THEMEN DER ZEIT: Diskussion
„Kriegskinder im Alter“ – Bei Diagnose historisch denken: Ohne Empathie kein analytisch-wissenschaftliches Verständnis
Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2802


. . . Der von den Westalliierten der Sowjetunion unter Stalin zugestandene Einmarsch in Berlin sowie die Zeitspanne nach der Kapitulation bzw. der „Befreiung“ durch die Sowjetarmee brachte unermessliches Leid über die Kinder dieser Stadt und über die Bevölkerung des gesamten „Ostens“ von Deutschland. Sinnlose Erschießungen der Großväter im Kreise der Familien (Väter waren kaum noch vorhanden), aber insbesondere brutale Vergewaltigungen und Tötungen der Mütter vor den Augen ihrer Kinder können bis zum heutigen Tage von den Beteiligten nicht vergessen (d. h. in fachpsychologischer Ausdrucksweise nicht „verarbeitet“) werden . . .
Die einseitige und sehr fachbezogene psychoanalytische Betrachtungsweise wird den vielschichtigen historischen Geschehnissen sicher nicht gerecht. Denn die Folgeerscheinungen nach diesen Erlebnissen sind bei dem betroffenen Personenkreis zwar noch heute erkennbar, entziehen sich aber ohne empathischen Denkansatz dem analytisch-wissenschaftlichen Verständnis nachfolgender Generationen . . .
Eva und Dr. Hanns-J. Stolowsky,
Max-Eyth-Straße 10 b, 14195 Berlin-Dahlem
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.