, wenn kein Erythem durch die vorausgegangene Bestrahlung erzeugt wurde.
Die Wirksamkeit der 311-nm-UVB-Phototherapie läßt sich durch Kombination mit topischen Antipsoriatika wie Dithranol und insbesondere Calcipotriol weiter steigern (34, 75, 76). Die Kombination Calcipotriol/
UVB-311-nm muß als eine der wirksamsten und nebenwirkungsärmsten Therapieformen der mittelschweren, disseminierten Psoriasis zum heutigen Zeitpunkt gelten. Innerhalb von vier bis sechs Wochen erreicht man bei den meisten Patienten eine über 90prozentige Reduktion des Symptomen-Scores, wobei durch die Kombinationstherapien der Beginn der Wirkung schneller eintritt. In Anlehnung an unsere früheren Untersuchungen mit Breitspektrum-UVB (68) ist anzunehmen, daß auch die Kombination mit Retinoiden bei schwerer und generalisierter Psoriasis günstige Therapieergebnisse erbringen wird. Formale, doppelblind durchgeführte Studien hierzu fehlen jedoch zum jetzigen Zeitpunkt.


Nebenwirkungen
Während als akute Nebenwirkung der 311-nm-UVB-Bestrahlung die Sonnenbrandreaktion bei therapeutischen Dosen zu vernachlässigen ist, muß das kanzerogene Langzeitrisiko wie bei jeder UV-Therapie in Betracht gezogen werden. Es kann heute kein Zweifel bestehen, daß chronische UV-Exposition das Hautkrebsrisiko erhöht, und in tierexperimentellen Studien konnte auch für künstliche Breit- und Schmalspektrum-UVB- Strahler eine tumorinduzierende Potenz nachgewiesen werden (13). Bislang konnte jedoch nicht belegt werden, ob Breit- oder Schmalspektrum-UVB-Strahlung die größere kanzerogene Potenz aufweist, so daß weitere Studien diese Fragen noch abschließend klären müssen (22, 25, 74).


Balneophototherapie
Bereits im Jahre 400 vor Christus führen die Hippokratischen Schriften an, daß "Meerwasser gut gegen juckende Dermatosen sei" (18, 70) und bilden so eine frühe Grundlage für die moderne Balneophototherapie in der Dermatologie. Während man in späteren Jahrhunderten sehr skeptisch gegenüber badetherapeutischen Maßnahmen eingestellt war und Wasch- und Badeverbote bei Hauterkrankungen in den Standardlehrbüchern die damalige Lehrmeinung widerspiegeln, zeigten Erfahrungsberichte eine gute Effektivität badetherapeutischer Maßnahmen, zunächst bei Patienten mit Psoriasis am Toten Meer.
Die aus Israel berichteten Erfolge führten zu einer verstärkten Gründung von Balneo-Phototherapie-Zentren in Deutschland (78–80). Weiterhin konnte kürzlich gezeigt werden, daß durch extern applizierte NaCl-Lösungen ab einer Konzentration von 1 M Serinproteinasen aus der erkrankten Epidermis eluiert werden. Neutrophile Granulozyten enthalten in ihren azurophilen Granula Kathepsin G und humane Leukozytenelastase (HLE), die zu den Serinproteinasen zählen. Durch Salzextraktion wird somit bei Solebädern die läsionale Elastaseaktivität bei Psoriatikern vermindert (84–86). Neben den positiven Erfahrungsberichten stehen somit auch experimentelle Befunde zur Verfügung, die die therapeutische Wirksamkeit von Solebädern bei der Psoriasis verständlich machen. Allein scheint die Soletherapie jedoch nicht wirksam zu sein; erst die Kombination mit einer UVB-Bestrahlung kann die Rückbildung der Psoriasis einleiten. In dieser Situation ist es 1994 zu einer Vereinbarung zwischen dem Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V. (VdAK) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft mit dem Berufsverband Deutscher Dermatologen über ein Erprobungsmodell gekommen, das die Durchführung balneophototherapeutischer Maßnahmen vorsieht. Bei den Solebädern erfolgt zunächst eine 20minütige Ganzkörper-Badetherapie unter Verwendung hypertoner Salzlösungen und danach eine Bestrahlung mit UVB nach den Regeln der dermatologischen Phototherapie.
Das Erprobungsmodell "Ambulante Balneo-Phototherapie" läuft seither äußerst erfolgreich in Praxen niedergelassener Dermatologen sowie in dermatologischen Kliniken mit dem Ziel, die Modalitäten der empirisch gehandhabten Balneotherapie wissenschaftlich zu evaluieren. Befunde und Daten der Teilnehmer dieser Studie werden zentral an der Hautklinik der Universität Kiel ausgewertet (8). Neben den Solebädern umfaßt das Erprobungsmodell "Ambulante Balneo-Phototherapie" auch die Bade-PUVA-Therapie.


PUVA-Bad-Therapie
Da zur PUVA-Bad-Therapie kürzlich im Deutschen Ärzteblatt ein Übersichtsartikel erschienen ist (Dt Ärztebl 1996; 93: A-1538–1541 [Heft 23]), sollen hier nur kurz die wichtigsten Fakten dargestellt werden. Aufgrund der geringen Psoralenresorption durch die Haut mit kaum meßbaren Plasmaspiegeln (< 4 ng/ml) (12) fehlen systemische Nebenwirkungen, die in Form von Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen bei etwa 30 Prozent der Patienten nach oraler Psoralengabe auftreten. Die Bioverfügbarkeit des Medikamentes ist bei der PUVA-Bad-Therapie in der Haut gleichmäßig und reproduzierbar, so daß die Therapie genauer steuerbar ist als die systemische PUVA-Therapie.
Die Photosensibilisierung der gebadeten Areale dauert nur kurze Zeit (zirka eine Stunde), so daß die Patienten nach der Therapie sich keinen einschränkenden Schutzmaßnahmen unterwerfen müssen. Schließlich hat sich Bade-PUVA in mehreren gut dokumentierten Studien als ebenso wirksam erwiesen wie die systemische
PUVA-Therapie, so daß diese Behandlungsmodalität in den letzten Jahren die klassische orale PUVA-Therapie vielfach zu ersetzen scheint (3, 6, 9, 20, 35, 36, 48, 81).
Während die Durchführung der Ganzkörper-PUVA-Bad-Therapie anfänglich einige organisatorische Probleme mit sich bringt, bedarf die Einführung der PUVA-Hand- und Fußbäder nur weniger Vorrichtungen. Sie stellt eine einfache und kostengünstige Variante der Ganzkörpertherapie dar, die sich als besonders vorteilhaft bei chronischen entzündlichen Palmoplantardermatosen, insbesondere der Psoriasis palmoplantaris, erwiesen hat (35). Diese Therapieform mit oder ohne Gabe oraler Retinoide (Acitretin) wird von uns für die Psoriasis palmoplantaris derzeit präferentiell angewandt.


Externe Therapie
In der externen Salbentherapie der Psoriasis können Vitamin-D3-Analoga als wichtigste Entwicklung der letzten Jahre angesehen werden (4, 32, 40–42). Bereits in den 30er Jahren gab es in der Dermatologie erste therapeutische Versuche mit der systemischen Gabe von Vitamin-D-Analoga.
Allerdings wurde aufgrund der Kalzifizierungsgefahr durch diese Präparate bald wieder Abstand von diesem therapeutischen Ansatz genommen. Ein Wiederaufgreifen dieser Idee erfolgte durch eine zufällige Beobachtung zweier japanischer Kollegen, die einem an Osteoporose leidenden Patienten Calcitriol verabreichten und feststellten, daß die gleichzeitig bestehende Psoriasis vulgaris abheilte (56).
Seit 1992 ist als erstes Vitamin-D3-Analogon Calcipotriol (Psorcutan und Daivonex) in Deutschland eingeführt worden, 1996 erfolgte die Zulassung von Tacalcitol (Curatoderm).
Die Affinität der synthetischen Vitamin-D3-Analoga zum Vitamin-D-Rezeptor ist ebenso hoch wie die des natürlich vorkommenden Vitamin-D (1,25 Dihydrocholecalciferol).
Vitamin-D3-Analoga sind in der Lage, Zellen und Mediatorsysteme zu beeinflussen, die in der psoriatischen Haut pathologisch verändert sind. So kommt es zu einer dosisabhängigen Hemmung der Proliferation und zu einer Induktion der Differenzierung von Keratinozyten. Da epidermale Hyperproliferation und abnorme Differenzierung wesentliche Grundlagen der Pathogenese der Psoriasis sind, wird diesem Effekt die größte Bedeutung für die Effektivität von Vitamin-D3-Analoga beigemessen (41). Es konnte jedoch auch gezeigt werden, daß diese Substanzklassen inhibitorisch auf aktivierte T-Lymphozyten wirken, so daß auch die entzündlichen Mechanismen beeinflußt werden (24, 32). Die klinische Beobachtung, daß nach der Therapie Schuppung und Induration vollständig abheilen,jedoch meist ein Resterythem verbleibt, weist auf eine bevorzugte Wirkung auf die Keratinozyten hin.
In klinischen Studien zeigen Vitamin-D3-Analoga gleiche oder sogar überlegene antipsoriatische Wirksamkeit, verglichen mit mittelpotenten Kortikosteroiden (10, 41). Auch beim Vergleich mit Dithranol (Cignolin) zeigte sich eine zumindest gleich gute antipsoriatische Wirksamkeit bei deutlicher Überlegenheit bezüglich der kosmetischen Eigenschaften (4).
Wenngleich Calcipotriol eine gute antipsoriatische Wirksamkeit aufweist, so führt es doch selten zur vollständigen Abheilung der Hautveränderungen, so daß Kombinationstherapien mit anderen Antipsoriatika sinnvoll erscheinen (34, 40, 47). Dies und die Tatsache, daß bei bis zu 20 Prozent der Patienten Hautirritationen auftreten, veranlaßten uns, zunächst auf empirischer Basis Calcipotriol mit topischen Glukokortikosteroiden zu kombinieren. Diese Therapie erbrachte in Pilotuntersuchungen so günstige Ergebnisse, daß mehrere multizentrische Doppelblindstudien durchgeführt wurden, die die initialen guten Ergebnisse bestätigen konnten. Daher kann diese Therapieform als die zur Zeit ideale Behandlung der lokalisierten umschriebenen Psoriasis angesehen werden. Auch eine Dreifachkombination mit Calcipotriol, Glukokortikosteroiden und niedrig dosiertem Dithranol kann ambulant eingesetzt werden. Für die generalisierte, mittelschwere bis schwere Psoriasis ist die oben erwähnte Kombination mit 311-nm-UVBBestrahlungen als sinnvoll anzusehen. Bei der Kombination von Vitamin-D3-Analoga mit UV-Strahlen ist besonders wichtig zu beachten, die Salbe erst nach der Bestrahlung zu applizieren, da es bei vorheriger Auftragung zu einer photochemischen Degradation des Moleküls kommt und somit zur Wirkungslosigkeit des Kombinationsschemas. Auch die Kombination mit systemischen Antipsoriatika (Retinoiden, Ciclosporin) und oraler PUVA-Therapie hat eine Wirkungssteigerung ergeben. Ein neuartiger Aspekt der CalcipotriolAnwendung ist die Behandlung der Psoriasis inversa. Wenngleich nach Angaben der Hersteller Calcipotriol nicht in den intertriginösen Arealen angewandt werden sollte, zeigte sich bei unseren Patienten gerade in diesem Bereich eine sehr gute Wirksamkeit des Calcipotriols (37).
Die wesentliche Nebenwirkung dieser Therapieform sind lokale Irritationen, die bei bis zu 20 Prozent der behandelten Patienten auftraten. Aufgrund der physiologischen Wirkung des Vitamin D3 wurden systemische Nebenwirkungen auf den Kalziumstoffwechsel in mehreren Studien untersucht. In keiner der Untersuchungen zeigte sich eine Veränderung der relevanten Parameter bei lege artis durchgeführter externer Therapie. Zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob neue Vitamin-D3-Derivate wie das Tacalcitol eine weitere Verbesserung der Nutzen-Risiko-Relation bringen werden.


Interne Therapie der Psoriasis
Die Entwicklungsgeschichte der Therapie mit Fumarsäurederivaten, seit den ersten Selbstversuchen des Chemikers Dr. Walter Schweckendiek im Jahre 1959 (72) bis zur Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 1994, gehört sicherlich zu den ungewöhnlichsten, die jemals eine Therapieform genommen hat.
Aufgrund der vorliegenden Studien läßt sich zusammenfassend feststellen, daß Fumarsäurederivate eine nachgewiesene antipsoriatische Wirkung haben (1, 2, 14, 15, 58, 59). Die Zulassung des Arzneimittels erfolgte jedoch recht einschränkend nur für schwere Formen der Psoriasis, da nur hier wegen der hohen Nebenwirkungsrate unter Abwägung von Nutzen und Risiko der Einsatz der Fumarate gerechtfertigt erscheint (11, 67, 88).
So lautet auch die durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erteilte zugelassene Indikation für das Präparat Fumaderm: "Wegen des Behandlungsrisikos nur zur Behandlung von schweren Formen der Psoriasis vulgaris (außer Psoriasis pustulosa oder Psoriasis vom Plaque-Typ), sofern eine äußere Therapie nicht angezeigt ist. Eine vorhergehende Verträglichkeitsanpassung mit Fumaderm initial ist erforderlich".
(Der Abschnitt zur Fumarsäure wurde mit Absicht kurz gehalten. Lesen Sie hierzu auch den folgenden Beitrag).


Immunsuppressiva
Als Durchbruch in der Therapie schwerster Psoriasis-Formen kann die Einführung der MakrolidImmunsuppressiva vom Typ des Ciclosporins angesehen werden (7, 64, 65). Die Indikation beschränkt sich auf schwere Psoriasis, bei der eine konventionelle Therapie nicht ansprach oder nicht durchführbar war. Die Therapie ist kontraindiziert, wenn die Patienten andere zytotoxische oder nephrotoxische Medikamente einnehmen. Besonders zu achten ist auch auf gleichzeitige oder vorangehende immunsuppressive und kanzerogene Therapie, zum Beispiel PUVA, da hierbei die Gefahr einer Überimmunsuppression mit dem Risiko von Infektionen und Entwicklung bösartiger Tumoren besteht. In der Tabelle sind die relativen und absoluten Indikationen für eine Ciclosporin-Therapie zusammengefaßt. Ciclosporin entwickelt eine starke immunsuppressive Wirkung durch die Hemmung der IL-2-Gen-Expression in T-Lymphozyten. Über die Hemmung des Transkriptionsfaktors NF-AT wird des weiteren die Induktion der Cytokine IL-3, IL-4, GMCSF, TNFa und IFNg blockiert (61, 87). Unter systemischer Therapie mit Ciclosporin kommt es bei nahezu allen Patienten zu einer Abheilung der psoriatischen Effloreszenzen nach spätestens drei Monaten (7, 17, 44). Diese Remission bleibt bei weiterer Therapie bestehen, nach Absetzen werden jedoch nach unterschiedlich langen Zeiträumen Rezidive beobachtet. Die Wirkung tritt rasch ein und ist dosisabhängig. Während in den ersten Behandlungsversuchen Dosen von fünf mg/kg/die gewählt wurden, hat sich mittlerweile die sogenannte "low-dose"-Therapie (zwei bis drei mg/kg/die) zur Behandlung der Psoriasis durchgesetzt. In der Regel sind Nebenwirkungen dosisabhängig und nach Absetzen des Medikamentes reversibel. Die wichtigsten Nebenwirkungen bestehen in einer möglichen reversiblen Beeinflussung der Nierenfunktion, Erhöhung des Blutdruckes, einem Anstieg der Blutfettwerte und selten Transaminasenerhöhungen, wobei alle diese unerwünschten Wirkungen streng dosisabhängig sind (23, 57, 66). Weiterhin kann es, vor allem in der initialen Therapiephase, zu gastrointestinalen Beschwerden kommen, die meist passager sind. Substanzspezifisch sind die Entwicklung einer Hypertrichose, Gingivahyperplasie, Parästhesien sowie eines Tremors, der auch vor allem in der Initialphase auftritt und passager ist. Da die inter- und intraindividuelle Absorption von Ciclosporin starken Schwankungen unterliegt (20 bis 50 Prozent), wurde kürzlich eine Mikroemulsionsformulierung entwickelt, die eine berechenbare und zuverlässige Absorption ermöglicht (16). Diese neuartige Formulierung wurde 1995 als Sandimmun Optoral zugelassen.
Da mehrere ausführliche Übersichtsartikel in den letzten Jahren zur Ciclosporintherapie der Psoriasis erschienen sind (23, 44, 55, 57), sollen im folgenden nur einige ausgewählte Aspekte behandelt werden. Neben der Psoriasis vulgaris scheint die Psoriasis arthropathica eine besonders günstige Indikation darzustellen (69). Bei dieser Krankheit zeigt Ciclosporin sowohl antipsoriatische als auch antiarthritische Eigenschaften. Dies im Gegensatz zu allen anderen verfügbaren Antipsoriatika und Antirheumatika mit Ausnahme des Methotrexat. Das letztgenannte Medikament kann jedoch bei zahlreichen Psoriasis-arthropathica-Patienten aufgrund der bestehenden Hepatopathie und der maximalen kumulativen Dosis von 1,5 Gramm oft nicht eingesetzt werden, so daß therapeutische Alternativen dringend erforderlich sind. Ciclosporin sollte bei schwerer Psoriasis arthropathica als Mittel der ersten Wahl zum Einsatz kommen. Auch bei den pustulösen Formen der Psoriasis, insbesondere auch der Acrodermatitis continua suppurativa Hallopeau, ist Ciclosporin gut wirksam (51). In einer eigenen Studie zeigte das Medikament auch bei der Psoriasis pustulosa palmoplantaris hervorragende Wirksamkeit (64). Möglicherweise ist die Einführung des Ciclosporins ein erster Schritt in eine neuartige pharmakologische Richtung. Ob neue Substanzen eine weitere Verbesserung der Nutzen-Risiko-Relation bringen werden, bleibt abzuwarten. Das Interesse konzentriert sich derzeit auf FK506 (Tacrolimnus), das in Pilotstudien eine überzeugende antipsoriatische Wirksamkeit bei Psoriasis vulgaris und arthropathica zeigte (31, 46, 52, 54). Ob das Nebenwirkungsprofil tatsächlich günstiger als bei Ciclosporin ist, bleibt abzuwarten. In Kürze werden auch die Ergebnisse der ersten europäischen multizentrischen Doppelblindstudie mit FK506 bei schwerer Psoriasis vom Plaque-Typ vorliegen. Bei dieser Doppelblindstudie konnte die Wirksamkeit der oralen Therapie mit FK506 im Vergleich zu Plazebo bestätigt werden (5). Weitere Bemühungen konzentrieren sich auf den topischen Einsatz des Medikamentes, da bei einigen Entzündungsmodellen der Haut FK506 in topischer Form wirksam war (17, 19).
Bei Untersuchungen zum Wirkmechanismus konnte gezeigt werden, daß IL-8 und sein Rezeptor in der psoriatischen Haut massiv überexprimiert sind, wobei FK506 einen inhibierenden Effekt sowohl auf die IL-8- als auch auf die IL-8-Rezeptor-Expression aufweist (33). Weiterhin zeigen interessanterweise psoriatische, epidermale Läsionen eine erniedrigte Expression des negativen Zellzyklusregulators p53, wobei in vitro die Behandlung mit FK506 zu einer Induktion von p53 auf der mRNA- und Proteinebene führt. Es konnte somit eine inverse Regulation von IL-8 und p53 durch FK506 nachgewiesen werden (53, 54).


Zukunftsperspektiven
Neben den geschilderten Therapieprinzipien befinden sich neue Substanzen in der Entwicklung beziehungsweise im Stadium der klinischen Testung. Dazu gehören beispielsweise Leflunomid und Liarazol als neuartige pharmakologische Prinzipien.
Leflunomid hemmt sehr effektiv sowohl die mitogen- als auch die antigenstimulierte Induktion von T-Zellen und hat bislang gute experimentelle Wirksamkeit in der Behandlung rheumatoider Erkrankungen gezeigt. Liazarol ist ein tumorprotektives Medikament, das die Metabolisierung von Retinsäuren hemmt. Große Hoffnungen müssen jedoch in die Fortschritte der Grundlagenforschung gesetzt werden. Hier ist zu erwarten, daß molekularbiologische Techniken, die zur Aufklärung der Pathogenese vieler Krankheiten in den letzten Jahren geführt haben, auch auf dem Gebiet der entzündlichen Dermatosen neue pathophysiologische Einblicke gewähren werden. So wurde kürzlich eine sehr deutliche Überexpression des Enzyms induzierbare NOSynthase (INOS), das den Entzündungsmediator Stickoxid (NO) produziert, in psoriatischer Haut mit molekularbiologischen Methoden nachgewiesen (38). Die Identifizierung von Genen, deren Expression bei der Psoriasis aberrant verläuft, sollte neue Ansatzpunkte für eine gezielte pharmakologische Beeinflussung der Psoriasis bringen.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1996; 93: A-3188–3193
[Heft 48]
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis im Sonderdruck, anzufordern über die Verfasser.


Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Percy Lehmann
Hautklinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Postfach 10 10 07
40001 Düsseldorf

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