12 Artikel im Heft, Seite 6 von 12

Supplement: Reisemagazin

Vietnam: Auf kaiserlichen Spuren

Dtsch Arztebl 2004; 101(42): [4]

Berg, Detlef

Die Kaiserstadt von Hue wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet und der „Verbotenen Stadt“ in Peking nachempfunden.
Tempel, Paläste und Sandstrände begeistern die Besucher.

D ie Hauptattraktion der alten vietnamesischen Kaiserstadt Hue ist die aus drei ineinander geschachtelten Rechtecken zusammengesetzte Stadt, die erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem Pekinger Vorbild erbaut wurde. Von 1802 bis zur Ausrufung der Republik Vietnam im Jahr 1945 residierten und regierten hier die Kaiser der Ngyen-Dynastie mit ihren Mandarinen und Konkubinen. „Wissen Sie, dass Sie hier auf kaiserlichen Spuren wandeln?“, fragt mich dann auch Bao, der
Reiseführer, als wir unseren Rundgang fortsetzen. „Der Weg durch das mittlere Tor und über die Brücke des künstlichen Sees war früher nur dem Kaiser vorbehalten, alle anderen mussten um den Teich herumgehen. Die religiösen Zeremonien fanden im Hof der Riten vor der Halle der Höchsten Harmonie statt. Hunderte von Menschen mit ihren prächtigen und farbenfrohen Seidenroben und den viereckigen Kopfbedeckungen nahmen getrennt nach Militärs und Zivilisten Aufstellung. Alle mussten auf den Steinfliesen vor dem Herrscher den Kotau ausführen: sich lang ausgestreckt auf den Boden werfen.“
Kaum ein asiatisches Land bietet so viele unberührte Sandstrände wie Vietnam. Links: Räucherspiralen werden als Mückenschutz verkauft.
Noch sind die Schäden der letzten Kriege gegen die Franzosen und später die Amerikaner nicht zu übersehen, aber das, was schon wieder aufgebaut wurde, ist im wahrsten Sinn des Wortes majestätisch schön.
Thien-Mu-Pagode
Von den Kriegswirren unversehrt geblieben ist die ThienMu-Pagode. Am nächsten Morgen treiben wir mit einem Sampan gemächlich den Fluss hinunter zu dieser schönsten Pagode Vietnams. Schon ihre Lage hoch über dem Ufer beeindruckt. Eine breite Treppenanlage führt hinauf zum filigranen Bauwerk, das aus sieben übereinander liegenden Achtecken besteht, die jeweils eine Reinkarnation Buddhas symbolisieren. Vom Hügel ergibt sich eine spektakuläre Aussicht über den Fluss der Wohlgerüche und das weite Tal mit seinen Königsgräbern. Die Klosteranlage wird heute von Mönchen bewirtschaftet. In einer Garage steht ein alter Austin: In diesem Auto ließ sich 1963 ein Mönch nach Saigon fahren, um sich dort aus Protest gegen die Buddhistenverfolgung des erzkatholischen Diktators Diem selbst zu verbrennen.
Auf der Fahrt in Richtung Süden laden kilometerlange Sandstrände zu einer Badepause ein, und wer Hunger hat, lässt sich in einem der kleinen Dörfer einen Fisch zubereiten. Landschaftlich exponiert auf der Nationalstraße Nummer 1, die Hanoi im Norden mit Saigon im Süden verbindet, ist der Wolkenpass. Nur im Schneckentempo kriechen die zumeist hoffnungslos überladenen LKWs auf der kurvenreichen Strecke bis auf die Passhöhe. Oben weht ein kühler Wind, der zumeist faszinierende Wolkengebirge vor sich hertreibt. Das Panorama vom 496 Meter hohen Pass erstreckt sich von über tausend Meter hohen Bergspitzen über sattgrüne Reisfelder und tropischen Urwald bis hin zum helltürkisen Meer.
Cham-Museum
Das Wahrzeichen von Hue: die Thien-Mu-Pagode Fotos: Detlef Berg
In Danang, bekannt vor allem durch den legendären China Beach, den schon surfende GIs während des Vietnamkriegs zum Wellenreiten nutzten, lohnt ein Besuch im Cham-Museum. Es zeigt eine der schönsten Sammlungen alter Kunst in Südostasien. Die Cham, die „Urbevölkerung“ Zentralvietnams, wurden vor allem von ihren Nachbarn, den Khmer, beeinflusst. Deshalb weist ihre Kunst die gleiche exotische Verknüpfung hinduistischer, buddhistischer und javanesischer Einflüsse auf: Szenen mit wohlgeformten Tänzerinnen, Kampfwagen mit Kriegern, Löwen und Elefanten, die mythischen Vogelmenschen und Bildnisse der hinduistischen Gottheiten Shiva, Vishnu und Ganesh. Über-
reste der ehemaligen Cham-Hauptstadt My Son, rund 60 Kilometer südwestlich von Danang, zeugen von der hohen Kultur dieses Volkes. Das abgelegene und von hohen Bergen umkränzte Tal hatte für die Cham dieselbe Bedeutung wie Angkor für die Khmer, auch wenn es nie die Ausmaße und Pracht der Hauptstadt ihrer westlichen Nachbarn erreichte. Vom vierten bis zum 13. Jahrhundert entstanden unzählige Tempel, zunächst aus Holz, später aus Stein. Mit einer ausgefeilten Technik wurden die Bauten aus getrockneten Ziegeln und dem Harz des Cau-Day-Baums zusammengesetzt. War ein Turm fertig, wurde ringsherum ein Feuer entfacht, das mehrere Tage brannte. Die enorme Hitze sorgte für eine Bindung und Versiegelung der Steine mit dem Harz, was die extreme Dauerhaftigkeit zur Folge hatte. Den modernen Waffen des Vietnamkriegs allerdings vermochten sie nicht zu trotzen. Von rund 70 Bauten sind deshalb heute nur noch 20 gut erhalten. Seit einigen Jahren wird mit Unterstützung der UNESCO an der Restaurierung der Tempelstadt gearbeitet.
Foto: Erika Amann
Zeit nehmen sollte man sich auch für Hoi An, das dritte Weltkulturerbe der Region. Das einstige Hafenstädtchen Faifo war jahrhundertelang
einer der wichtigsten Seehäfen Südostasiens. Im Thu-Bo-Fluss ankerten Segelschiffe aus China, Japan, Indien und Europa. Chinesische und japanische Händler siedelten sich hier an, ließen Tempel, Pagoden und holzverzierte Häuser errichten. Der Fluss versandete im späten 18. Jahrhundert; Hoi An versank im Dornröschenschlaf. Heute ist die Stadt ein Stück unzerstörte Geschichte in einem Land, in dem Kriege so viel vernichteten. Viele der zumeist einstöckigen Häuser sind schon renoviert, andere verströmen mit ihren bröckelnden Fassaden einen morbiden Charme. Fast mediterran wirkt Hoi An in der Abenddämmerung. Die kleinen Restaurants und Straßencafés sind überfüllt. Serviert werden landestypische Spezialitäten, zum Beispiel Huhn in Zitronenblättern oder Cao Lau, eine Suppe mit Croûtons und Gemüse, garniert mit einigen Scheiben Schweinefleisch und zerbröseltem Reispapier. Dazu gibt es „Saigon“, ein gutes vietnamesisches Bier.
Nha Trang, knapp 400 Kilometer weiter südlich gelegen, ist der schönste Badeort Vietnams. Mild ist das Klima, weiß der kilometerlange Sandstrand, türkisfarben das Südchinesische Meer. Einziges Hotel mit Strandzugang ist das luxuriöse Ana Mandara. Der Service und die lichte Bauweise haben dem zu den Designhotels gehörenden Ana Mandara zahlreiche Auszeichnungen eingebracht und eine ganze Reihe prominenter Gäste beschert. Seit März dieses Jahres verfügt das aus 22 Villen bestehende Resort auch über ein modernes Six Senses Spa. Detlef Berg

Reise-Tipps
Anreise: Singapore Airlines fliegt über Singapur sowohl nach Hanoi als auch nach Ho-chi-Minh-City. Preise um 1 000 Euro, viele Angebote. Für die Einreise werden ein noch mindestens sechs Monate gültiger Pass sowie ein Visum benötigt. Das Visum wird durch den Reiseveranstalter besorgt oder bei der vietnamesischen Botschaft in Berlin beantragt. Es kostet 25 US-Dollar.
Klima und Reisezeit: Das Land liegt in der subtropischen bis tropischen Klimazone, trotzdem reichen die Klimazonen vom kühlen Winter im Norden bis zur ganzjährigen Wärme des Mekong-Deltas. Der Südwestmonsun bringt von Ende April bis Oktober Regen.
Gesundheit: Das Tropeninstitut empfiehlt neben den üblichen Vorsorgeimpfungen (Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A) auch eine Malariaprophylaxe.
Angebote: Dertour bietet Rundreisen an, die individuell zusammengestellt werden können. Eine 15-tägige Reise kostet inkl. Flug ab/bis Deutschland ab 1 691 Euro.
Informationen: Vietnam-Infocenter, Maximilianallee 14, 04129 Leipzig, Telefon: 03 41/9 01 19 62, Fax: 03 41/9 01 19 68, Internet: vietnamtourism.de.
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