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BRIEFE

Psychoanalyse: Wichtiger Beitrag

PP 3, Ausgabe Juli 2004, Seite 315

Kaegelmann, Hans

Zu dem Beitrag „Das Unbehagen für kritische Aufklärung nutzen“ von Prof. Dr. med. Dr. phil. Horst-Eberhard Richter in Heft 6/2004:
Das ist ein wichtiger Beitrag eines politisch engagierten Psychoanalytikers. Seit vielen Jahren sucht Horst-Eberhard Richter den Spannungsbogen zwischen der weitgehend unpolitisch sich gebenden Psychoanalyse und der leider noch immer kleinen Gruppe gesellschaftlich engagierter Analytiker aufrechtzuerhalten. Es gelang ihm damit, Politiker und Öffentlichkeit zu mobilisieren. Auch ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat mir während meiner psychoanalytischen Ausbildung in den 60er- und 70er-Jahren geholfen, die unzureichende Behandlung und Betreuung psychiatrischer Patienten als sozialpolitische Aufgabe zu sehen und die Gemeindeorientierung sowie die Aufarbeitung der Naziverbrechen und die Betreuung ihrer Opfer wahrzunehmen. Hierbei lernte ich schließlich, vor allem in der Therapie von psychotischen Patienten sowie von Folteropfern und sterbenden Patienten, dass neben der Übertragung und Aufarbeitung emotionaler Beziehungsblockaden sinnlich-resonante Übertragungsprozesse partnerschaftliche Gesprächsformen ermöglicht werden, mit denen beziehungsübergreifende soziokulturelle Problembereiche bewegt werden können.
Prof. Dr. med. Alfred Drees,
Friedrich-Ebert-Straße 26, 47799 Krefeld

Ambivalenz seit Freud
Horst-Eberhard Richter beklagt die ambivalente Haltung der Psychoanalytiker zur Politik und plädiert für Nutzung der Psychoanalyse für Politik. Die ambivalente Haltung führt er auf unzureichende Konsequenz der Psychoanalytiker zurück. Die ambivalente Haltung ist jedoch nicht erst das Ergebnis hinsichtlich Politik nicht zureichender Psychoanalytiker, sondern induzierte bereits der Initiator der Psychoanalyse, Freud, selbst. In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde an geistig führende Persönlichkeiten die Frage nach ihrem Verhältnis zum Krieg gerichtet, mit der Absicht, eine prominente Ächtung des Krieges zu erreichen. Fast alle, darunter auch Einstein, antworteten positiv: gegen Krieg. Als einziger machte Freud eine Ausnahme. Er gab an, sich nicht äußern zu können, da er Psychoanalytiker und nicht Politiker sei.
Hans Kaegelmann, Hurster Straße 2, 51750 Windeck
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