AKTUELL
Zigaretten: Gefährliche Zusatzstoffe
Dtsch Arztebl 2005; 102(13): A-864 / B-732 / C-684


Aktions-Plakat der US-Initiative
Campaign for Tobacco-Free Kids“
Krebsforschungszentrum sieht Handlungsbedarf.
Ein Verbot von Zusatzstoffen in Tabakerzeugnissen hat das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gefordert. Die von der Tabakindustrie hinzugegebenen Stoffe seien krebserzeugend und verstärkten das Abhängigkeitspotenzial. Dies folgerte das DKFZ nach der Durchsicht von ehemals vertraulichen Dokumenten der Tabakindustrie. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Publikation „Die Tabakindustriedokumente I: Chemische Veränderungen an Zigaretten und Tabakabhängigkeit“ zusammengefasst. „Die Dokumente belegen, dass die Tabakkonzerne seit Jahrzehnten Zusatzstoffe wie Ammoniak, Harnstoff, Menthol, Zucker oder Metalloxidstäube unter den Rohtabak mischen“, so Dr. med. Martina Pötschke-Langer vom DKFZ. Menthol zum Beispiel erleichtere die Nikotinaufnahme und werde nicht nur in ausgewiesenen Mentholzigaretten hinzugefügt, Zucker mache den Geschmack weicher. Die chemischen Veränderungen führten zur Inhalation größerer Rauchmengen und zu einer erhöhten Krebsgefahr durch die Verbrennung der Zusatzstoffe bei hoher Temperatur.
Ein Freifahrtschein der Chemischen Industrie für die Zugabe von Zusatzstoffen war die Verordnung über Tabakerzeugnisse von 1977. „Hierin werden bis zu 600 Einzelsubstanzen und chemische Gemische erlaubt“, sagte Dr. Dr. med. Heinz-Walter Thielmann vom DKFZ. Die Konsequenzen seien damals noch nicht bedacht worden. MM
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