BRIEFE
Tierversuche: Zitat verfälscht
Dtsch Arztebl 2004; 101(47): A-3174 / B-2686 / C-2558


Mit großem Bedauern muss ich feststellen, dass das DÄ wiederum einen Artikel zum Thema Tierversuche veröffentlicht hat, der schon in der Überschrift und ebenso im gesamten Text die Tatsachen und die Meinung derer, die sich mit dieser Frage sachkompetent beschäftigen, auf den Kopf stellt. Ich möchte dies am Beispiel des in diesem Artikel aufgeführten Zitats der Gesellschaft Gesundheit und Forschung deutlich machen, deren Äußerung ich als deren Vorsitzender durchaus überblicke. Es ließe sich dieselbe tendenzielle Darstellung auch an den anderen Textstellen genauso nachweisen. Zitat aus dem Artikel: „Für die Gesellschaft Gesundheit und Forschung ist die fehlende Übertragbarkeit von Untersuchungsergebnissen nicht allein auf Tiere und Menschen beschränkt: ,Eine Übertragbarkeit . . . der Ergebnisse existiert nicht einmal von Mensch zu Mensch‘“.
Ich habe zwei Zitate dieses Sinns in den Verlautbarungen der Gesellschaft Gesundheit und Forschung gefunden. In beiden Fällen ist der Nachsatz weggelassen worden, der entscheidend für die Aussage zur Übertragbarkeit von Tierversuchen auf den Menschen ist. Der Nachsatz heißt im Text der Gesellschaft Gesundheit und Forschung zum Beispiel: „Bei dieser Argumentation werden die Zitate bewusst aus dem Zusammenhang gerissen; Tatsachen und Schlussfolgerungen werden von Tierversuchskritikern willkürlich vermischt. Dass es allerdings für Fachleute – unter Berücksichtigung der speziellen Eigenschaften der Spezies leicht erfassbar – eine sehr große Übereinstimmung von Phänomenen bei Mensch und Tier gibt, wird von Tierversuchs-kritikern oft unterschlagen“. Genau wie hier als Taktik der Tierversuchsgegner beschrieben, hat die Verfasserin auch das Zitat der Gesellschaft und Forschung im DÄ verfälscht: Durch Weglassen des entscheidenden Teils wird ein Zitat, das Tierversuche rechtfertigt, im DÄ in ein Zitat gegen Tierversuche umgewandelt.
Prof. Dr. med. Wolfgang Kuschinsky,
Institut für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 326, 69120 Heidelberg
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