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Wachkoma-Patientin Terri Schiavo: Unwürdiges Spektakel

Dtsch Arztebl 2005; 102(13): A-861 / B-729 / C-681

Hibbeler, Birgit

Der Kampf um Terri Schiavos Leben ist entschieden. Nach einem siebenjährigen Rechtsstreit hat sich Schiavos Ehemann mit seinem Wunsch durchgesetzt, die künstliche Ernährung seiner Frau nach 15 Jahren abzubrechen. Das konnte auch US-Präsident George W. Bush nicht verhindern, obwohl er für Terri Schiavo seinen Urlaub unterbrach. Mit der Unterzeichnung eines Eilgesetzes hatte er im Tauziehen um das Leben der 41-jährigen Patientin die nächste Runde eingeläutet. Das Sondergesetz ermöglichte Schiavos Eltern, die erbittert für das Leben ihrer Tochter kämpften, den Gang vor die Bundesjustiz. Hier aber scheiterten die überzeugten Katholiken ebenfalls in allen Instanzen. Schließlich wollte Floridas Gouverneur Jeb Bush die Wachkoma-Patientin in staatliche Obhut nehmen. Auch dieses Vorhaben misslang. Bereits zweimal war in den letzten Jahren der Patientin die Magensonde entfernt, anschließend aber aufgrund einstweiliger Verfügungen erneut gelegt worden: ein unerträgliches Hin und Her. Ehemann Michael Schiavo betonte, seine Frau habe vor ihrer Erkrankung erklärt, in einem Zustand wie ihrem jetzigen nicht am Leben gehalten werden zu wollen. Schriftlich fixiert hatte sie dies nie. Aber das tun wohl die wenigsten Menschen im Alter von 26 Jahren.
Ohne Zweifel ist die Entscheidung, die künstliche Ernährung der Patientin und so ihr Leben zu beenden, äußerst problematisch. Die echte Sorge um das Schicksal eines Menschen ist jedoch zu einem ideologischen Grabenkampf geworden. Jeb Bush machte das Drama perfekt, als er in letzter Minute einen Neurologen aus dem Hut zauberte, der die Diagnose „apallisches Syndrom“ anzweifelte. Alles ein Irrtum – passend zur Passionszeit: Auch Jesus sei aufgrund eines falschen Gerichtsurteils getötet worden, so ein Geistlicher.
Der Fall Schiavo ist eines vieler Einzelschicksale. Wegen des unversöhnlichen Rechtsstreits zwischen den Familienangehörigen wurde er zum öffentlichen Ereignis, aufgrund der geschmacklosen Instrumentalisierung durch Politiker und „Lebensschützer“ zu einem unwürdigen Medienspektakel. Terri Schiavo stirbt einen öffentlichen Tod. Mit Respekt vor dem Leben hat das wenig zu tun.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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