VARIA: Post scriptum
Schach am Lago Maggiore
Dtsch Arztebl 2004; 101(47): [68] / [68] / [68]

Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, beschied, auf die Symbolik der Zigarrenform angesprochen, einmal lapidar, dass eine Zigarre manchmal nur eine Zigarre sei. Kein Sym-bol für gar nichts, sondern schlichtweg schmackhaft. Die Zigarre ist eng mit dem Schachspiel verbunden – unzählige Kaffeehauspartien künden davon. Sicher nicht zufällig lautete denn auch das Motto der Firma Dannemann, des Ausrichters der Schach-WM zwischen dem russischen Weltmeister Wladimir Kramnik (der Kasparow entthront hatte) und seinem ungarischen Herausforderer Peter Leko: „Zug um Zug verwandelt sich reine Natur in reinen Genuss“.
Beim Wettkampf in Brissago musste sich auch der erklärte Tabakfreund Kramnik, zumindest während der Partien, enthalten. Schach ist heute Sport, der nach seinem Selbstverständnis alle Gesundheitskriterien erfüllen muss: punktum! Die Zuschauer im „Centro Dannemann“ am Ufer
des Lago Maggiore bekamen allerdings noch etwas anderes Schönes zu sehen: Die Top-Models Natalia Vodianova und Carmen Kass, Letztere sogar Präsidentin des Estnischen Schachbunds, statteten wie etliche andere Prominente der WM einen Besuch ab.
Neben einigen dürren Remisen gab es teilweise herrliche Partien zu sehen, die in die Schachgeschichte eingehen dürften. Erst in der letzten Partie gelang es Titelverteidiger Wladimir Kramnik mit einem „brillanten Sieg“ (so der faire Verlierer Leko) den 7 : 7-Ausgleich zu erzielen, damit den Titel zu behaupten und sich die Hälfte des Preisfonds von exakt einer Million Schweizer Franken zu sichern.
Leko war mit zwei Siegen in der fünften und der achten Partie – Letztere ein Juwel, als er trotz hoher Zeitnot gegen einen siegesgewissen Kramnik unter Opfern einen unwiderstehlichen Mattangriff inszenierte – in Führung gegangen, nachdem er gleich in der ersten Partie etwas für seine Verhältnisse Triviales übersehen hatte. „Amaurosis scacchistica acutissima“ (akute Schachblindheit) hätte Siegbert Tarrasch diagnostiziert.
Leko als Weißer dachte, dank der Drohung h5-h6 und Dg7 matt das Remis in der Tasche zu haben, doch nach einem feinen, stillen Zug von Kramnik als Schwarzem hatte der schwarze König eine sichere Festung, und die Türme gelangten schließlich siegreich auf die f-Linie und eroberten den f-Bauern. Wie kam’s?
Lösung:
Der entscheidende Zug war
1. . . . h6! In der Vorausberech-
nung hatte Leko übersehen, dass 2. Dxh6 an 2. . . . Ta8-a6 mit Damenfang scheitert. Danach hatte Weiß kaum noch Gegendrohungen, die Türme waren der Dame hier eindeutig überlegen, trotz zäher Gegenwehr verlor Leko.
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