MEDIZIN
Medizingeschichte(n): Arzneimittel – Dreckapotheke
Dtsch Arztebl 2004; 101(47): A-3184 / B-2694 / C-2566


Zitat: „Im Koth und im Urin liegt GOTT und die Natur. Kuhfladen können dir weit mehr als Balsam nützen. Der blosse Gänsedreck geht Mosch und Ambra [1] für. Was Schätze hast du offt im Kehricht und Mistpfützen. Der beste Theriak liegt draußen vor der Thür. Vom Ohrensausen, üblen Gehör und Taubheit. Vor allerley Mängel am Gehör, wird gelobt Menschen-Urin, und zwar des Patienten eigener [...]. Lasse einen neuen glasurten Topff mit einem Deckel machen, darinne Tobackspfeiffen gehen können, thue einen glüenden Stein hinein, stecke in das eine Loch eine Tobackspfeiffe, mit dem Knopff auf den Stein. Aus dem andern Loch laß die Pfeiffe umgekehrt mit dem Knopff oben heraus gehen, lasse deinen Urin auf den Stein, halte das Ohr auf die andere Pfeiffe, und lasse den Qualm in die Ohren. Haasen-Urin wird gar sehr recommendirt von Ruland [2] nicht allein vor die Taubheit und Klingen der Ohren, sondern auch vor die Ohren-Geschwäre, Ohrenwürmer und Ohrenweh.“
Christian Franz Paullini 1696: Heylsame Dreck-Apotheke / Wie nemlich mit Koth und Urin Fast alle / [...] Krankheiten / und bezauberte Schaden [...] glücklich curiret worden. Frankfurt a. M., 1696; „Erklärung des Kupfers“ beziehungsweise 2. Theil, Frankfurt, 1714; 1. Abt., zu Kapitel 15 und 16. [1] Moschus und Meerschaum. [2] Johann David Ruland (geboren 1585), Stadtphysikus in Pressburg. – Der Eisenacher Stadtarzt Paullini (1643–1712) schildert hier in der Volksmedizin überlieferte Rezepturen der Fäkalien-Medizin. Der (unkritische) Autor möchte mittellosen Kranken zu billigen Arzneien zu verhelfen. Die therapeutische Anwendung von Eigenurin hat übrigens vor wenigen Jahren eine ungeahnte Renaissance erlebt.
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