16 Artikel im Heft, Seite 3 von 16

Supplement: Reisemagazin

Arabische Emirate: Zu Gast bei den Wüstensöhnen

Dtsch Arztebl 2005; 102(15): [4]

Amann, Erika

Dubai City mit dem World Trade Centre vom Creek gesehen.
Als hätte Aladin mit seiner Wunderlampe gezaubert, so aufregend sind Kontraste und Programme, die den Urlauber in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) am Persischen/ Arabischen Golf erwarten: Auf dreispurigen Prachtautobahnen fährt er in Wolkenkratzer-Citys, wohnt in Komforthotels mit moderaten Preisen an endlosen Badestränden, Warmwassergarantie inklusive, und findet direkt vor der Tür Paläste, orientalische Bazare und Wüstenabenteuer aus Tausendundeiner Nacht. Sechs Flugstunden von Deutschland entfernt ver-suchen die Emirate, sich zu einer attraktiven Konkurrenz zu den Kanarischen Inseln, dem Winterziel Nummer eins, zu entwickeln. Der Blick aus dem Flugzeugfenster ist enttäuschend: Statt strahlender Wüstensonne dichter Nebel, obwohl sich das Flugzeug über der arabischen Halbinsel im Anflug auf Abu Dhabi befindet. Der Kapitän erklärt: „Ein Sandsturm tobt über der Wüste.“ Gegen solche „Sandspiele“ wappnete sich der Scheich von Abu Dhabi. Um Verwehungen vorzubeugen, ließ er entlang seiner 37 Kilometer langen, schnurgeraden Autobahn in die Metropole Oleander und Palmen pflanzen. Die grüne Pracht versperrt die Sicht auf die Wüste. 25 000 Gärtner stehen in Lohn und Brot, um das Grün in üppigen Stadtparks und Alleen zu pflegen. Immenses Geld verschlingt die künstliche Bewässerung.
Die City von Abu Dhabi ist voll von Wolkenkratzern; alle neu, denn keiner darf älter als 15 Jahre sein. Danach lässt sie der Herrscher abreißen und neu aufbauen. Zwischen die Hochhäuser schieben sich arabische Paläste, Ministerien, Parks und ein Fußballstadion für 60 000 Zuschauer. Mindestens alle 500 Meter wartet eine weiße Moschee auf „Locals“, wie sich die Einheimischen hier selbst nennen. Der Muezzin „arbeitet“ nicht elektronisch, er steigt noch hinauf aufs Minarett und ruft seine Gläubigen zum Gebet – fünfmal am Tag. Die Locals haben kein Problem damit, ihr uraltes Kulturgut zu pflegen und mit modernen kapitalistischen Konsumgepflogenheiten zu vereinbaren, obwohl sie fast über Nacht in die Neuzeit katapultiert wurden.
Abu Dhabi
Vor 100 Jahren, so weiß es die Legende, entdeckten Beduinen auf der Jagd nach einer Gazelle eine Süßwasserquelle. Bei dieser seltenen Kostbarkeit in der Wüste ließen sie sich nieder und bauten ihre palmblatt-
gedeckten Lehmhütten. Ihr Dorf nannten sie zum Dank Abu Dhabi, was übersetzt „Vater der Gazelle“ bedeutet. Ein sehenswerter Film im Petro-Museum zeigt, wie bescheiden der Ort 1952 aussah, als mit der Entdeckung des schwarzen Goldes ein Märchen begann. Wie das Öl strömten die Dollars bald reichlich. Von heute auf morgen wurde Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahayan – und 2004 nach seinem Tod sein ältester Sohn Sheikh Khalifa – Herr über einen der reichsten Staaten der Welt. Ihre Untertanen haben es gut: Sie bezahlen weder Steuern noch Strom oder Wasser. Jungen einheimischen Hochzeitspaaren greift man unter die Arme: Ihnen wird ein Häuschen geschenkt. Gastarbeiter aus Indien, Sri Lanka, den Philippinen und Thailand, die man auf Zeit ins Land holt, verdienen gutes Geld. Sie arbeiten in fast allen Sparten und sorgen für einen exzellenten Service. Von den rund 800 000 Einwohnern in Abu Dhabi stellen die Gastarbeiter schon einen Anteil von 70 Prozent, sind allerdings rechtlos wie Sklaven. Es gelang dem Sheikh, die internationale Spitzenhotellerie – von Hilton International über Interconti bis Meridien – anzulocken. Küche, Sport und Entertainment werden groß geschrieben in ihren Vier- und Fünfsterne-Anlagen.
Wadi-Bashing
Wir erwarten, dass der Guide, der mit uns durch die Liwa-Wüste fährt, eine der größten Sandwüsten der Welt, sich als Hadji Halef Omar vorstellt. Die Karl-May-Figur taucht nicht auf. Der couragierte Fahrer ist ein Gastarbeiter aus Goa und heißt George. Wir probieren Wadi-Bashing aus, einen besonderen Sport, eine Art Dünen-Looping. Mit Schwung rasen wir auf die Kämme der Sanddünen. Oben drehen die Räder des Geländewagens durch, der Jeep-Fahrer muss energisch gegensteuern, dann geht es mit Karacho durch feinsten Wüstensand 40 Grad steil bergab. Der Magen hüpft fast wie das Auto, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Vielleicht hätten wir doch lieber auf einem Kamel reiten sollen, seine wiegenden Schritte verursachen nur das Gefühl von leichtem Seegang. Dann kommt auch schon die Belohnung. Wie von Aladin hingezaubert, steht plötzlich ein Beduinenzelt in der Wüste. Es duftet nach Würstchen und Steaks. Aber erst heißt es „Ahlan Wa Sahlan“, herzlich willkommen, zum Sonnenuntergang. Während der Kellner mit Kardamom und Nelken
gewürzten arabischen Kaffee aus alten Schnabelkannen ausschenkt, beobachten wir die Sonne, wie sie als Feuerball in den Schattenrissen der Dünenberge versinkt. In wenigen Minuten bricht die Nacht herein, ein honiggelber Mond und Myriaden blank geputzter Sterne beginnen zu leuchten. Nur Suleika, die Bauchtänzerin, fehlt noch. Sie tanzt erst in Al Ain. Wieder ein Wunder in der Wüste: Aus fünf Oasen wurde eine lebhafte Stadt mit Moscheen, einer Universität und grünen Parks gezaubert. Ein exotisches Erlebnis ist der tägliche Kamelmarkt. Über die nahe Grenze kommen viele Nachbarn aus Oman herüber. In ihren blasslila Dischdaschas sind sie leicht von den weiß gekleideten Männern Abu Dhabis zu unterscheiden. Gründlich werden die Kamele begutachtet, wird palavert, bis der Handel endlich abgeschlossen ist und ein störrisches Kamel mit vielen Händen und Allahs Hilfe auf einen Lastwagen gezerrt wird.
In der Wüste: Dünenlooping und Kamelreiten / Schippern auf einer alten Dhau / Exklusiver Emirates Golf Club
Fotos: dubaitourism
Von Al Ain geht es zügig in den Oman. Durch eine kahle Berglandschaft und durch eintönige Lehmdörfer führt der Weg in die Hauptstadt Muskat. Das Land Sindbads des Seefahrers, einst Handelszentrum für Weihrauch, Perlen und Parfüms, pendelt mittlerweile zwischen Mittelalter und 21. Jahrhundert. Das verdankt der Oman seinem fortschrittlichen Herrscher, Sultan Quabus Ibn Said Al Said, und den Öl-Dollars. 800 Tonnen Marmor ließ er im Palasthotel Al Bustan in Muskat verbauen. Lieblingsspielzeug für Omanis sind heute Luxusautos und Fernseher. Trotzdem ist das Weihrauchland, in das Touristen erst seit 1987 einreisen dürfen, so orientalisch wie kaum ein zweiter Staat am Golf.
Dubai: Dhau-Taxi
Die schönsten alten Dhaus dagegen schmücken den Hafen von Dubai am Creek. Wer sich beispielsweise auf dem Golfplatz der Stadt umsehen will, kann sich mit einem hölzernen Wassertaxi hinschippern lassen. Dubai verfügt als modernstes der Emirate über ein lebhaftes Nachtleben und gigantische Superlative der Architektur. Das gilt für das „World Trade Centre“ mit 37, die „Emirate Towers“ mit 55 Etagen und das teuerste Hotel der Welt (sieben Sterne), das „Burj al Arab“. Eine künstliche Insel in Form einer Palme mit 100 Hotels soll bis 2007 fertig sein, ein Jahr früher das erste Unterwasserhotel „Hydropolis“ mit 240 Suiten in 20 Metern Tiefe.
Im Goldbazar lassen sich inzwischen Touristinnen wie die einheimischen Frauen in ihrem schwarzen, typischen Abaya-Umhang und der Goldledermaske vor dem Gesicht vom glitzernden Geschmeide verführen. Mit arabischer Geduld und der eindringlichen Frage nach dem letzten Preisangebot kann man Schnäppchen machen. Erika Amann

Reise-Tipps
Formalitäten: Mindestens noch sechs Monate gültiger deutscher Pass ohne Einreisestempel nach Israel. Dubai erteilt ein Gratisvisum am Airport; ein Visum für Oman ist bei der Botschaft des Sultanats Oman, Berlin, Telefon: 0 30-81 00 50, E-Mail: info@oman-embasssy.de, anzufordern.
Erfreulich: Keine Kriminalität in den VAE.
Klima: Luft tagsüber 23 bis 30 °C, Meer 22 bis 28 °C.
Flüge: LH, Emirates Airlines nonstop ab Düsseldorf, Frankfurt/M., München nach Dubai und Abu Dhabi inklusive Zug. Pauschalwoche Flug/ÜF: Hilton in Abu Dhabi ab 1 100 Euro, Djebel Ali Golf Resort & Spa in Dubai ab 1 400 Euro (Thomas Cook); Oman-Rundreise mit Bus und Jeep ab Dubai 850 Euro, mit Flug ab 1 400 Euro (z. B. Neckermann-Fernreisen).
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