THEMEN DER ZEIT: Diskussion
Disease-Management-Programm Brustkrebs: Ökonomischer Unsinn
Dtsch Arztebl 2004; 101(49): A-3320 / B-2811 / C-2662


Geldvernichtung, Bürokratismus und Verzweiflungsaktion der Krankenkassen? Das
Disease-Management-Programm Brustkrebs bleibt in der Kritik.
Fotos: dpa
Nach den Daten, die Prof. Hölzel vorlegt, muss man zu der Erkenntnis kommen, dass die ganze Initiative DMP Brustkrebs vonseiten der Gesundheitspolitiker und der Krankenkassen dilettantisch angegangen wurde. Offensichtlich hat Prof. Hölzel exakte Daten, mit denen man ein besseres Konzept zur Früherkennung und Behandlung des Brustkrebses hätte erarbeiten können. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Gesundheitspolitiker von rechts bis links gemeinsam mit
den Krankenkassen ein öffentlichkeitswirksames Projekt aus dem Boden stampfen wollten, um einen gesundheitspolitischen Erfolg dem Wählervolk vorzuweisen.
In Wirklichkeit handelt es sich um illusionäre Vorstellungen von Dilettanten, die damit doch nur ihre Reformunfähigkeit bewiesen haben. Es wurde mit dem DMP Brustkrebs ein bürokratischer Apparat aufgebaut, der letztendlich nach den vorgelegten Fakten eine Geldvernichtungsmaschine darstellt. Hätte man dieses Geld im Gesundheitswesen nicht besser einsetzen können? Hätte man nicht mehr auf den Rat solcher Fachleute hören können, die konkrete Zahlen vorzulegen haben? Oder wollte man trotz besseren Wissens einen Erfolgs-Coup landen?
Nachdenklich stimmt auch, dass die Fachgesellschaften kritiklos der Politik den vorauseilenden Gehorsam leisten. Wäre es nicht sinnvoller, wenn qualifizierte Ärzte und deren Fachgesellschaften sich von dieser dilettantischen Geldvernichtungseinrichtung distanzierten? Stattdessen ist man willens, sich zu einem Dumpingpreis von 50 bis 60 Euro pro Stunde in den DMP-Apparat einzuklinken und dabei den kalkulatorischen Arztlohn – wie von der KBV festgelegt – eindeutig zu unterschreiten. Macht es einen Sinn, wenn sich Ärzte den Politikern und Krankenkassen zu Dumpingpreisen geradezu anbiedern? Könnte man das DMP Brustkrebs nicht den Ärzten überlassen, die bereit sind, sich den Krankenkassen anzubiedern? Eines schönen Tages werden diese mit weiteren DMP sicherlich so weit totgeschlagen, dass sich das gesamte DMP-Konzept von alleine totläuft.
Hier sind sicherlich neue, ärztliche Zusammenschlüsse gefordert, um sich von den Bandagen öffentlich rechtlicher Einrichtungen frei zu machen.
Dr. med. Hans Schaude
Friedhofstraße 7, 88332 Bad Waldsee
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