

Ein für Laien verständliches „Brustbuch“ gab die AOK Rheinland, Düsseldorf, heraus.
Erste Erfahrungen nach einem Jahr offenbaren Erfolge und Schwächen.
Auf Initiative der AOK Rheinland wurde vor mehr als einem Jahr
in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein das bundesweit erste Disease-Management-Programm (DMP) Brustkrebs gestartet. Beteiligt ist auch die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. (KGNW). Ziel des inzwischen erfolgreich laufenden Programms Brustkrebs war es, die Qualität des Behandlungsprozesses durch leitliniengestützte und evidenzbasierte Vorgaben, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und durch eine Vernetzung des ambulanten und stationären Bereichs zu verbessern.
Eine erste Auswertung der bisherigen Erfahrungen hat jetzt die AOK Rheinland aufbereitet, versehen mit Vorschlägen zur Verbesserung an den Stellen, wo es ihrer Ansicht nach noch hakt. Festzustellen sei eine wachsende Akzeptanz des Programms. Zurzeit nehmen 932 von 1 384 Vertragsgynäkologen am DMP Brustkrebs teil. Diese haben ein Fortbildungs-Curriculum absolviert und nehmen an der Qualitätszirkelarbeit in Kooperation mit den Brustkrebsschwerpunkten teil. Inzwischen gibt es im Rheinland 39 zertifizierte Brustkrebsschwerpunkte. Dabei handelt es sich um Krankenhäuser oder Brustkrebsbehandlungsschwerpunkte, aber auch um Kooperationen mehrerer Institutionen, sodass 69 von 124 derzeit brustoperierenden Krankenhäusern am DMP Brustkrebs beteiligt sind.
Nach dem Vertrag müssen die Brustkrebszentren eine Mindestfrequenz von 150 beziehungsweise bei Kooperationen von 100 Erstoperationen pro Jahr nachweisen, um teilnehmen zu können. Aus der Sicht der AOK Rheinland war dieser Konzentrationsprozess vor allem unter Qualitätsgesichtspunkten notwendig.
Bisher haben sich rund 9 500 Frauen am DMP Brustkrebs beteiligt. Wie der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland, Wilfried Jacobs, dem Deutschen Ärzteblatt gegenüber erklärte, sind noch nicht sämtliche interessierte und betroffene Patientinnen mit dem Reglement des Behandlungsprozessablaufs vertraut. Das Programm erfordere eine aktive Beteiligung und ein reges Interesse der Frauen. Die AOK Rheinland habe in einer telefonischen Stichproben-befragung die Sorgen, Nöte und Informationslücken der beteiligten Krankenversicherten ermittelt. In der Regel werde die Bedeutung des DMP Brustkrebs bejaht.
Mit der Frauenselbsthilfe nach Krebs Nordrhein-Westfalen e.V. würden – dem Vertrag gemäß – die Umsetzungsprobleme und Schwierigkeiten abgeklärt, um auch den in das Programm eingeschalteten Vertragsgynäkologen zusätzliche Hinweise geben zu können. Es sei Absicht der beteiligten Krankenkassen, durch den Programm begleitenden Fachbeirat und Qualitätszirkel das Qualitätssicherungsprogramm konsequent umzusetzen.
Die derzeitige Diagnosesicherung, die nach den Programmvorgaben möglichst ambulant ohne stationäre Einweisung stattfinden soll, wird oftmals in Form einer offenen Biopsie durchgeführt. Nach der Einschätzung der AOK Rheinland wird dadurch die Möglichkeit, betroffene Frauen frühzeitig gezielt zu beraten und den Behandlungsprozess durch den niedergelassenen Gynäkologen aktiv zu steuern, infrage gestellt, weil eine frühzeitige Einschreibung in das Disease-Management-Programm bereits vor der Operation in der Regel nicht erfolgt. Die AOK bemängelt, dass die Brustkrebsschwerpunkte und die Fachärzte einzelne Vertragsinhalte noch nicht konsequent qualitätsgesichert umsetzen.
Nach Feststellungen der AOK Rheinland findet in den Schwerpunktversorgungszentren nicht das Chefarztgespräch am Aufnahmetag statt, wie es im Vertrag vorgesehen ist. Auch gibt es nicht überall Tumorkonferenzen unter Beteiligung der niedergelassenen DMP-Gynäkologen, und es hapert auch noch mit einer zügigen Ausfertigung der Entlassungsberichte. Deshalb fehlt oftmals die Basis für die weitere Behandlung und Begleitung. Die Ortskrankenkasse ist bestrebt, den Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten zu begrenzen.
Die AOK Rheinland gibt ein spezielles „Brustbuch“ heraus, in dem die eingeschriebenen Patientinnen umfassende Informationen erhalten. Zuständig ist die Servicestelle Neuss, in der ein multidisziplinäres Expertenteam, dem ausschließlich Frauen angehören, die Versicherten telefonisch und auf Wunsch auch persönlich informieren. Absicht ist es, die Zuzahlungen für jene Teilnehmerinnen zu ermäßigen, die sich einschreiben und aktiv teilnehmen.
Das Land Nordrhein-Westfalen beabsichtigt, auch die Behandlungsprogramme Brustkrebs und die Brustkrebszentren im Krankenhaus in die Landeskrankenhausplanung aufzunehmen. Die Zahl der Zentren je Landesteil (Rheinland/Westfalen-Lippe) soll auf etwa 25 Zentren begrenzt werden. Die Krankenhäuser müssen sich Zer-
tifizierungs- und Rezertifizierungsprozeduren unterziehen. Die Krankenkassen, an erster Stelle die AOK Rheinland, haben bereits erklärt, die neuen, mit dem GKV-Modernisierungsgesetz seit Januar 2004 eingeräumten Möglichkeiten einer flexiblen Vertragsgestaltung, beispielsweise über Abschlüsse integrierender Versorgungsverträge, nutzen zu wollen. Dr. rer. pol. Harald Clade
Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. (KGNW), Düsseldorf, ist im September 2003 als Mitgesellschafterin der „Nordrheinischen Arbeitsgemeinschaft Disease-Management-Programme GbR“ und der „Nordrheinischen Gemeinsamen Einrichtung Disease-Management-Programme GbR“ beigetreten. In Westfalen-Lippe konnte mit den Verbänden der Krankenkassen eine Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Umsetzung von DMP mit der KGNW abgeschlossen werden, durch die die Krankenhäuser dem Disease-Management-Programm Brustkrebs beitreten konnten.
Im Zuge weiterer DMP ist die Krankenhausgesellschaft beim DMP Koronare Herzkrankheiten (KHK) vorangegangen.
Bei der Umsetzung des DMP Brustkrebs und der Auswahl hat die KGNW sich für ein transparentes Bewerbungsverfahren und gegen eine willkürliche Auswahl der Krankenhäuser ausgesprochen. Für die Krankenhausgesellschaft sind medizinische Fachkompetenz, Managementerfahrung sowie räumliche und technische Infrastruktur des Krankenhauses unverzichtbar. Mit 70 bis 80 Prozent der Diagnostik- und Therapieabläufe liege bei dem DMP Brustkrebs die Kernkompetenz eindeutig bei den Krankenhäusern. Eine Konzentration von Teilen des Versorgungsprozesses am Krankenhaus oder an anderen, vergleichbar spezialisierten Behandlungszentren ist deshalb nach Meinung der Krankenhausträger sinnvoll. Bereits vor der Umsetzung des DMP Brustkrebs hatte das nordrhein-westfälische Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie in der Konzertierten Aktion gegen Brustkrebs am 31. Juli 2002 die im Konsens erarbeiteten Rahmenbedingungen für eine Anerkennung als Brustzentrum veröffentlicht. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Verhandlungen war, dass das Krankenhaus auch weiterhin den Mittelpunkt bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen darstellt, um den sich auch weitere Krankenhäuser/Institutionen gruppieren (kooperatives Brustzentrum). Die KGNW hat ihre Krankenhäuser motiviert, parallel zu den DMP im Rahmen des geltenden Krankenhausplanungsrechts im Sinne des Verfahrens nach dem Landeskrankenhausgesetz
(§ 16) zügig Anträge zur Anerkennung als Brustzentrum zu stellen.
Die KGNW setzt sich dafür ein, den Verbleib der zugelassenen DMP-Krankenhäuser zu gewährleisten.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.