BRIEFE
UAW-Datenbank: Noch viele offene Fragen
Dtsch Arztebl 2005; 102(4): A-193 / B-158 / C-152


Die Empfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
(AkdÄ) zur Therapie mit spezifischen COX-2-Inhibitoren („Coxiben“) sind als konsequente Anwendung des „primum nil nocere“-Prinzips zu begrüßen. Die wissenschaftliche Diskussion ist jedoch komplexer als dargestellt und darf nicht auf die Coxibe verengt werden:
1. Alle NSAR können durch Flüssigkeitsretention und Blutdruckerhöhung zu kardiovaskulären Nebenwirkungen führen.
2. Coxibe verschieben zudem das Thromboxan-Prostacyclin-Gleichgewicht zugunsten des prothrombotischen Thromboxans.
3. Ob Letzteres zu einer erhöhten Rate thromboembolischer Ereignisse führt, muss substanzspezifisch untersucht werden. Die Coxibe sind chemisch keine einheitliche Gruppe, es bestehen erhebliche Unterschiede in der Pharmakokinetik und der Beeinflussung kardiovaskulärer Mediatorsysteme.
Nach Erscheinen oben genannter Empfehlungen wurde bekannt, dass Celecoxib 400 bis 800 mg/d in einer placebokontrollierten Studie zur
Kolonkarzinomprävention nach drei Jahren zu einer zwei- bis dreifach erhöhten Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse führte. Hingegen wurde in einer Parallelstudie und einer Langzeitstudie zur Prävention des Morbus Alzheimer mit Celecoxib 400 mg/Tag kein solches Risiko festgestellt. Kürzere pro- und retrospektive Studien zur analgetischen und antiphlogistischen Therapie mit Celecoxib zeigten im Vergleich zu herkömmlichen NSAR eher ein vermindertes Risiko. Aktuell wurde nun für das bislang eher als protektiv geltende Naproxen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Langzeitanwendung festgestellt, was durch den oben genannten Klasseneffekt aller NSAR gut erklärbar ist.
Es bestehen somit viele Fragen zur NSAR-Therapie, nicht nur zu den Coxiben. Diese zu klären und eine möglichst sichere Therapie mit dieser problematischen Wirkstoffgruppe zu ermöglichen ist eine Aufgabe der nächsten Jahre.
Priv.-Doz. Dr. med. Dirk O. Stichtenoth,
Prof. Dr. med. Jürgen C. Frölich
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
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