VARIA: Schlusspunkt
zu Finanzprodukten: Eine verhängnisvolle Offerte
Dtsch Arztebl 2004; 101(48): [68] / [68] / [68]


Kunde bei DaimlerChrysler zu sein kann durchaus kompliziert werden, vor allem wenn die Karre über die DaimlerChrysler Bank AG finanziert ist oder die Herrschaften sonst wie – etwa über den Verlag Medizinische Medien Informations GmbH – an Ihre Adresse gekommen sind. Dann bekommen Sie nämlich regelmäßig auto-
fremde Post.
„Schalten Sie hoch auf acht Prozent im ersten Jahr“ lockt eine Anlageempfehlung der DaimerChrysler Bank AG die erstaunten Anleger in ein Wertpapier mit dem verheißungsvollen Namen Zins Express Zertifikat, emittiert von der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG.
Um es kurz zu machen: Die Sache hört sich unschlagbar toll an. Also: Das Zertifikat basiert auf dem DowJones EuroStoxx50. Steigt der Index zum 14. November 2005 nur um einen Punkt (verglichen mit dem Indexstand ein Jahr zuvor), erhält der Anleger sofort sein Geld zurück plus acht Prozent Zinsen. Liegt der Index niedriger, macht nix, dann verlängert sich die Laufzeit um ein Jahr auf zwei Jahre, und es findet zum 14. November 2006 wieder die Prüfung statt, ob der Index um mindestens einen Punkt gestiegen ist. Wenn ja, dann gibt es die Einlage plus 16 Prozent Zinsen zurück.
Wenn nein, geht das Spiel munter weiter, bis vier Jahre vorbei sind. Ist der Index
dann wieder mindestens einen Punkt gestiegen, beträgt die Rückzahlung Einlage plus 32 Prozent. Einfach wunderbar.
Die Chose, Sie ahnen es sicher längst, hat einen Haken, natürlich. Gut, dieses Investment (mit dem Indexanstieg) kann gut gehen, und Sie hätten einfach Glück gehabt. Aber glauben Sie im Ernst, der Emittent des Zertifikates hätte das wirklich im Sinn gehabt?
Gesetzt den Fall, am 14. November 2008 notiert der Index um fünf Prozent niedriger als zum Ausgabezeitpunkt des Zins Express Zertifikats, dann gibt es keine Zinsen mehr, sondern lediglich die Einlage zurück. Das ist schon mal kein gutes Geschäft mehr. Schlimmer wird es allerdings, wenn der Index um mehr als 40 Prozent fallen sollte. Dann werden die Verluste locker mit verrechnet, und Zinsen gibt es schon gar nicht mehr.
Nichts mit hochschalten, voll verbremst oder gar ein größerer Schaden am Ende. Glänzend sind solche Aussichten ganz gewiss nicht.
Leserservice:
Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Mo-
nats können Sie auch am 4. Dezember 2004 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wäh-
len Sie bitte die 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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