THEMEN DER ZEIT: Diskussion
„Kriegskinder im Alter“ – Bei Diagnose historisch denken: Familienaufstellungen hilfreich
Dtsch Arztebl 2004; 101(42): A-2802


. . . Meine Erfahrung ist, dass die familientherapeutische Arbeit mit Familienaufstellungen für diese Menschen sehr gut zugänglich ist, da die Angst- und Hemmschwelle viel niedriger ist. In den Familienaufstellungen, die in Wochenend-Seminaren durchgeführt werden, werden szenisch mithilfe von Stellvertretern die relevanten Familienmitglieder im Raum so positioniert, dass die traumatisierende oder belastende Dynamik sicht- und spürbar wird! Und dadurch verarbeitbar. Die Stellvertreter-Methode lässt die Heftigkeit oft leichter ertragen und anschauen.
In jedem Seminar (also viel häufiger als in den Einzelsitzungen) werden Kriegsvergangenheit oder Belastungen durch die Nazi-Schuld oder Vergewaltigungen thematisiert! Gerade die Täter-Opfer-Dynamik kann dadurch zu einer Versöhnung führen. Allerdings rührt diese Arbeit damit an lange vorhandene Tabus (wie Herr Radebold ja auch bestätigt), und u. a. deshalb geriet sie ins Kreuzfeuer oft unsachlicher Kritik . . .
Dr. med. Josef Rabenbauer,
Beethovenstraße 2, 79100 Freiburg
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.