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AKTUELL: Akut

Organmangel: Die Spenderkriterien haben sich verändert

Dtsch Arztebl 2005; 102(9): A-541 / B-461 / C-429

Zylka-Menhorn, Vera

Der Organmangel und das Kumulieren der Warteliste – in Deutschland hoffen jährlich 12 000 Personen auf ein Organ – führt dazu, dass sich die Spenderkriterien entscheidend verändert haben. Inzwischen werden weltweit Organe von Spendern akzeptiert, die vor ein paar Jahren noch abgelehnt worden wären. Diese Ausweitung beruht auf medizinischen Erkenntnissen aus 50 Jahren Transplantationsgeschichte und nicht – wie man der Laienpresse im Rahmen der Berichterstattung über die Tollwutinfektion nach Organspende entnehmen könnte – auf Fahrlässigkeit. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation in einer Stellungnahme betont, müssen der optimale Nutzen für den Empfänger (die Transplantatfunktion) und sein Infektionsschutz, aber auch die Dringlichkeit für den Transplantatempfänger berücksichtigt werden. „Hierbei handelt es sich um teilweise konkurrierende Einflussgrößen“, die in jedem Fall eine individuelle Abwägung erforderlich machten. Diese stütze sich auf zusätzliche anamnestische, klinische und laborchemische Untersuchungen. Je nach Profil von Spender und Empfänger entscheidet das Zentrum, das potenziell die Transplantation durchführen wird, über Annahme oder Ablehnung eines Organangebotes.

So hat das Alter des Verstorbenen inzwischen keine Relevanz mehr, ausschlaggebend ist allein die Organfunktion. Auch ein Funktionsverlust, wie ein akutes Nierenversagen, stellt keine grundsätzliche Kontraindikation dar. Gleichermaßen führen Infektionskrankheiten in der Anamnese (wie Hepatitis ) prinzipiell nicht zum Abbruch einer Organspende, sofern eine adäquate und suffiziente Therapie eingeleitet wurde. Als relative Kontraindikation gilt auch eine Sepsis des Organspenders, sofern seine Kreislaufsituation stabilisiert werden konnte und keine multiresistenten Keime im Blut vorliegen. Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum – insbesondere wenn die Drogen nicht intravenös injiziert wurden – sind grundsätzlich keine Kontraindikationen.

Die Organtransplantation ist nach wie vor eine erfolgreiche Behandlungsmethode, die den Transplantatempfängern ein Leben mit deutlich gesteigerter Qualität bietet, als dies durch jede andere medizinische Maßnahme möglich wäre. Diese Einschätzung vertritt der Bundesverband der Organtransplantierten e.V. Patienten auf Wartelisten wüssten um die Restrisiken von Infektionen infolge des diagnostischen Fensters und seien bereit, diese zu akzeptieren, da es „bei ihnen in erster Linie um ihr Überleben geht“. zyl
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