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POLITIK

Integrierte Versorgung: Koordinierte Behandlung

Dtsch Arztebl 2005; 102(13): A-870 / B-736 / C-688

Hibbeler, Birgit

Im „Netz Essen Onkologie“ sollen Betroffene nicht allein durch den Medizinbetrieb irren.

Die Diagnose einer Krebserkrankung ist für Betroffene ein Schock. Die Patienten und ihre Angehörigen stehen unter einer immensen psychischen Belastung. Viele Tumorkranke befürchten, bei unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten nicht die optimale Behandlung zu erhalten. Gerade ältere Betroffene sind oftmals überfordert. Werden die Patienten von verschiedenen Leistungserbringern behandelt, ergibt sich ein zusätzliches Kommunikationsproblem.
Hier setzt das „Netz Essen Onkologie“ an, das durch einen Vertragsabschluss im Rahmen der Integrierten Versorgung nach §§ 140 a bis h SGB V zustande gekommen ist. Einerseits soll der Patient einheitlich und koordiniert therapiert werden. Dies geschieht durch definierte Behandlungspfade und eine Kooperation zwischen ambulantem
und stationärem Bereich. Andererseits steht dem Krebskranken ein so genannter Patienten-Scout zur Seite, der ihn unterstützt.
Patienten-Scout unterstützt
Für Prof. Dr. med. Hansjochen Wilke, Chefarzt der Onkologischen Abteilung des Klinikums Essen-Mitte, nehmen Tumorerkrankungen eine Sonderstellung ein. Die Diagnose „Krebs“ bedeute eine extreme Verunsicherung für Patienten, die durch fehlende Strukturen und unterschiedliche Aussagen von Ärzten noch verstärkt werde. „Der Patient braucht in einer solchen Situation definierte Behandlungspfade auf der Basis wissenschaftlicher Leitlinien.“ Im hochkomplexen Bereich der Onkologie sei es außerdem wichtig, Kompetenzen in Zentren zu vereinen.
„Der Patient soll im Medizinbetrieb nicht verloren gehen“, so Projektleiter Wolfgang Müller von der Bundesknappschaft. Bisher sei der onkologische Patient unkoordiniert von mehreren Leistungserbringern behandelt worden. Diese Koordination soll in Zukunft der „Patienten-Scout“ übernehmen. Dieser hat außerdem die Aufgabe, den Kranken zu unterstützen und zu entlasten. „Er ist der ‚Kümmerer‘, der ein Ohr für die Sorgen und Nöte des Patienten hat“, betont Müller. Der „Patienten-Scout“ soll den Krebskranken auf seinem Behandlungsweg begleiten und bei der Hilfsmittelbeschaffung und Anträgen helfen.
Andrea Hallermann ist die erste Vertreterin des neuen Berufsbildes und seit Anfang März als „Patienten-Scout“ im Alfried-Krupp-Krankenhaus beschäftigt. Die Quereinsteigerin hat medizinisches Vorwissen im Rahmen ihrer Arbeit als Patientenbetreuerin in der Schmerzambulanz des Alfried-Krupp-Krankenhauses gesammelt. Zuvor war sie im Hotelgewerbe und für einen großen Getränkehersteller tätig. Absolute Kundenorientierung gehört somit sicherlich zu ihren Fähigkeiten. Hallermann zeigt sich hoch motiviert und sieht sich als verbindendes Glied zwischen den verschiedenen Disziplinen im ambulanten und stationären Bereich: „Ich möchte den Patienten im Mittelpunkt sehen.“
Am „Netz Essen Onkologie“ sind die Kliniken Essen-Mitte, das Alfried-Krupp-Krankenhaus und das ambulante Tumorzentrum GbR beteiligt. Der Vertragsabschluss erfolgte mit neun gesetzlichen Krankenkassen, darunter AOK, Bundesknappschaft, IKK und mehrere Betriebskrankenkassen. Rund 270 000 Essener sind bei den teilnehmenden Kassen versichert. 1 600 werden jährlich aufgrund eines Krebsleidens stationär behandelt. Im Projekt eingeschlossen sind Tumorerkrankungen des Gastrointestinaltraktes, der Mamma, des Bronchialsystems, der Prostata, der Harnblase und Non-Hodgkin-Lymphome.
Die Resonanz aus dem ambulanten Bereich ist bislang verhalten. Nur das ambulante Tumorzentrum hat den Vertrag mit abgeschlossen. Es handelt sich um den Zusammenschluss einer hämatoonkologischen und einer strahlentherapeutischen Praxis. Dr. med. Birgit Hibbeler
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