Referiert
Stalking: Erste epidemiologische Studie in Deutschland
PP 4, Ausgabe Januar 2005, Seite 34


Ein Forscherteam am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim legte jetzt die Ergebnisse einer ersten epidemiologischen Studie zu Stalking in Deutschland vor. Von den 679 Befragten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren waren 78 (zwölf Prozent) schon mindestens einmal in ihrem Leben über eine Zeitspanne von mindestens zwei Wochen mit mindestens zwei unterschiedlichen Methoden verfolgt, belästigt oder bedroht und dadurch in Angst versetzt worden. Unter den Stalkingopfern waren überwiegend Frauen (87,2 Prozent), wohingegen 85,5 Prozent der Stalker Männer waren. Bei 68 Prozent der Stalkingopfer dauerte die Verfolgung, Beeinträchtigung und Belästigung länger als einen Monat, bei 24,4 Prozent sogar länger als ein Jahr. Im Durchschnitt
waren die Opfer etwa fünf verschiedenen Stalking-Methoden ausgesetzt, wie unerwünschte Telefonanrufe, Auflauern oder Kontaktaufnahme über Dritte. In 34,6 Prozent der Fälle wurden explizite Drohungen ausgesprochen, denen in 30,4 Prozent Gewalthandlungen folgten. In 75,6 Prozent der Fälle kannte das Opfer seinen Verfolger, meistens waren es ehemalige Intimpartner. Die Stalkingopfer zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant schlechtere psychische Befindlichkeit. Sie berichteten über Symptome infolge des Stalkings, wie beispielsweise verstärkte Unruhe, Angst, Schlafstörungen und Depressionen. Nur ein Teil erstattete Anzeige bei der Polizei (20,5 Prozent) oder suchte einen Rechtsanwalt auf (11,5 Prozent). 24,4 Prozent konsultierten einen Arzt oder Therapeuten wegen der psychischen Beeinträchtigungen. Die Forscher meinen: „Die Studie zeigt, dass Stalking auch in Deutschland ein erhebliches und ernst zu nehmendes Problem darstellt.“ ms
Kontakt:
Dr. med Marina Martini, ZI Mannheim, E-Mail: martini @zi-mannheim.de; Internet: www.zi-mannheim.de
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