89 Artikel im Heft, Seite 43 von 89

BÜCHER

Zwischen Aufklärung, Policey und Verwaltung

Dtsch Arztebl 2004; 101(43): A-2881 / B-2438 / C-2325

Wahrig, Bettina; Sohn, Werner

Medizingeschichte
Sozialstaat
im Werden
Bettina Wahrig, Werner Sohn (Hrsg.): Zwischen Aufklärung, Policey und Verwaltung. Zur Genese des Medizinalwesens 1750–1850. Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel, Harrassowitz Verlag in Kommission, Wiesbaden, 2003, 212 Seiten, 59 €
Die entscheidenden Weichen für die Entwicklung zu einem öffentlichen Gesundheitswesen wurden im 18. Jahrhundert gestellt. Damals setzte ein Prozess ein, den man mit dem zeitgenössischen Schlagwort „medicinische Policey“ bezeichnet. Darunter verstand man obrigkeitsstaatliche Vorstellungen von einer umfassenden Daseinsfürsorge, die reglementierend in das Gesundheits- und Krankheitsverhalten der Bevölkerung eingriff. Die Hintergründe und die Auswirkungen dieses Prozesses beleuchtet ein Aufsatzband, der im ersten Teil die strukturellen und konzeptionellen Änderungen des Medizinalwesens im Zeitalter der Aufklärung untersucht. So wird etwa gezeigt, wie medizinisches Wissen, das im Prinzip für alle zugänglich war, von den Ärzten immer stärker monopolisiert wurde.
Der zweite Schwerpunkt des Bandes betrifft die Regulierung des medizinischen Marktes, auf dem zu jener Zeit zum Beispiel noch die Scharfrichter als Anbieter diverser Dienstleistungen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Außerdem wird gezeigt, wie damals das Medizinstudium reformiert wurde und erstmals Qualitätskriterien für die Abschlüsse festgelegt wurden.
Der dritte Themenschwerpunkt geht der Frage nach, wie die Menschen vor 1800 auf das recht vielfältige medizinische Angebot reagierten. Die betreffenden Beiträge gehen der Frage nach, wie das Verhältnis von staatlicher Fürsorge und Eigeninitiative in einer Zeit aussah, als der Sozialstaat sich noch im Werden befand. Robert Jütte
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