88 Artikel im Heft, Seite 67 von 88

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Glucose-Insulin-Therapie: Diabetiker mit Herzinfarkt profitieren nicht

Dtsch Arztebl 2004; 101(48): A-3284 / B-2785

Hoc, Siegfried

Studien haben zur Hypothese geführt, dass eine frühzeitige intensiv-medizinische Intervention durch die Gabe einer Glucose-Insulin-Infusion die Sterblichkeit von Diabetikern mit akutem Myokardinfarkt von 29 auf 17,5 Prozent und damit in den Bereich von Nicht-Diabetikern senken kann. Aber nicht nur Diabetiker, sondern auch Nicht-Diabetiker sollen von einer Optimierung der Stoffwechsellage durch eine Infusion aus Glucose und Humaninsulin profitieren, so die Ergebnisse einer Untersuchung. Auch in der ersten DIGAMI-Studie (Diabetes Insulin-Glucose in Acute Myocardial Infarction trial) von 1999 verbesserte eine Glucose-Insulin-Infusion, gefolgt von einer multiplen Insulin-Applikation, die Überlebensrate von Patienten mit Typ-2-Diabetes und akutem Myokardinfarkt.
Gegenteilige Ergebnisse brachte die DIGAMI-2-Studie, die von den Professoren Dr. Klas Malmberg und Dr. Lars Ryden (Stockholm) vorgestellt wurde. DIGAMI-2 wurde in 48 Krankenhäusern in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, den Niederlanden und in Großbritannien durchgeführt. Die 1 253 Patienten (mittleres Alter 68 Jahre; 67 Prozent Männer) mit Typ-2-Diabetes, die wegen des Verdachts auf akuten Myokardinfarkt stationär aufgenommen worden waren, wurden randomisiert zugeteilt zu verschiedenen Behandlungsgruppen.
Die Patienten der Gruppe eins (n = 474) erhielten eine Insulin-Glucose-Infusion, gefolgt von subkutanen multiplen Insulin-Injektionen. Die Patienten der Gruppe zwei (n = 473) erhielten ebenfalls diese Behandlung, gefolgt von einer konventionellen Therapie. Die Patienten der Gruppe drei (n = 306) erhielten von Beginn an nur die konventionelle Therapie. Die mittlere Beobachtungszeit betrug maximal drei Jahre (Range null bis drei Jahre). Alle Patienten konnten nachuntersucht werden.
Die Befunde und die kardiovaskuläre Therapie waren zum Zeitpunkt der Randomisierung in den drei Gruppen vergleichbar. Etwa 90 Prozent der Patienten in jeder Gruppe erfüllten die Risiken für einen Herzinfarkt. Fast ein Drittel aller Patienten bekam schon vor Eintritt in die Studie regelmäßig Insulin appliziert.
41 Prozent in Gruppe drei benötigten zusätzliche Insulingaben während des stationären Aufenthaltes, und 14 Prozent benötigten sogar Insulin-Infusionen. Alle Patienten, die eine Reperfusion benötigten, wurden
der Revaskularisierung zugeführt.
Bei Entlassung aus dem Krankenhaus wurden mehr als 80 Prozent der Patienten mit Betablockern behandelt. ASS erhielten etwa 90 Prozent von ihnen, ACE-Hemmer rund 65 Prozent, ebenso viele erhielten ein Statin. Dabei ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Während des Follow-up-Zeitraumes wurde diese Therapie beibehalten, wobei der Einsatz von Statinen ständig zunahm.
Die Mortalität zwischen der Gruppe eins mit 23,4 Prozent und der Gruppe zwei mit 22,6 Prozent unterschied sich nicht deutlich. Das gilt auch für die Mortalität zwischen den Gruppen zwei und der Gruppe drei mit 19,3 Prozent. Es ergab sich auch kein statistisch signifikanter Unterschied in der Morbidität zwischen den drei Gruppen. Dabei wurden nichttödliche Reinfarkte und Insulte gewertet.
Die Hypothese, dass eine sofortige intensive Insulintherapie die Überlebensrate von Typ-2-Diabetikern mit akutem Myokardinfarkt verbessert, konnte durch die DIGAMI-2-Studie ebenso wenig gestützt werden wie die Meinung, dass eine Behandlung mit einer Insulin-Glucose-Infusion besser als eine konventionelle Therapie ist. Auch konnte nicht bestätigt werden, dass eine insulinbasierte Behandlung die Zahl nichttödlicher Myokardinfarkte und Schlaganfälle verringert. Die Gesamtmortalität konnte besonders in der konventionell behandelten Gruppe 3 gesenkt werden. Die Therapie mit Betablockern und Statinen hatte den Hauptanteil an dem Anstieg der Überlebensrate beigetragen. Siegfried Hoc

Pressekonferenz „Erste Präsentation der DIGAMI-2-Studie“ im Rahmen des 40th EASD Annual Meeting in München
Anzeige

Drucken Versenden Teilen Leserbrief
88 Artikel im Heft, Seite 67 von 88

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

 Zeitraum HTML PDF 
6 / 2013 3 0
5 / 2013 16 0
4 / 2013 17 0
3 / 2013 10 0
2 / 2013 10 0
1 / 2013 5 0
2013 61 0
2012 57 3
2011 46 4
2010 47 6
2009 58 2
2008 299 14
2007 480 31
2006 186 140
2005 100 66
Total 1.334 266

Leserbriefe

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in