Persönlichkeitsstörung: An Grenzen gestoßen
Babette Renneberg (Hrsg.): Borderline Persönlichkeitsstörung. Pabst Science Publishers, Lengerich u. a., 2003, 124 Seiten, kartoniert, 20 €
Ein Reader mit diesem Titel muss sich mit den Büchern von Kernberg, Rohde-Dachser oder Linehan messen lassen und weckt beim Leser hohe Erwartungen. Diese werden zuallererst durch den Eindruck einer „Mogelpackung“ enttäuscht: So handelt es sich bei dem neuen Buch um einen unbearbeiteten Nachdruck des Themenhefts 3/2003 der Zeitschrift „Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin“ inklusive der mit Seitenzahl 267 beginnenden Zählung und aller in der Zeitschrift geschalteten Anzeigen. Es ist aber auch inhaltlich eine Sammlung unvermittelt nebeneinander gestellter und kaum aufeinander bezogener Zeitschriftenbeiträge.
Die Reihung der Beiträge wirkt eher zufällig: Würde man ätiologische Überlegungen eher zu Beginn und einen Beitrag über Supervisionskonzepte eher am Ende erwarten, geschieht dies hier fast umgekehrt: Den Beginn macht ein Beitrag zur stationären Behandlung, gefolgt von der Darstellung eines Behandlungsnetzwerks in der ambulanten Therapie und einem Artikel über Supervision. Soziale Kompetenz, ätiologische Faktoren und diagnostische Überlegungen zu Patienten im Kindes- und Jugendalter runden das Themenheft ab. Versorgungspolitisch interessant ist die Darstellung des Darmstädter Netzwerks, auch wenn dies offensichtlich ein mit dem MDK ausgehandelter Pilotversuch ist, dessen Finanzierung noch nicht gesichert erscheint. Die dort berichteten Erfolge machen Mut für die Einführung innovativer ambulanter Modelle. Auch zur Supervision werden lesenswerte Überlegungen angestellt – hier gewinnt man den Eindruck, den andere Beiträge im Themenheft oft vermissen lassen: Dass ein Blick über den Tellerrand der eigenen therapeutischen Ausbildung bei einem solchen Störungsbild unabdingbar ist. Hier stößt der Reader an seine Grenzen. Somit ist schwer zu erklären, dass im Band weder Kernberg noch Konzepte der frühen Störung, geschweige denn eine Auseinandersetzung mit der nicht unumstrittenen diagnostischen Kategorie der Borderline-Persönlichkeitsstörung rezipiert und thematisiert werden. Michael Broda
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