NACHRICHTEN
Postpartale Depression: Immer noch tabuisiert
PP 3, Ausgabe Juli 2004, Seite 301


Hilfe für erkrankte Wöchnerinnen
Zehn bis 20 Prozent aller Wöchnerinnen erkranken im Wochenbett an einer leichten bis schweren Depression, ein bis drei von 1 000 Frauen an der schwersten Form der Wochenbettpsychose“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Hartmann vom Zentrum für Soziale Psychiatrie (ZSP), Heppenheim, bei der Fachtagung „Psychiatrische Wochenbetterkrankungen“, die das ZSP zusammen mit dem Bund Deutscher Hebammen veranstaltete. In Heppenheim gibt es eine Mutter- und Kind-Station für Frauen mit psychiatrischen Erkrankungen.
Psychische Erkrankungen im Wochenbett sind gesellschaftlich stark tabuisiert. Die betroffenen Frauen stehen unter erheblichem Leidensdruck und brauchen schnell angemessene Hilfe. Medikamentöse Unterstützung kann hilfreich sein. Auch Psychotherapie und der Kontakt zu Selbsthilfegruppen hilft den Betroffenen weiter.
Die Psychologin Colette Mergeay, Bremen, weist darauf hin, dass die Zeit nach der Geburt eines Kindes nicht heißt „alles wie früher, nur eben mit Baby“. Das Wochenbett ist der Beginn einer neuen Familie, in der die Beziehungen neu definiert werden müssten. Der Säugling sei „ein Tragling“ und lebensnotwendig auf die enge Bindung zu seiner Mutter angewiesen. In unserer Kultur herrsche aber große Angst vor enger Bindung. Doch nur mit einer guten Bindung sei auch eine gute Lösung möglich. „Wir müssen die Mütter bemuttern, familiär und gesellschaftlich, damit sie sich ganz auf ihre Kinder einlassen können“, schlägt Mergeay vor.
Bei „Schatten und Licht – Krise nach der Geburt e.V.“, einer bundesweiten Selbsthilfe-Organisation bei postpartaler Depression und Psychose können sich betroffene Frauen informieren und auch Kontakt mit anderen Frauen aufnehmen (www.schatten-und-licht.de). PB
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