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Die ältesten Dokumente über Rachitis in Originalfassung und Übersetzung
Dtsch Arztebl 2004; 101(47): A-3180 / B-2690 / C-2563


Medizingeschichte: De Rachitide
Heinrich Schmidt Gayk, Labor Limbach (Hrsg.): Die ältesten Dokumente über Rachitis in Originalfassung und Übersetzung. Verlag Klinisches Labor GmbH, Heidelberg, 2004, 496 Seiten, 49 €
Die erste genaue Beschreibung der Vitaminmangelkrankheit Rachitis stammt von dem englischen Arzt und Anatomen Francis Glisson (1597–1677), der 1650 sein berühmtes Werk „De Rachitide“ veröffentlichte und damit einer bis dahin weitgehend unbekannten Krankheit einen lateinischen Namen gab.
Wenngleich diese gefürchtete Krankheit inzwischen kaum Opfer unter Kindern und Jugendlichen fordert, so ist die unzureichende Versorgung mit Vitamin D auch heute noch ein Thema, und zwar in der Geriatrie. Insofern macht es durchaus Sinn, einen medizinhistorischen Klassiker in lateinischer Originalfassung und in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen, wobei die Herausgeber dankenswerterweise auch noch eine weitere Schrift aus dem Lateinischen ins Deutsche haben übersetzen lassen, und zwar Daniel Whistlers Abhandlung „De Morbo puerili Anglorum“ von 1645.
Beide Autoren wussten zwar noch nichts über die uns heute bekannten Ursachen der Rachitis, bemerkten aber immerhin bereits, dass ein Aufenthalt im Freien (UV-B-Lichtexposition) sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Besondere Aufmerksamkeit verdienen aber nicht die uns aus heutiger Sicht oft kurios oder obskur erscheinenden Therapievorschläge, sondern die recht genaue Beschreibung der Symptomatik: Veränderung am Skelett („rachitischer Rosenkranz“, „Hühnerbrust“) und die bei Rachitis auftretende Muskelschwäche. Auch die Muskelschwäche bei älteren Menschen, die ans Bett gefesselt waren („bedridden“), war Glisson bereits bekannt. Interessant sind auch die wortgeschichtlichen Ausführungen des Londoner Arztes zur englischen Bezeichnung für Rachitis (rickets). Robert Jütte
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