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Supplement: Reisemagazin

Reiseberatung/Impfen: Individuelle Ratschläge

Dtsch Arztebl 2004; 101(42): [15]

Ley, Sigrid; Arndt, Ute

Eine gute Reiseberatung kostet Zeit. Der Impfstatus und – bei Fern- und vor allem Trekkingreisen – die gesundheitliche Verfassung des Reisenden, das Reiseziel (für die Empfehlung der adäquaten Malariaprophylaxe nicht nur das Reiseland, sondern auch die Region), Reisezeit und -dauer müssen berücksichtigt werden. Die Reiseberatung kann als IGeL-Leistung abgerechnet werden, ebenso wie die notwendigen Impfungen. Alle Reiseimpfungen müssen vom Reisenden selbst bezahlt werden, sie werden nicht von Krankenkassen übernommen.
Hepatitis A
Die Impfung gegen Hepatitis A wird für Reisende in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Prävalenz empfohlen. Das sind zum Beispiel die Mittelmeeranrainerstaaten, Subtropen und Tropen. Neben monovalenten Impfstoffen für Erwachsene und Kinder gibt es auch Kombinationsimpfstoffe gegen Hepatitis A und B und gegen Hepatitis A und Typhus. Der monovalente Hepatitis-A-Impfstoff braucht nur zweimal geimpft zu werden, um für etwa zehn Jahre zu schützen: Die erste Impfung sollte spätestens zwei Wochen vor der Abreise erfolgen und die zweite frühestens sechs Monate darauf.
Hepatitis B
Gegen Hepatitis B sollen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) Reisende in Regionen mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz bei längeren Aufenthalten oder zu erwartenden engen Kontakten zur einheimischen Bevölkerung geimpft werden. Bei der Beratung sollte auf den sexuellen Übertragungsweg und auf das Infektionsrisiko bei engem Zusammenleben mit HBsAg-Positiven innerhalb der Familie oder in einer engeren Lebensgemeinschaft hingewiesen werden. Hohe Hepatitis-B-Prävalenzen finden sich vor allem in Asien und Afrika, aber auch im Norden Südamerikas und in Südosteuropa. Es stehen monovalente Impfstoffe sowie ein Hepatitis-A-B-Kombinationsimpfstoff zur Verfügung, wenn ein Schutz vor beiden Erkrankungen indiziert ist.
Gelbfieber
Gelbfieber tritt in tropischen und subtropischen Regionen in Afrika und Südamerika im „Gelbfiebergürtel“ auf. International wird die Impfung von Ländern, in denen Gelbfieber vorkommt oder in denen sich das Gelbfiebervirus ausbreiten kann, bei der Einreise aus einem Infektionsgebiet verlangt. Alle Reisenden, die in Gelbfieber-Regionen fahren, sollten die Impfung auch dann erhalten, wenn es nicht verlangt wird. Die Einreisebestimmungen dienen dem Schutz der Reiseländer und berücksichtigen im Allgemeinen nicht, was für den Reisenden sinnvoll ist.
Die internationale Bescheinigung über die Impfung ist zehn Jahre lang gültig, und zwar vom zehnten Tag nach der Impfung an. Bei einer erneuten Impfung innerhalb dieser Zeit wird die Bescheinigung sofort für weitere zehn Jahre gültig.
Typhus
Typhus wird zu etwa 85 Prozent aus Reiseländern eingeschleppt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts war der Spitzenreiter 2003 Indien, gefolgt von Pakistan und Sri Lanka, der Türkei, Ghana und Marokko, Afghanistan, Kamerun, Nepal und Thailand. Einzelfälle wurden in weiteren Ländern erworben, darunter Tunesien und Indonesien, aber auch
Italien und Spanien. Eine Impfung – Injektions- oder Schluck-
impfung – wird Reisenden in Endemiegebiete empfohlen. Hierzu gehören vor allem Nord- und Zentralafrika, aber auch Teile Asiens, Süd- und Mittelamerikas.
Meningokokken
Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen Meningokokken: Polysaccharid-Impfstoffe gegen die Serogruppen A, C, W135 und Y, die aber bei Kindern unter zwei Jahren nicht ausreichend wirksam sind, und Konjugat-Impstoffe gegen Serogruppe C für alle Altersgruppen ab vollendetem zweitem Lebensmonat. Die Kommission empfiehlt die Meningokokken-Impfung für Reisende in epidemische beziehungsweise hyperendemische Länder, besonders bei engem Kontakt
zur einheimischen Bevölkerung, für Entwicklungshelfer, für Aufenthalte in Regionen mit Krankheitsausbrüchen und Impfempfehlung für die einheimische Bevölkerung. Je nach Erregertyp kommen
Polysaccharid-Impfstoffe infrage, wenn ein lang anhaltender Schutz vor Serogruppe C sinnvoll ist auch Konjugat-Impfstoffe.
Tollwut
Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung sollten präexpositionell (drei Impfungen) gegen Tollwut geimpft werden. Oftmals stehen im Reiseland die hier gebräuchlichen gut verträglichen Impfstoffe noch nicht zur Verfügung.

Neutrale Informationen zu Reiseimpfungen und Malariaprophylaxe enthält das Programm des Deutschen Grünen Kreuzes (IBERA), das auf
den Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der STIKO und der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft (DTG) beruht. Die Online-Version wird ständig aktualisiert, die CD-ROM ein- bis zweimal pro Jahr. Informationen unter www.ibera-online.de.
Dr. med. Sigrid Ley,
Dr. rer. physiol. Ute Arndt,
Deutsches Grünes Kreuz e. V., Marburg


Welche Impfung/Prophylaxe für welche Reise:

Pauschalreise
- Standardimpfungen (Diphtherie, Tetanus)
- Poliomyelitis bei Reisen in Endemiegebiete in Afrika und Asien
- Hepatitis A
- Gelbfieber
- Typhus – abhängig von den Hygienebedingungen der Reise
- Meningokokken (für Aufenthalte von Schülern und Studenten in Endemiegebieten nach den Empfehlungen der Zielländer, meist Impfungen gegen Meningokokken C)
- FSME
- Für alle Reisenden ab 60 Jahre: Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken
- Malaria-Prophylaxe


Zusätzlich für Trekkingreise
- Hepatitis B
- Tollwut
- Meningokokken A, C, W135, Y
- Japanische Enzephalitis
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