

Felsenlabyrinth auf der Spitzkoppe
Sie heißen Manuel und Magdalena, Israel, Iyambo und Victoria – an ihren Namen ist die Herkunft nicht abzulesen. Damara oder Herero? Nama oder Ovambo? Nicht einmal die Klick- und Schnalzlaute, die sich in mehrere Sprachen mischen, lassen erkennen, welchem Volk Namibias er oder sie angehört. Zum Glück können sie es uns in Englisch sagen, manchmal sogar in Deutsch. So lernen wir nicht nur die einheimischen Tour-Guides und ihre „Community“ kennen, sondern auch viele, oft überraschende Kostbarkeiten der namibischen Natur und Kultur.
Wir sind auf einer Tour durch Namibia. Individuell geplant, führt sie zu Gebieten, die abseits der Hauptrouten liegen. Wir wollen den „Community Based Tourism“ kennen lernen – und damit die schwarze Bevölkerung Namibias, ihre Traditionen und Eigenheiten.
Die Felsenlandschaft an der Spitzkoppe, unser erstes Ziel, ist von Windhoek aus in wenigen Stunden zu erreichen. Von der Hauptstrecke nach Swakopmund am Atlantik zweigt kurz hinter Usakos die ungeteerte Pad ab. Nur einzelne Farmhäuser erinnern noch an menschliche Existenz in der kargen, steinigen Ebene. Am Horizont tauchen die ersten Erhebungen auf. Spitzkoppe? Der Berg, der seinem Namen alle Ehre macht, gibt sich erst zu erkennen, wenn man direkt auf ihn zufährt. Dann plötzlich zeigt er sich in seiner ganzen Schönheit.
Bergkristall als Souvenir
Die Kamera ist noch nicht im Anschlag, da löst sich jemand von einer nahen Behausung: Eine ältere Frau läuft auf uns zu, winkend, ängstlich, wir könnten gleich weiterfahren. Halbedelsteine will sie verkaufen. Auf einem Tischchen liegen Bergkristalle, Amethysten und anderes buntes Gestein. „Aus dem Erongo-Gebirge“, sagt sie in gebrochenem Deutsch. Ihre Augen flehen uns an, etwas zu kaufen; die Nebensaison scheint nicht viel Umsatz zu bringen. Wir nehmen ein paar Souvenirs mit.
Wenig später fahren wir in die kleine Spitzkoppe-Community. Das Restcamp liegt außerhalb, direkt am Fuß von Spitzkoppe und Pontox, einem benachbarten Granitkoloss, der mehrere Spitzen aufweist. Im warmen Licht des Spätnachmittags breitet sich eine gigantische Steinkulisse vor uns aus – mit riesigen Skulpturen, von der Natur gemeißelt, glatt geschliffenen Mammutfelsen und sogar einigen weit gestreckten Felsenbrücken, durch Erosion gebildet. Zwischen dem rötlich leuchtenden Gestein wuchern Bäume und Sträucher, darunter Raritäten wie der dickstämmige, an einen Köcherbaum erinnernde „Butterbaum“ (Cyphostemma juttae).
Viele Sträucher tragen unscheinbare, aber schmackhafte Früchte. Riaan, der 25-jährige Manager des Camps, zeigt sie uns – und er warnt: „Nicht schlucken, nur aussaugen. Sonst gibt’s Verdauungsprobleme!“ Riaan führt uns auch zu verborgenen Schätzen: Felszeichnungen, die vor vier- bis achttausend Jahren entstanden sind, dann die „Schlangenhöhle“, die ihren Namen einer weiteren gut erhaltenen Zeichnung verdankt. Wir klettern mit ihm zu Aussichtspunkten und entdecken winzige Wasserschildkröten in einem großen Rock-Pool.
Die Stellplätze liegen meilenweit auseinander, über ein Terrain von 270 Quadratkilometern verteilt. Hier versteckt in einer Schlucht, dort zwischen Felsformationen oder auf einem kleinen Plateau, das einen Sonnenuntergang erleben lässt. Danach werden wir im pinkfarbenen Spitzkoppe-Restaurant von Christine und Victoria verwöhnt, die uns
ein Hühnchen nach Damara-Art zubereiten. Riaan erzählt von Klettertouren auf die Spitzkoppe, die er auch schon einmal in nur drei Stunden bezwingt, und von Fahrten im – für diese Region typischen – Eselskarren.
Vom Felsen- zum Fluss-bett-Paradies: Im Ugab Wilderness Camp, nur zwei Auto-stunden weiter nördlich, erleben wir eine völlig andere Welt: hohe, von Nashornvö-geln bevölkerte Kameldornbäume, die im weichen Sand des Ugab-Tals wurzeln – dazwischen hellgrüne Salvadora-Sträucher. Das Brandberg-Massiv liegt vor uns.

Nesterkolonie der Webervögel
Fotos: Namibia Tourism Board
Durch das lang gestreckte, grüne Ugab-Valley wandern ein paar Wüstenelefanten. Sie stampfen auch schon einmal mitten durch das Wilderness Camp – was aber niemanden stört. Hier herrscht eine friedliche Atmosphäre. Iyambo, der Camp-Manager, gibt uns Tipps für die Umgebung und organisiert für den Abend ein Dinner. Gekocht wird es von Ellis, der „Madala“ genannt wird. Was das heißt, wollen wir von Iyambo wissen. Der antwortet: „Old man.“
Berühmte Felszeichnung
Das Ugab Wilderness Camp ist ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen rund um den Brandberg. Etwa 20 Minuten dauert die Fahrt über Schotterpisten zu den Daureb Mountain Guides. „Daureb“ ist die Damara-Bezeichnung für „Brandberg“. Die mehr als 20 Bergführer aus der Tsiseb Community sind für ihre Tätigkeit sehr gut ausgebildet. Ihr Angebot reicht vom etwa zweistündigen Trip zur „White Lady“, der berühmtesten Felszeichnung Namibias, bis zur mehrtägigen Wanderung auf den höchsten Gipfel des Landes, den rund 2 500 Meter hohen Königstein.
Mit Guide Manuel erforschen wir auf einer drei Stunden dauernden Tour Geologie, Flora und Fauna der Region. Wir lernen 130 Millionen Jahre alte Gesteinsarten kennen, begegnen der orangefarbenen leuchtenden Felsenagame, einer Echse, und zucken beim Anblick einer kleinen, aber Respekt heischenden Grasschlange zusammen. Der Duft wilder Feigen begleitet uns auf dem steinigen Weg zur „White Lady“. Auf dem Sandboden hoch gelegener Höhlen, entdecken wir Spuren von Leoparden. Manuel beruhigt uns: „Die Raubkatzen sind Nachtjäger.“ Zurück im Camp treffen wir auf einen Deutschen, der mit dem Norden Namibias wohl vertraut ist: Peter aus Mecklenburg-Vorpommern erzählt uns vom Ongongo-Wasserfall im gleichnamigen Canyon – und vom kristallklaren Wasser des dortigen Felsenpools. Die Vorstellung von einem kühlen Bad bei mehr als 32 Grad Celsius trockener Hitze lässt uns die Routenplanung ändern. Peter Birkenmaier
Reise-Tipps
Flugzeit: Frankfurt–Windhoek circa 9,5 Stunden mit Air Namibia; maximal eine Stunde Zeitdifferenz.
Reisezeit: Ganzjährig, Vorteile in der Nebensaison November bis Mai: minimaler Verkehr, meist keine Reservierung notwendig, Nebensaison-Rabatte.
Kontakte: Namibia Tourism Board, Schillerstraße 42–44, 60313 Frankfurt am Main, Telefon: 0 69/13 37 36-0, Fax: 0 69/13 37 36-15, E-Mail: info@namibia-tourism.com; Internet: www.namibia-tourism.com.
Adressen: Air Namibia, Hessenring 32, 64546 Mörfelden-Walldorf, Telefon: 0 61 05/20 60 30, Fax: 0 61 05/20 60 38, E-Mail: info@airnamibia.de, Internet: www. airnamibia.de; Olympia-Reisen Namibia Ltd., P. O. Box 5017, Windhoek/Namibia, Telefon: 0 22 93/ 91 28 10, Internet: www.namibia-tra vel.com; Namibia Community Based Tourism Association (NACOBTA), Windhoek, Namibia, Telefon: 0 02 64-61-25 05 58, Fax: 0 02 64-61-22 26 47,E-Mail: office. nacobta@iway.na; Internet: www. nacobta.com.na.
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